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Von "Ausbeuter" bis "Wixxer": Was Sie über Ihren Chef auf Facebook lieber nicht schreiben

Wer auf Facebook über seinen Chef herzieht, kann gefeuert werden. Wie schlimm die Beleidigung ist, entscheiden Gerichte im Einzelfall. "Finanztest" hat die wichtigsten Urteile zusammengestellt.

Facebook-Schmähungen können drastische Konsequenzen haben

Facebook-Schmähungen können drastische Konsequenzen haben

Auf Facebook herrscht mitunter ein rauer Ton. Eine derbe Bemerkung hier, ein ätzender Kommentar da. Einfach mal schnell rausgeschossen. Wer über seinen Chef ablästert, muss allerdings ernsthafte Konsequenzen fürchten: Es droht die fristlose Kündigung, wie die jüngste Rechtsprechung zeigt. "Die Tendenz geht dahin, dass öffentliches Beleidigen im Internet häufig heftiger gewertet wird als offline, weil hier einfach gilt: 'Das Netz vergisst nie'", sagt Arbeitsrechtlerin Antje Burmester in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest".

Aber welche Beschimpfung reicht unter welchen Umständen aus, um einen Mitarbeiter zu feuern? Es kommt auf den Einzelfall an - wie ein Blick auf verschiedene Urteile zeigt.

"Menschenschinder" und "Ausbeuter" geht nicht

Schlecht ging die Sache für einen Bochumer Auszubildenden aus, der seinen Chef auf Facebook als "Menschenschinder" und "Ausbeuter" schmähte. Diese Begriffe hatte er auf seinem Profil öffentlich einsehbar unter dem Punkt "Arbeitgeber" eingetragen. Der Ausbildungsbetrieb, der pikanterweise selbst Facebook-Profile für Kunden erstellte, kündigte dem Azubi daraufhin fristlos. Zurecht, wie das Landgericht Hamm entschied (Az. 3 Sa 644/12).

Eine derart grobe Beleidigung geht über die Grenze der Meinungsfreiheit hinaus und rechtfertigt die fristlose Kündigung. "Je stärker die Entgleisung ist, umso weniger erforderlich ist eine Abmahnung", sagt Arbeitsrechtlerin Burmester "Finanztest". Was unzulässige Schmähkritik ist und was noch freie Meinungsäußerung - darüber haben Richter auch schon vor Facebook entschieden. So hielt der BGH die Bezeichnung "Halsabschneider" in einer Gewerkschaftszeitung für unzulässig (Az. VI ZR 204/74). "Dummschwätzer", Trottel" und "linke Bazille" ließen die Gerichte laut "Finanztest" aber bereits durchgehen.

Der "Wixxer" landet in der Personalabteilung

Auch die Frage, was öffentlich ist und was privat, ist in Facebookzeiten nicht immer leicht zu unterscheiden. So zog ein Mitarbeiter auf der Pinnwand eines Kollegen mit den Worten "Wixxer" und "Drecksau" über seinen Vorgesetzten her. Der Angestellte war zwar mit seinem Chef auf Facebook nicht befreundet - dafür aber mit drei Dutzend seiner Kollegen, weshalb es nicht lange dauerte bis auch die Personalabteilung über die Unflätigkeiten im Bilde war. Der Arbeitgeber kündigte zunächst fristlos, schließlich einigte man sich aber doch noch.

Mehr zum Thema können Sie auf www.test.de lesen

bak
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