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Arbeitskräfte: Mittelstand als Jobmaschine

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit sucht der Mittelstand händeringend Arbeitskräfte. Unternehmer beklagen jedoch die mangelnde Qualifikation und Motivation der Bewerber.

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland sucht der Mittelstand händeringend Arbeitskräfte. Wie die jüngste "MIND"-Studie zur Lage der mittelständischen Unternehmen ergab, hatten 2003 rund 84.000 Betriebe fast 400.000 offene Stellen zu besetzen. Selbst für einfache Arbeiten sei es schwer, Personal zu finden, erklärte der Chefredakteur des Magazins "Impulse", Klaus Schweinsberg, am 9. März bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Hauptprobleme seien mangelnde Qualifikation und Motivation.

Insgesamt ging die Zahl der offenen Stellen aber auch im Mittelstand, der traditionell als "Jobmaschine" gilt, weiter zurück. 2001 waren der Untersuchung Studie zufolge noch fast 600.000 offene Stellen auf dem Markt, darunter 234.000 für qualifizierte Arbeiter und Angestellte. 2003 wurden nur noch 130.000 Fachkräfte gesucht.

Fehlende Qualifikation der Bewerber

Das Ringen um qualifiziertes Personal sei aber heute viel aufwändiger, erklärte Schweinsberg. Über die Hälfte der Unternehmen suche länger als vier Monate. Jeder zweite Unternehmer (51 Prozent) nannte als größte Schwierigkeit die fehlende Qualifikation der Bewerber, 45 Prozent die mangelnde Motivation.

Für die Studie "MIND - Mittelstand in Deutschland", die alle zwei Jahre von "Impulse" und dem Institut für Mittelstandsforschung vorgelegt wird, wurden mehr als 1.043 Unternehmer aus allen Branchen und Regionen befragt.

Jeder fünfte Chef ist eine Frau

Als wichtigsten Trend bezeichneten die Forscher den Vormarsch der Frauen. Der Studie zufolge ist mittlerweile fast jeder fünfte Chef im Mittelstand eine Frau. 2001 waren es nur 13,9 Prozent. Insgesamt stieg die Zahl der Unternehmerinnen seit 2001 von 180.000 auf 280.000. Frauen auf Chefsesseln seien der Studie zufolge dauerhafter und beständiger, dafür aber risikoscheuer, wenn es um Veränderungen gehe, sagte Schweinsberg.

Die größte Sorge des deutschen Mittelstandes ist derzeit der zunehmende Wettbewerbsdruck durch die Globalisierung. Jeder zweite Unternehmer (53,2 Prozent) sieht sein Geschäft dadurch bedroht. Insgesamt schätzten die Mittelständler die wirtschaftliche Lage zwar besser ein als vor zwei Jahren, im eigenen Betrieb habe sich dies aber noch nicht ausgewirkt, sagte Schweinsberg. "Die konjunkturelle Belebung hat den Mittelstand nicht mitgenommen."

Ungewisse Nachfolge

Rund 190.000 Firmenchefs gehen in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand. Wie die Untersuchung ergab, wissen rund 60.000 von ihnen noch nicht, wie die Nachfolge geregelt wird. 36,6 Prozent haben sich entschlossen, das Unternehmen an die Kinder zu übergeben, die übrigen wollen das Unternehmen aufgeben (5,7 Prozent), an Teilhaber oder Angestellte übergeben (14 Prozent) oder an außen Stehende verkaufen (13,5 Prozent).

Insgesamt arbeiten fast 14 Millionen der 38 Millionen Beschäftigten in Deutschland in mittelständischen Betrieben. Der Studie zufolge werden rund 700.000 junge Leute in 267.000 Unternehmen ausgebildet. Die an der Umfrage beteiligten Firmen mussten einen Jahresumsatz von mindestens 250.000 Mark aufweisen und durften maximal 500 Mitarbeiter haben.

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