Arbeitsmarkt Langzeitarbeitslose: Zahl drastisch gestiegen


Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im vergangenen Jahrzehnt drastisch gestiegen. Nach einer Studie war 2002 jeder zweite Erwerbslose länger als ein Jahr auf Jobsuche.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im vergangenen Jahrzehnt drastisch gestiegen. Nach einer heute veröffentlichten Studie des Statistischen Bundesamtes war 2002 jeder zweite Erwerbslose länger als ein Jahr auf Jobsuche, 1991 war es noch jeder dritte. Die Zahl der Arbeitslosen, die sich länger als zwei Jahre um eine Stelle bemühten, stieg im selben Zeitraum von 18 auf 30 Prozent.

Die Arbeitsämter sind bei der Jobsuche weiterhin die erste Adresse. 96 Prozent der Erwerbslosen nahmen der Studie zufolge die Dienste der Behörden in Anspruch, nur 17 Prozent wandten sich an private Vermittler. Ein großer Teil der Arbeitslosen setzt aber auch auf Eigeninitiative: 44 Prozent bewarben sich auf Stellenanzeigen, 27 Prozent nutzten persönliche Kontakte und jeweils elf Prozent verschickten so genannte Blindbewerbungen und gaben eigene Inserate auf.

Ostdeutschland: 84 Prozent leben von der "Stütze"

Arbeitslose in Ostdeutschland sind der Studie zufolge in weitaus stärkerem Maße auf Arbeitslosengeld oder -hilfe angewiesen als Westdeutsche. In den neuen Ländern war 2002 für 84 Prozent die "Stütze" die Hauptquelle für den Lebensunterhalt, im alten Bundesgebiet dagegen nur für 67 Prozent. Unterstützung von Angehörigen erhielten 20 Prozent der westdeutschen, aber nur neun Prozent der ostdeutschen Arbeitslosen.

Für den so genannte Mikrozensus des Statistischen Bundesamts wurden im April 2002 rund 830.000 Menschen in 390.000 Haushalten befragt. Damit handelt es sich um die größte jährliche Umfrage in Europa. Sie wird seit 1957 durchgeführt.

Nur 61 Prozent der Mütter sind erwerbstätig

Frauen müssen der Untersuchung zufolge wegen der Kindererziehung weiterhin deutlich stärkere berufliche Abstriche hinnehmen als Männer. 2002 waren 86 Prozent der Väter, aber nur 61 Prozent der Mütter erwerbstätig. Jede dritte berufstätige Mutter arbeitete Teilzeit. Bei den Vätern waren es nur drei Prozent, im Vergleich zu 1996 bedeutete dies allerdings einen deutlichen Anstieg um 38 Prozent.

Weiterhin bestehen bei der Erwerbstätigkeit von Müttern deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. In den neuen Bundesländern arbeiten 50 Prozent ganztägig, weitere 19 Prozent haben einen Teilzeitjob. Im Westen sind nur 20 Prozent der Mütter vollbeschäftigt und weitere 39 Prozent teilweise.

Immer mehr Paare ohne Trauschein

Die Studie gibt auch Auskunft über die Entwicklung der Lebensformen in Deutschland. Immer mehr Paare verzichten den Ergebnissen zufolge auf den Trauschein. Im vergangenen Jahr gab es 2,2 Millionen nichteheliche Partnerschaften und damit 24 Prozent mehr als 1996. Trotzdem bleibt die Ehe weiter klar die bevorzugte Form der Lebensgemeinschaft. Von den insgesamt 21,6 Millionen Paaren in Deutschland waren im vergangenen Jahr 89 Prozent verheiratet, 1996 waren es noch 91 Prozent.

Die Zahl der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften lässt sich der Studie zufolge nicht genau bestimmen. 2002 habe sie zwischen 53.000 und 148.000 gelegen, 1996 seien es noch zwischen 38.000 und 124.000 gewesen.


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