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Arbeitsmarkt: Schlechte Karten für Alte

Aus Sicht deutscher Unternehmen sind wesentliche Einstellungshindernisse für ältere Arbeitnehmer hohe Lohnkosten und die Unvereinbarkeit mit bestehenden Mitarbeiter-Strukturen.

Der demografische Wandel in Deutschland wird immer mehr zu einem wichtigen Aspekt der Personalplanung. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Befragung von Randstad Deutschland unter mehr als 400 Personalentscheidern deutscher Unternehmen.

Über 43 Prozent der befragten Unternehmen geben an, sich bereits heute mit dem Thema auseinanderzusetzen. Weiter ergab die Befragung: Insbesondere in der Dienstleistungsbranche und bei Großunternehmen spielt der demografische Wandel bereits heute eine wichtige Rolle. Im verarbeitenden Gewerbe und bei kleinen Unternehmen unter 100 Mitarbeitern steht die Beschäftigung mit diesem Thema allerdings weniger im Vordergrund.

Ein Vorteil der älteren Belegschaft ist deren Engagement

Wesentliches Einstellungshindernis für ältere Arbeitnehmer sind dabei die Kosten - gleichqualifizierte jüngere Arbeitnehmer sind billiger als ihre älteren Kollegen, so die Personalexperten. Der zweitwichtigste Hinderungsgrund ist die Inkompatibilität mit bestehenden Mitarbeiter-Strukturen der Unternehmen. Dass ältere Mitarbeiter zu unflexibel für den heutigen Arbeitsalltag seien oder dem heutigen Anforderungsprofil nicht mehr gewachsen seien, bestätigt die Befragung nicht - diese Faktoren spielen bei den wenigsten Betrieben als Einstellungshemmnis eine Rolle.

Die befragten Personalexperten sehen allerdings auch eindeutige Vorteile älterer Arbeitnehmer. So halten 61,1 Prozent der befragten Unternehmen ältere Mitarbeiter für verlässlicher und loyaler dem Unternehmen gegenüber. Darüber hinaus schlägt sich die größere Erfahrung älterer Arbeitnehmer nach Ansicht der Personalexperten in hoher Teamfähigkeit nieder. Ebenfalls als Vorteil werten die Personalexperten das Engagement ihrer älteren Belegschaft, das allerdings häufig auf die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und die Schwierigkeit, einen neuen zu finden, zurückgeführt wird.

Die Lebensarbeitszeit spielt keine Rolle

In Deutschland ist die Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer mit 39 Prozent gegenüber einem OECD-Durchschnittswert von 50,8 Prozent sehr niedrig. Gefragt wurde deshalb nach den Bedingungen, unter denen Unternehmen in Deutschland mehr ältere Arbeitnehmer einstellen würden. Mehr als die Hälfte der befragten Firmen würden es tun, wenn Arbeitsverträge flexibler gestaltet werden könnten und wenn ein Mangel an qualifizierten Arbeitnehmern bestünde. Das Thema Lebensarbeitszeit spielt in diesem Zusammenhang keine wesentliche Rolle: Selbst wenn sich die Lebensarbeitszeit verlängern würde, hätte das voraussichtlich keine nennenswerten Einstellungseffekte zur Folge.

Heide Franken, Geschäftsführerin von Randstad zu den Ergebnissen der Befragung: "Es sollte nicht sein, dass leistungsfähige, arbeitswillige und qualifizierte ältere Menschen nicht eingestellt werden und in Deutschland überdurchschnittlich oft zuhause bleiben müssen. Was für den gesamten Arbeitsmarkt gut ist, nützt auch dieser Gruppe: Wenn Unternehmen mehr Flexibilität ermöglicht würde, würden sich entsprechende Beschäftigungseffekte einstellen."