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Arbeitsunfähigkeit: Krankenstand sinkt auf Rekordniveau

Die Deutschen melden sich immer seltener krank. Seit 30 Jahren war der Krankenstand nicht mehr so niedrig. Die Zahl der psychischen Erkrankungen von Arbeitnehmern steigt jedoch an.

Der Krankenstand in Deutschland ist auf einen historischen Tiefstand gesunken. Im ersten Halbjahr 2003 waren deutsche Arbeitnehmer durchschnittlich 7,6 Tage im Jahr krankgemeldet, im ersten Halbjahr 2004 waren es nur noch 6,5 Tage, so Christine Richter, Sprecherin des BKK Bundesverband in Berlin. Dabei wurden in den neuen und alten Bundesländern etwa gleich viele Krankschreibungen verzeichnet. Auch ein Unterschied zwischen den Geschlechtern ist nicht festzustellen: Männern sind etwa ebenso häufig krankgeschrieben wie Frauen. Der derzeitige Abwärtstrend der Krankmeldungen führe zu einer enormen Entlastung der Arbeitgeber durch sinkende Lohnnebenkosten, so Richter.

Bereits seit 2003 fallende Tendez sichtbar

Im ersten Halbjahr 2004 sank der Krankenstand um 8,9 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreswert auf nun 3,33 Prozent, heißt es in einer Pressemeldung des Gesundheitsministeriums. Bereits im vergangenen Jahr war die fallende Tendenz sichtbar geworden. 2003 war der Krankenstand zum ersten Mal seit der Einführung der Lohnfortzahlung 1970 unter die 4-Prozentmarke gesunken, meldet das Gesundheitsministerium. In den 70er und 80er Jahren mussten Arbeitgeber noch Krankenstände von bis zu 5,7 Prozent hinnehmen.

Psychische Krankheiten bei Arbeitnehmern immer häufiger

Der BKK analysierte die Gründe für Ausfälle am Arbeitsplatz und ermittelte, dass psychische Erkrankungen die vierthäufigste Ursache für Fehltage sind. Frauen liegen in dieser Statistik weit vorne: Während 5,6 Prozent der Männer psychisch erkrankten, weisen Frauen nahezu den doppelten Anteil auf. Im Krankenhaus seien psychisch bedingte Krankheiten die zweithäufigste Diagnosegruppe nach den Herz- und Kreislauferkrankungen.

Zu den Berufen, die eine starke psychische Belastung hervorrufen können, gehören bei den Frauen vor allem die Wach- und Aufsichtsberufe, Kraftfahrzeugberufe und Hilfskräfte in der Krankenpflege. Männer waren vor allem in sozialen Berufen, als Fernmeldemonteure und ebenfalls als Wach- und Aufsichtspersonal besonders starkem psychischem Druck ausgesetzt. In seiner Untersuchung verweist der BKK auf die Tatsache, dass Arbeitslose aufgrund psychischer Krankheiten mehr also doppelt so lange krank gemeldet waren wie Arbeitnehmer.

Müllmänner und Postboten sind am längsten krank

Im ersten Halbjahr 2004 seien Beschäftigte der Abfallbeseitigung und der Post- und Kuriedienste doppelt so lange krank gewesen im Vergleich zu den Arbeitnehmern bei Banken, Versicherungen und im Gastgewerbe. Ein Krankheitsfall dauerte 2003 durchschnittlich 11,8 Tage, so der BKK Bundesverband. Bei den öffentlichen Verwaltungen hingegen, die stets die höchsten Krankenstände vorlegten, sank die Zahl der Fehltage deutlich nach unten. Zwischen 1999 und 2003 reduzierten sich hier die Krankentage pro Arbeitnehmer von 23,5 auf 16.

Anne Gottschalk