Auszeichnung für City Solar Sonnetanken im großen Stil


Ein Unternehmen aus Bad Kreuznach zapft die Sonne an - mit Solarkraftwerken, die Strom für tausende Haushalte liefern. City Solar ist der Vorreiter einer ganzen Branche. Der Erfolg des Unternehmens kommt aber nicht nur der Umwelt zugute.
Von Roman Heflik

Wenn es nach Steffen Kammler geht, liegt die Zukunft der Welt auf den Hängen hinter dem Dörfchen Beneixama, irgendwo in der sonnenverdörrten spanischen Provinz Alicante. Bis vor kurzem kamen hierher nur die Bauern der Umgebung, um ihre Mandel- und Olivenhaine zu bestellen. Doch inzwischen wird mit Kammlers Hilfe auf dem kargen Boden ein ganz anderes Produkt geerntet: Sonnenstrom.

An die Hänge von Beneixama schmiegen sich heute dutzende Reihen dunkelblau schimmernder Solarmodule, vom leichten aber recht beständigen Wind auf ideale Betriebstemperatur gekühlt. Wenn die Sonne scheint - und das tut sie hier im Südosten Spaniens an 300 Tagen im Jahr - liefern die Module bis zu 20 Megawatt Leistung. Mit der Gesamtmenge des produzierten Stroms können 12.000 Familien ein Jahr lang Kühlschrank und Klimaanlage laufen lassen, sie können bügeln, fernsehen und Kaffee kochen. 30.000 Tonnen CO2 können dabei im Jahr eingespart werden.

Photovoltaik – ein exzentrisches Hobby

Vor wenigen Monaten hat Kammlers Firma City Solar auf dem Gelände den mit 50 Hektar derzeit größten Solarpark der Welt in Betrieb genommen. Das Unternehmen aus dem rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach entwickelt Solarparks, die es dann verkauft oder selbst betreibt. City Solar gehört zu einer Handvoll Firmen weltweit, die der Solarenergie ein neues Gesicht verleihen könnten - und vielleicht auch eine neue Perspektive.

Bislang wird Photovoltaik eher wie ein exzentrisches Hobby betrieben: Man lässt sich privat ein paar teure Module aufs Dach montieren, darf sich ökologisch korrekt fühlen und kassiert für die bescheidene Stromeinspeisung ins Netz auch noch ein bisschen Geld. Die ökologische Wirkung jedoch bleibt gering. "Wenn man aber sieht, welche Mengen an erneuerbarer Energie unsere Welt benötigt, muss man andere Wege gehen", glaubt Steffen Kammler.

Wachstum ohne Grenzen

Für die Truppe des hemdsärmeligen Unternehmers mit dem hessischen Zungenschlag gilt deswegen "think big": Hier geht es nicht um einzelne Solarpanels, sondern um ganze Sonnenparks wie dem nahe Beneixama, die Sonnenstrom im industriellen Maßstab produzieren. Schon zweimal zuvor haben die Kreuznacher Solaranlagen-Entwickler den Weltrekord für den größten Sonnenpark aufgestellt. Ihre erste Anlage, die inzwischen bis zu vier Megawatt Strom liefern kann, errichteten sie 2003 am Rande des Saarbrücker Flughafens. Dass Kammler zuvor in der Immobilienbranche gearbeitet hat, war ihm bei den aufwendigen Kauf- und Genehmigungsverfahren nun von Vorteil. Das Projekt, an dem sich zahlreiche Kleinanleger beteiligen, wurde ein wirtschaftlicher Erfolg.

Ein Jahr später ging der Solarpark Göttelbron ans Netz: Die Module hatte man auf dem Gelände einer ehemaligen Kohlegrube errichtet. Bis jetzt hat das Unternehmen 14 Anlagen mit insgesamt 58 Megawatt Spitzenleistung aufgestellt, weitere 23 Megawatt sollen noch in diesem Jahr folgen. Nicht nur die installierte Leistung, auch das Geschäft wächst schnell. Seit 2005 hat sich der Umsatz von City Solar verfünffacht, er betrug 2007 160 Millionen Euro. Der Gewinn stieg um das Zwanzigfache, die Mitarbeiterzahl vervierfachte sich. Mittlerweile gehört City Solar mit einem Marktanteil von 16 Prozent europaweit zu den führenden Anbietern.

Solarwirtschaft noch immer unprofitabel

"Der Grund für unseren Erfolg ist, dass wir frühzeitig daran gedacht haben, groß zu bauen. Durch die Größe unserer Anlagen können wir die Kosten beim Bau und beim Betrieb enorm senken", sagt Steffen Kammler. "Es macht eben finanziell einen Unterschied, ob man nur ein Modul-Gestell kauft oder gleich mehrere hundert oder ob man das Gestell vielleicht noch selbst weiterentwickelt." Vorstandsmitglied Michael Nitzert ergänzt: "Nur bei großen Kraftwerksprojekten kann man Fertigbauteile und große Baumaschinen verwenden." Das senke ebenfalls die Kosten.

Und das muss auch so sein, denn dass die Solarmodule so teuer bleiben ist vielen deutschen Politikern ein Dorn im Auge. Noch Ende Mai forderten Vertreter der Unionsfraktion eine radikale Absenkung der Förderung um mehr als 25 Prozent. "Dann stehen tausende deutscher Solarunternehmen vor der Insolvenz", warnte der Bundesverband der Solarwirtschaft daraufhin. Die Branche sieht nur wenig Spielraum, um die Technologiekosten zu senken. Auch Kammler möchte die Förderung noch am liebsten fünf Jahre aufrecht erhalten, "aber langfristig müssen wir wettbewerbsfähig werden, das ist klar".

Unternehmer mit Herz

Aus diesem Grund investiert City Solar auch stark in die Erforschung jenes Materials, das für die Branche kostbarer als Gold ist: Silizium. Wegen der hohen Nachfrage für Solarzellen und Computerchips kommen die Hersteller mit der Produktion des Kristalls nicht mehr hinterher, während sein Preis weiter steigt. In Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Chemieprofessor Norbert Auner hat City Solar nach eigenen Angaben inzwischen eine Möglichkeit gefunden, den Rohstoff günstiger herzustellen. Jetzt arbeitet man noch daran, ihn in großen Mengen zu produzieren. Solarzellen könnten dann wieder billiger werden.

Dass man nicht scharf aufs Geld sei, dass es um die gute Sache gehe, das hört man von Solarunternehmen dieser Tage häufiger. Doch City Solar hat neben seinem hohen Forschungsbudget noch einen weiteren Weg gefunden, von seinen guten Absichten zu überzeugen: Zehn Prozent der Unternehmensgewinne fließen in eine Stiftung, die Hilfsprojekte für Kinder unterstützt. Noch werde das Geld direkt ausgezahlt, sagt Kammler. "Wir planen aber, das Geld zum Bau von Solarkraftwerken zu verwenden. Deren Erträge würden dann den Kindern direkt zu gute kommen." Denn im Gegensatz zu einer einfachen Spende laufe so ein Kraftwerk immerhin problemlos dreißig Jahre lang.


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