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Berufsfindung: "Wünsche verbieten kann traumatisch sein"

Beruf kommt von Berufung - doch leider wählen viele Menschen einen Beruf, der nicht zu Ihnen passt. Berufsberaterin Uta Glaubitz erklärt, wie Sie Ihren Traumjob finden.

Frau Glaubitz, jeder dritte ist unzufrieden mit seinem Job. Warum?
Die Misere fängt damit an, dass viele sich nicht wirklich entscheiden. Abiturienten sagen oft, ich studiere erst mal BWL oder Jura - damit habe ich so viele Möglichkeiten. Und dann rutschen sie in irgendeinen Job, den sie nie wollten. Das sind genau die Menschen, die mit 40 Jahren dann todunglücklich sind.

Heißt das, die jungen Leute informieren sich zu wenig, über die Möglichkeiten, die sie haben?
Nein, niemand kann alle Möglichkeiten kennen. Ständig kommen neue hinzu. Über viele gibt es noch gar keine Informationen beim Arbeitsamt oder Broschüren im Internet. Wichtig ist erstmal zu schauen, was man selber will. Seine Leidenschaften zu ergründen, zu wissen was einen antreibt. Wofür steht man morgens freiwillig auf? Sich das zu fragen, bringt mehr, als die nackte Statistik des Arbeitsamtes, die lediglich besagt wo es wie viele freie Stellen gibt.

Aber nicht jeder hat so eine klare Leidenschaft?
Nein, manchmal kommen tatsächlich Leute zu mir und sagen, sie liegen am liebsten auf dem Sofa und trinken Bier. Dann sage ich, okay, einen vielleicht auch zwei Tage lang. Aber bestimmt keine Woche lang. Die meisten wollen mich mit so einer Aussage nur provozieren, weil sie sich nicht trauen ihre Wünsche zu äußern.

Warum?
Weil sie Angst haben. Wenn sie hundert Mal Sätze gehört haben, wie "Na, das würde ich aber nicht machen" oder "ob dafür Dein Talent reicht" sind sie irgendwann still. Dieses Verbieten von Wünschen beginnt schon ganz früh - bereits bei Vierjährigen. Das kleine Mädchen sagt: "Ich werde Prinzessin" und die Eltern antworten: "Aber das ist doch kein Beruf"; "Na gut, dann werde ich Tänzerin" "Dafür braucht man ganz lange Beine"; "Okay, dann werde ich Schauspielerin", "Damit kann man kein Geld verdienen". Ein komplett frustrierender Dialog - das kann in jungen Jahren traumatisch sein.

Aber ist es nicht genauso traumatisch mit dem Traumberuf arbeitslos auf der Straße zu stehen?
Arbeitslosigkeit ist eine unserer größten Ängste. Wenn jemand sagt, er möchte Schauspieler werden, haben wir sofort das Bild von einem verarmten Typen vor Augen, der verzweifelt bei Regisseuren um einen Job bettelt. Dieses Bild ist ganz dominant in unserem Kopf. Es entspricht aber nicht unbedingt der Realität. Den meisten Schauspielern geht es gut. Viel häufiger ist hingegen der frustrierte Bürotyp, der langsam in eine Depression hineinschliddert.

Silke Gronwald
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