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E-MAIL AUS NEW YORK: Ein Tag am Meer

Niemals hätte ich gedacht, dass ich mich einmal so sehr auf ein Wochenende auf dem Lande freuen könnte.

Die meisten Leute freuen sich auf einen Trip nach Manhattan. Ich freute mich mindestens genauso auf meinen Trip ans Meer. Einfach nur raus, ein Wochenende lang keine Stadt, nur Natur, Ruhe, Meer und frische Luft. Ich konnte es kaum erwarten.

Es ging nach Montauk, dem östlichsten Zipfel von Long Island, ein wunderschönes Fleckchen Erde. Erstaunlich ?bodenständig' im Gegensatz zu seinen berühmten Nachbarn: den schicken Hamptons.

Fährt man von Manhattan nach Montauk, durchkreuzt man erst die ganze Pracht der Hamptons und gelangt dann in das verblüffend normale Strandörtchen Montauk. Bekannt durch einen geschichtsträchtigen Leuchtturm, hat Montauk allerdings einiges mehr zu bieten. Die Strände sind traumhaft lang, breit und mit Dünen gesäumt. Ich hätte nie geglaubt, dass mir die Natur einmal so fehlen könnte.

Als Kind war ich ständig auf dem Land. Damals war es ein Abenteuer, in die Stadt zu fahren. Jetzt würde ich fast alles darum geben, ab und zu mal der Stadt zu entfliehen. Endlich mal wieder den Horizont sehen, bei offenem Fenster einschlafen und morgens von dem Rauschen des Meeres geweckt werden, statt von einer Autoalarmanlage - das ist wirkliches Glück.

Selten habe ich es so sehr genossen, allein zu sein. Keine neurotischen und lauten Leute, kein fremdes, aufdringliches Parfum. Nur Atlantikwellen, Möwen und Sand. Und ein leichter frühlingshafter Ostwind dazu. Perfekt.

Wenn meine Mutter mich früher bei sonntäglichen Spaziergängen im Wald auf die schöne frische Luft aufmerksam machte, dachte ich nur: »Ja, ja, Luft ist Luft ist Luft...« Heute verstehe ich, was sie meinte. Dort draußen am Strand habe ich wirklich gemerkt, dass es da himmelweite Unterschiede gibt. Meine Lungen schienen das erste Mal seit Wochen wieder tief durchzuatmen. Ich konnte die Luft wahrhaftig schmecken. Salzig nach Meer und ein bisschen blumig schmeckte sie.

Viel zu schnell ging das Wochenende vorbei und es hieß, zurück nach Manhattan. Doch all die ungeliebten Stadteigenschaften konnten mir an diesem Wochenende der Entspannung nicht viel anhaben. Ganz im Gegenteil: Ich freute mich sogar wieder auf das lebendige Manhattan. Aber bis zu dem nächsten Landausflug wird nicht viel Zeit vergehen.

Fortsetzung folgt...

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