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Fehlzeiten: Psychische Leiden häufig Grund für Arbeitsausfälle

Wenn Beschäftigte im Betrieb fehlen, liegt das immer öfter an einer psychischen Erkrankung des Arbeitnehmers. Zu diesem Ergebnis kommt der "Fehlzeiten-Report 2003".

Wenn Beschäftigte im Betrieb fehlen, liegt das immer öfter an einer psychischen Erkrankung des Arbeitnehmers. Dies teilte das Wissenschaftliche Institut der Allgemeinen Ortskrankenkassen heute als wesentliches Ergebnis ihres jüngsten Fehlzeiten-Reports in Bonn mit.

Psychische Erkrankungen seien inzwischen die vierthäufigste Ursache für Fehlzeiten in deutschen Unternehmen, hieß es weiter. Seit 1994 habe die Zahl der auf solche Krankheiten zurückgehenden Krankmeldungen bei den elf Millionen AOK-Mitgliedern um knapp 75 Prozent zugenommen. Die volkswirtschaftlichen Kosten bezifferte das Institut für 2001 auf rund drei Milliarden Euro.

Zahl der Krankmeldungen weiter rückläufig

Die Zahl der Krankmeldungen insgesamt sei dagegen auch im vergangenen Jahr weiter rückläufig gewesen. Ursache dafür sei weiterhin die Angst vieler Beschäftigter vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Weiter hieß es in dem Fehlzeiten-Report, viele Unternehmen hätten ihre betriebliche Gesundheitsförderung verbessert und dadurch die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten gesteigert.

Bei den psychischen Beeinträchtigungen dominieren nach dem jüngsten Report Depressionen und neurotische Erkrankungen. "Dazu gehören Angsterkrankungen, Zwangsstörungen, Reaktionen auf schwere Belastungen und psychosomatische Erkrankungen", erklärte Christian Vetter, einer der Mitherausgeber des Reports.

Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer

Die meisten Erkrankungstage verzeichneten die Statistiker im Gesundheitswesen und in der öffentlichen Verwaltung. Frauen seien zudem wesentlich häufiger betroffen als Männer. Während die psychischen Erkrankungen bei Männern in der Skala der Arbeitsunfähigkeitstage an sechster Stelle stehen, nehmen sie bei den Frauen inzwischen bereits den dritten Platz ein.

Nach Angaben des Instituts hat auch die Zahl der auf psychische Erkrankungen zurückgehenden Frühverrentungen stark zugenommen. Inzwischen seien sie bei den Frauen der häufigste und bei den Männern der zweithäufigste Grund für den Eintritt in die Berufs- und Erwerbsunfähigkeit, betonten die Statistiker. Nicht zuletzt im Hinblick auf die angestrebte Erhöhung des Rentenalters müsse daher der Vorbeugung in diesem Bereich mehr Aufmerksamkeit zukommen. Mehr als die Hälfte der Befragten AOK-Mitglieder wartet nach Darstellung des Reports notfalls das Wochenende ab, um sich zu erholen. Jeder fünfte habe im letzten Jahr zur Genesung sogar auf Urlaubstage zurückgegriffen.

Angst um Arbeitsplatz: Viele Arbeitnehmer gehen krank zur Arbeit

Aus Angst um den Arbeitsplatz gehen viele Menschen in Deutschland auch bei einer Erkrankung zur Arbeit. Fast 71 Prozent der Arbeitnehmer haben im vergangenen Jahr gearbeitet, obwohl sie sich «richtig krank» fühlten, heißt es in der repräsentativen Umfrage im "Fehlzeiten-Report 2003". Demnach warteten 62 Prozent der rund 2.000 befragten Arbeitnehmer zur Erholung auf das Wochenende, etwa jeder fünfte nahm zur Genesung sogar Urlaub. Knapp zwei Drittel der Beschäftigten befürchten berufliche Nachteile bei Krankmeldungen.

Diese Angst vor Verlust des Jobs - aber auch eine verbesserte betriebliche Gesundheitsförderung - sorgten 2002 für einen geringeren Krankenstand unter den AOK-Mitgliedern. Unter den 10,9 Millionen versicherten Erwerbstätigen sank der Krankenstand um 0,1 Punkte auf 5,2 Prozent. Damit war jedes Mitglied im Durchschnitt 19 Kalendertage krankgeschrieben. Den höchsten Krankenstand verzeichnete die öffentliche Verwaltung mit 5,9 Prozent, die niedrigsten Werte wiesen der Handel (4,5 Prozent) sowie Banken und Versicherungen (3,5) auf.

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