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Globalisierung: Berufseinsteiger sind die Verlierer

Durch den großen Druck der Globalisierung auf die Löhne sind junge Männer und Frauen die Verlierer - denn sie bekommen oft nur noch befristete Verträge. Doch diese spätere - auch finanzielle -Eigenständigkeit verändert die Gesellschaft.

Frauen, Berufsanfänger und Männer kurz vor dem Ruhestand sind in Deutschland die Verlierer der Globalisierung. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie unter der Leitung des Bamberger Soziologieprofessor Hans-Peter Blossfeld. Fast 50 Wissenschaftler führten in 17 Ländern Europas und Nordamerika repräsentative Umfragen durch. An diesem Donnerstag und Freitag wird die Studie in Bamberg vorgestellt.

Internet und Fall des Eisernen Vorhangs

Zwei Ereignisse haben die Globalisierung laut Blossfeld besonders beschleunigt: Zum einen der Fall des Eisernen Vorhangs Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre und der Siegeszug von Internet und E-Mail. "Innerhalb weniger Sekunden können über diese Medien Informationen und weltweit gültige Standards besorgt werden", meint der Soziologe. Mit diesen beiden Ereignissen sei die Internationalisierung der Märkte und der dadurch entstandene Wettbewerb einhergegangen.

Für Deutschland bedeute dies einen Druck auf die hohen Löhne und die Sozialstandards. Langfristig rechnet Blossfeld deshalb mit einer Anpassung der Löhne zwischen West und Ost. Vor allem Berufseinsteiger, die nicht über die entsprechenden Netzwerke verfügen, hätten es schwer sich zu etablieren.

Länger im "Hotel Mama"

Oft bekommen junge Männer und Frauen nur befristete Arbeitsverträge. Die Folge: Die jungen Erwachsenen wohnen wegen fehlender Perspektiven länger zu Hause als früher. Vor allem in Südeuropa falle auf, "dass die jungen Männer oft von Mamas Schoß direkt im Hafen der Ehe einlaufen", stellt der Bamberger Soziologie-Professor fest. Die Familiengründung verschiebt sich immer weiter nach hinten. "Und manchmal ist es dann eben für den Kinderwunsch zu spät."

Die geringe Geburtenrate in Deutschland hängt laut Blossfeld unter anderem mit der wirtschaftlichen Unsicherheit zusammen. Die These von der "Selbstverwirklichung" weist der Soziologie-Professor zurück. "Die Mehrheit will sich doch reproduzieren". Doch die Abschaffung der Eigenheim-Zulage, die Einführung von Studiengebühren, die Vorsorge für die eigene Rente führe zu einer Verunsicherung und letztlich einer Überforderung der jungen Generation. Die Politik müsse stärker dafür sorgen, dass Familie und Beruf vereinbar sei, sagte Blossfeld. Die Einführung des Elterngeldes sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Fehlende Weiterbildung für Ältere

Die Männer mit Berufserfahrung seien dagegen eindeutig die Gewinner der Globalisierung, meint Blossfeld. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten seien überstanden und für die Unternehmen seien sie noch nicht die älteren und meist teureren Mitarbeiter. Weiterbildung für über 50-Jährige spielt in Deutschland noch keine allzu große Rolle. Doch Blossfeld ist sich sicher: "Innerhalb der nächsten zehn Jahre ist hier ein Wandel zu erwarten." Dann werde auch wieder die Erfahrung der Älteren geschätzt.

Christoph Gahlau/DPA / DPA