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Ein Selfie auf LinkedIn "Wie ich wirklich bin": Ihr neues Profilbild sorgt für Diskussionen – und viel Zustimmung

Business-Bild in Anzug links, rechts Alltagsbild in Pulli
Lauren Griffiths in ihrer "Power-Pose" (links) und im Homeoffice-Alltag (rechts)
© Lauren Griffiths/LinkedIn
Auf LinkedIn zeigen sich Menschen von ihrer beruflichen Seite. Seriöse Profilbilder sind dort gerne gesehen – eigentlich. Lauren Griffiths hat sich nun für ein Selfie entschieden. Und damit hunderttausende Menschen erreicht.

Die Coronakrise hat unsere Vorstellungen von "einem normalen Arbeitsleben" nachhaltig verändert. Seit über sechs Monaten arbeiten weltweit Menschen plötzlich am heimischen Schreibtisch – oft umgeben von Kindern, Partnern und Haustieren. Auch einer US-Amerikanerin, Lauren Griffiths, geht es so. Sie arbeitet in der Personalabteilung eines Tech-Konzerns in North Carolina – seit Monaten aus dem Homeoffice. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und den drei Kindern, sieben, fünf und zwei Jahren alt, versucht sie den neuen Alltag zu meistern. Vor einer Woche änderte sie deshalb auf der Plattform LinkedIn ihr Profilbild. Das Business-Foto mit frisch gefärbten Haaren und im gut sitzenden Anzug wich einem morgendlichen Selfie mit krauser Frisur und im Kapuzenpulli – und das Foto ging im Netzwerk viral. Das Bild wurde bisher mehr als 25.000 Mal kommentiert und generierte fast 700.000 Likes. 

"Homeoffice hat die Grenzen zwischen meinem beruflichen und privaten Ich verwischt"

In ihrem Post schreibt die 39-Jährige: "Kürzlich habe ich einen langen Blick auf mein LinkedIn-Profilfoto geworfen – die Frau, die mich anstarrte, hatte neu gefärbte Haare und einen frischen Schnitt, einen gebügelten Blazer, einen Hauch von einem Lächeln mit genau der richtigen Menge an Zähnen um zu zeigen,  dass sie es ernst meint, aber auch unbeschwert sein kann. Ich erinnere mich, wie ich in meiner 'Power-Pose' stand, als mein Mann die Fotos machte. Wir schauten durch etwa 80 Schnappschüsse, bevor wir den fanden, der perfekt poliert aussah. Aber die Person auf dem Foto bin ich nicht immer, schon gar nicht im Moment." 

Nachdem das Posting die Runde machte, sagte Griffiths dem US-Nachrichtensender Good Morning America, dass sie sich auf "LinkedIn nicht mehr verstellen will". Sie möchte dort die Person präsentieren, die sie wirklich ist. "Die heutige Homeoffice-Welt hat die Grenzen zwischen meinem beruflichen und privaten Ich verwischt, also habe ich mich dazu entschieden, das auf meinem Foto darzustellen", schrieb sie in ihrem Post. "Ich habe genug über authentische Führung gelesen und genug erlebt, um zu wissen, dass es der Karriere viel mehr bringt, wenn man authentisch und verletzlich ist – mehr als sich mit einem Hochglanzprofilbild zu präsentieren."

Auch in ihren Arbeitsforen stellte sie das Selfie ein. "Wenn man per Videotelefonat anruft, geht die Person dran, die man auf dem Foto sieht." 

Die Debatte wächst – und im Kern dreht sie sich auch um Vorurteile

Kritik gab es an ihrem Post reichlich. "Unprofessionell" wird sie dort oft genannt. "Wenn Sie so lässig sind, wie Sie sich präsentieren, werden Sie dann auch so lässig mit der Arbeit umgehen, die ich Ihnen gebe?", fragt ein Kommentator. Griffiths interessiert die Kritik jedoch wenig. Wichtiger ist ihr der eigentliche Kern der Diskussion. Wie muss sich eine Frau der Welt präsentieren? "Bei so vielen Kommentaren handelt es sich um Meinungen darüber, mit welcher Frau auf den beiden Fotos die Leute am liebsten arbeiten würden oder wen sie einstellen würden. Aber viele vergaßen, dass es sich bei beiden Fotos um die gleiche Person mit der gleichen Ausbildung, den gleichen Fähigkeiten und den gleichen Erfahrungen handelt", sagt sie Good Morning America. "Aber die Frau auf der linken Seite würde den Job aufgrund ihres Aussehens bekommen." Sie fordert dazu auf, darüber nachzudenken, welche Ansprüche gegenüber Frauen gestellt werden – vor allem gegen nicht weiße Frauen.

Griffiths hofft auf ein neues Normal, in dem jeder so sein kann, wie er es möchte. "Wir können das schaffen, indem wir tragen, was wir wollen, ohne zu urteilen, ohne uns an andere anzupassen und ohne zu glauben, dass Aussehen gleich Fähigkeit sei." Und die Zahl der Likes zeigen: Sie ist mit dieser Meinung nicht allein ...

Quelle: LinkedIn, Good Morning America

fis

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