HOME

Outplacement: Jobsuche in der Wellness-Zone

Sie trimmen geschasste Arbeitnehmer für die nächste Bewerbung - individuell, exklusiv, nicht billig. Outplacement-Berater, in den USA längst Alltag, sind bei uns noch misstrauisch beäugte Exoten.

Von Florian Güssgen

Claus Fehlings Büro hat keine Linoleumböden, und es gibt keine Abreißnümmerchen. Dafür einen gigantischen Ausblick. Die Alster streckt sich unter seinem Fenster im 16. Stock des Mundsburg Towers in Hamburg. Der Michel reckt sich in die Luft, die Kräne im Hafen sind zu sehen. "Die Aussicht gehört dazu", preist der 56-jährige Jurist im marineblauen Sakko das Ambiente. "Wenn Klienten zu uns kommen, sollen sie durchatmen können." Das ist es, was Fehlings Kunden brauchen. Gerade erst sind sie gekündigt worden. Geschasst. Jetzt wagen sie mit seiner Hilfe den Neuanfang. Der Outplacement-Berater ist ihr Tröster und Trainer. Wochen-, oft monatelang macht er seine Kundschaft fit für einen neuen Job.

"Outplacement" ist Neudeutsch und steht für eine Karriereberatung de Luxe, für Jobsuche in der Wellness-Zone. Die Berater begleiten ihre Klienten durch die "Trennungsphase", analysieren deren "Potenzial" und trimmen sie für das nächste Bewerbungsgespräch, für den "Marktauftritt", wie das im Berater-Jargon heißt.

Für eine Einzelberatung und Betreuung bis zum Abschluss eines Arbeitsvertrages verlangen die Karriere-Trainer im Schnitt 20 Prozent des letzten Brutto-Jahresgehalts, meist zahlt der Ex-Chef. Aber es gibt auch günstigere Varianten: eine auf wenige Monate befristete Beratung etwa oder ein Gruppentraining. Fehling nimmt für die dreimonatige Beratung eines Selbstzahlers 9000 Euro. Plus Steuer.

Die Erfolgsaussichten schwanken. Bei Verträgen ohne Zeitlimit benötigten die Berater 2004 im Schnitt etwas länger als sieben Monate, um einen Bewerber unterzubringen. Bei befristeten Verträgen fand im Schnitt die Hälfte ihrer Kunden einen Job.

Das Outplacement-Geschäft ist in Deutschland ein Nischenmarkt mit gerade mal 200 Beratern, 6500 Klienten im Jahr 2004 und 40 Millionen Euro Umsatz. Kritiker schelten die Branche als teuer und elitär. "Outplacement-Berater sind eine Mischung aus Psycho-Onkel, Stilberater und Sozialarbeiter für die Elite", ätzt die Sprecherin eines Einzelhandelskonzerns. Fehling vermutet Berührungsängste - unbegründete natürlich. "Gerade Männer verwechseln den Berater oft mit einem Psychologen", mutmaßt er. Dabei müsse bei ihm keiner auf die Couch. Es gehe nicht um Seelenheil, sondern um professionelle Jobsuche.

In den USA gehört Outplacement zur Routine. Dort ist das Arbeitsrecht lax, staatliche Hilfen sind selten. Hierzulande ist das System gewollt träger, das soziale Netz engmaschiger. Kommt es zur Kündigung, können Firmen Transfergesellschaften gründen, ein Jahr fließt zudem Arbeitslosengeld.

Die Outplacement-Berater versuchen daher, ihr Angebot zu erweitern. "Wir lehnen niemanden ab", versichert Eberhard von Rundstedt, dessen Firma Rundstedt HR Partners einer der Marktführer in Deutschland ist. Für Gruppenprogramme gibt es sogar Geld vom Staat - höchstens 2500 Euro pro Person, vorausgesetzt, der Ex-Arbeitgeber legt den gleichen Betrag drauf. Andere hoffen, dass Einschnitte bei staatlichen Hilfen auch deutsche Arbeitnehmer zu mehr Eigeninitiative zwingen. "Die Deutschen müssen lernen, in ihre berufliche Entwicklung zu investieren", sagt Fehling. Amerikanischer müsste es zugehen, findet der Mann aus dem 16. Stock des Hamburger Büroturms. Nur ein wenig. Seine Aussichten jedenfalls würde das noch einmal verbessern.

print
Themen in diesem Artikel