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Peter Medilek: Als ewiger Tourist zum Englischlernen nach New York

Peter Medilek, 34, Fotograf und Manager des Fotostudios "ClausNY".

Peter Medilek, 34, Fotograf und Manager des Fotostudios »ClausNY«

Wie gelingt es einem, sich erfolgreich zwei Jahre lang in New York Aufenthalt zu verschaffen, ohne jemals ein Arbeitsvisum oder ähnliches zu beantragen? Als Peter Medilek 1991/'92 nach New York kam, hatte er sich nicht träumen lassen, dass er dort zehn Jahre später längst mit seinem eigenen Fotostudio selbstständig sein würde.

Denn eigentlich wollte Medilek wirklich nur ein wenig sein Schulenglisch aufbessern und nebenher ein bisschen arbeiten. Damals verdiente er sich als Foto-Assistent seine ersten Dollar und verlor - wie auf Bestellung - regelmäßig seinen deutschen Pass, meistens dann, wenn sein dreimonatiges Touristenvisum gerade auszulaufen drohte. Nachdem der siebte oder achte provisorische Pass nach zwei Jahren verloren gegangen war, war es Zeit für Medilek, sich um eine bleibendere Alternative zu bemühen. 1994 gründete er die amerikanische Dependance seines früheren Arbeitgebers, des deutschen Fotografen Claus. Als dessen Angestellter bekam er dann auf ganz legalem Wege sein erstes Arbeitsvisum. Ein paar Jahre später zog sich Claus aus dem NYC-Business zurück, und Medilek ernannte sich zum alleinigen Manager des Fotostudios. Jetzt konnte er endlich die begehrte Green Card beantragen, die er 1997 auch bekam.

Die neue Heimat Nolita

Mit jedem Schritt, den Medilek beruflich erreichte, entfernte er sich gedanklich ein weiteres Stück von Deutschland. So teilte er sich sein erstes Fotostudio mit Freunden in der 29. Straße. Heute besitzt Medilek eine elegante Wohnung mit integriertem Fotostudio, selbstverständlich in der kreativen Downtown Manhattans, in der Broome Street im New Yorker Szeneviertel Nolita (North of Little Italy).

New York macht einfach verrückt

Zu Hause fühlt sich Medilek inzwischen auf beiden Kontinenten. Zehnmal im Jahr reist er für Fotoshootings nach Deutschland, stellt aber langsam auch einen gewissen Ermüdungseffekt fest. »Hier in Amerika ist halt alles immer ganz extrem, es gibt einfach kein Mittelfeld.« So sei es in New York zwar relativ leicht, Geld zu verdienen, allerdings eben mindestens genauso leicht, es wieder auszugeben: »Die Amerikaner schämen sich nicht für ihr Geld, sie verdienen gerne und zeigen es entsprechend.« In den Augen des Fotografen ist New York viel aufregender als Deutschland. Gerade für die kreative Branche biete die Stadt ein inspiratives, dynamisches und progressives Umfeld. Wenn Peter Medilek dies sagt, macht er nicht wirklich den Eindruck, als hätte ihn die Stadt ermüdet, als würde er ernsthaft mit dem Gedanken spielen, sich wieder nach Deutschland zurückzuziehen. Und tatsächlich gesteht er im selben Moment: »New York schläft nie, hier gibt es immer Highlights zu erleben - New York macht einfach verrückt!«

Birte Wohlenberg

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