Prognose Die Pleitewelle rollt weiter


Trotz Wirtschaftserholung steigt die Zahl der Firmenpleiten im laufenden Jahr weiter an. Für 2004 wird ein Anstieg der Firmeninsolvenzen in Deutschland um drei Prozent erwartet.

Die Pleitewelle in Deutschland rollt weiter. Nach Einschätzung des führenden Kreditversicherers Euler Hermes werden in diesem Jahr rund 40.500 Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten. Das wären nochmals gut drei Prozent mehr als im Jahr 2003. "Deutschland steckt - unabhängig vom weltweiten Konjunkturverlauf - in einer tief greifenden Strukturkrise, die sich insbesondere auch negativ auf das langfristige Wachstum auswirkt", sagt der zukünftige Vorstandsvorsitzende Gerd-Uwe Baden. Aussicht auf baldige Besserung gebe es kaum.

Der Schaden durch ausgefallene Forderungen könnte in diesem Jahr auf 33 Milliarden Euro steigen und damit gut eineinhalb Mal so hoch liegen wie im Durchschnitt der Jahre 1995 bis 2000. "Grund für die weitere Zunahme der Insolvenzen ist die Tatsache, dass viele Unternehmen durch die lange Stagnationsphase ihre Reserven aufgezehrt haben und nun nicht mehr über die notwendigen liquiden Mittel verfügen, um Investitionen zu tätigen oder Aufträge vorzufinanzieren", so Baden. Er folgt Clemens Freiherr von Weichs nach, der von Juni an Vorstandsvorsitzender der Euler Hermes Gruppe mit Hauptsitz in Paris wird.

Besonders betroffen sei nach wie vor das Baugewerbe. "Mit 271 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen ist das Baugewerbe nach wie vor am anfälligsten für eine Insolvenz, gefolgt von der Industrie, Dienstleistungen und dem Handel", sagt Baden. Auch für das Jahr 2005 sei Skepsis angebracht, so von Weichs. "Die ökonomischen Kennziffern lassen nicht damit rechnen, dass wir eine Umkehr bekommen." In der Euler Hermes Gruppe hat der Münchner Allianz-Konzern seine Kreditversicherung und ähnliche Aktivitäten weltweit zusammengefasst.


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