Rewe Vorstandschef Egner soll gehen


Achim Egner, Chef des drittgrößten deutschen Handelskonzerns Rewe, soll nach nur anderthalb Jahren im Amt seinen Posten räumen. Das will am Freitag der Rewe-Aufsichtsrat beschließen, wie die FTD aus gut informierten Kreisen erfuhr.
Von Christiane Ronke und Steffen Klusmann

Neuer Rewe-Chef soll der Vorstand Alain Caparros werden. Egner war vor allem wegen seines Führungsstils intern massiv kritisiert worden. Zuvor hatte auch eine Doppelspitze aus Caparros und dem Vorstand Josef Sanktjohanser zur Diskussion gestanden. Nun soll Sanktjohanser neuer Deutschlandchef des Konzerns werden. Ein Rewe-Sprecher wollte sich zu dem Wechsel in der Rewe-Spitze am Donnerstag nicht äußern.

Egners Führungsstil bei dem Handelskonzern mit zuletzt 42 Mrd. Euro Jahresumsatz steht schon länger in der Kritik, sagen Insider. Sein hohes Tempo beim Umbau des Unternehmens war offenbar bei einigen Führungskräften auf offenen Widerstand gestoßen. Die "Lebensmittel Zeitung" hatte bereits Anfang der Woche berichtet, hochrangige Manager hätten sich gemeinsam an Aufsichtsratschef Klaus Burghard gewandt, um gegen Egners Amtsführung zu protestieren.

Zu viele gegen sich aufgebracht

Ihm wird unter anderem angekreidet, dass er sich mit einem Gefolge von Unternehmensberatern der Boston Consulting Group von den anderen Führungskräften abschottet. Egner habe es sich mit vielen Leuten verscherzt, heißt es. Rewe-Kenner sprechen von einem großen Misstrauen in der Vorstandsetage. Vor allem das Verhältnis von Egner und Caparros gilt als angespannt. Und auch beim Aufsichtsratsvorsitzenden Burghard soll der Rewe-Chef in Ungnade gefallen sein.

Das Fass zum Überlaufen soll nach FTD-Informationen gebracht haben, dass Egner angeblich das Recht für sich beanspruchte, den nächsten Aufsichtsratschef zu bestimmen. Der 65-jährige Burghard gibt sein Amt in anderthalb Jahren ab.

Dazu komme ein bisweilen unglücklicher Auftritt Egners in der Öffentlichkeit, hieß es. So sorgte er im Frühjahr mit Äußerungen zu einem möglichen Börsengang von Teilen Rewes für große Unruhe in dem genossenschaftlich organisierten Unternehmen.

Eklat fällt mit Umbau zusammen

Der Eklat an der Rewe-Spitze fällt zeitlich mit einem radikalen Umbau des Unternehmens zusammen. Der nach außen hin sichtbarste Schritt steht dabei unmittelbar bevor: Schon Ende dieses Monats sollen alle Minimal- und HL-Supermärkte auf einen Schlag auf die Einheitsmarke Rewe umgestellt werden. Egner verspricht sich davon vor allem in der Werbung große Vorteile. Bereits kommende Woche soll der neue Auftritt Geschäftspartnern präsentiert werden.

Egners Abgang ist für Aufsichtsratschef Burghard peinlich. Er hatte den branchenfremden Manager vor anderthalb Jahren vom Mobilfunkanbieter Debitel geholt. Bereits bei Egners Vorgänger Dieter Berninghaus hatte Burghard keine glückliche Hand. Nur knapp ein halbes Jahr, nachdem der Aufsichtsratschef Berninghaus als Nachfolger des langjährigen Rewe-Chefs Hans Reischl eingesetzt hatte, musste dieser das Unternehmen auf Grund von Betrugsvorwürfen verlassen. Berninghaus war im Frühjahr dieses Jahres wegen schwerer Untreue zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Im Zuge der Abgänge von Reischl und Berninghaus schieden zahlreiche Topmanager aus. Auch Rewe-Vorstand Sanktjohanser stand im vorigen Sommer unter Druck und konnte sich nur mit Mühe halten. Zuletzt wollte sich Sanktjohanser als Präsidentschaftskandidat für den Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) Ende Oktober zur Wahl stellen

FTD

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