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Sinkende Kulturförderung: Wie junge Künstler sich über Wasser halten

Endlich ist Markus Lohmann seine Geldsorgen los. Vorerst wenigstens. Der Installationskünstler hat eines der begehrten Hamburger Arbeitsstipendien für bildende Kunst bekommen.

Endlich ist Markus Lohmann seine Geldsorgen los. Vorerst wenigstens. Der 33 Jahre alte Installationskünstler hat eines der begehrten Hamburger Arbeitsstipendien für bildende Kunst 2004 bekommen. "Eigentlich habe ich mir gar keine Chancen ausgerechnet, weil ich mich letztes Jahr schon vergeblich beworben habe und es hieß, die Zahl der Stipendien wird dieses Mal halbiert", sagt Lohmann. Aber jetzt werden doch wieder zehn junge Künstler ein Jahr lang mit 820 Euro im Monat von der Stadt Hamburg und privaten Sponsoren gefördert. Weil die Sparzange der klammen Kommunen gerade bei der Kulturförderung ansetzt, haben Künstler wie Lohmann immer größere Probleme, sich finanziell über Wasser zu halten.

Mehr als 126.000 darstellende, bildende, schreibende und musizierende Künstler waren Anfang des Jahres bei der Künstlersozialkasse versichert. Durchschnittlich 11.100 Euro haben sie den Angaben zufolge im Jahr 2002 verdient, Berufsanfänger im Bereich bildende Kunst rund 7.900 Euro. "Das wird sich 2003 nicht positiv ändern. Durchschnittlich verdienen Künstler, die in der Regel ein abgeschlossenes Hochschulstudium haben, wesentlich weniger als andere mit vergleichbarer Ausbildung", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann.

"Freiberufliche Künstler sind die wirklich Gekniffenen"

In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin sei die Situation besonders schlecht. Wegen der Haushaltssperren dürfen zum Beispiel viele Kommunen für freiwillige Kultur-Leistungen kein Geld mehr ausgeben. Allein in Berlin wurde der Kulturetat zwischen 2000 und 2003 um etwa 20 Prozent auf rund 448 Millionen Euro gekürzt. "Um fast 30 Prozent könnte die Förderung von Bund, Ländern und Gemeinden bis 2006 für die kulturelle Bildung sinken", berichtet Zimmermann. "Freiberufliche Künstler sind die wirklich Gekniffenen. Gerade junge, ungewöhnliche und widerständige Kunst ist schwer am Markt zu etablieren - hier hat früher die staatliche Förderung eingesetzt."

Zimmermann ist Mitglied der Enquete-Kommission des Bundestages, die sich vor wenigen Wochen konstituiert hat. Erstmals seit 28 Jahren soll es wieder eine umfassende Untersuchung über die Lage der Kultur in Deutschland geben. Schwerpunktthemen sollen die wirtschaftliche und soziale Lage der Künstler, die öffentliche und private Kulturförderung sowie "Kultur als Standortfaktor" sein.

Von der Kunst kann Lohmann nicht leben

Lohmanns Lage ist schnell beschrieben: Seit Ende seines Studiums vor knapp zwei Jahren hatte Lohmann acht verschiedene Ausstellungen - und sich bis dahin ohne Erfolg um 15 Stipendien beworben. Er hat mittlerweile zwei Diplome in der Tasche, eines als Produktdesigner und eines als Abschluss des Studiengangs "Freie Kunst" an der Hamburger Hochschule für bildende Künste. "Die meisten Stipendien gehen nur bis 35 Jahre, und da kommt der Punkt, wo viele aufhören, Kunst zu machen", sagt der 33-Jährige.

Von der Kunst kann er nach zehn Jahren Studium wie die meisten seiner Künstlerkollegen nicht leben. An Aufträge ist nicht zu denken. "Ich hatte in diesem Jahr Einnahmen von 300 Euro und Ausgaben von 3.000 Euro - im Grunde muss man sagen, ich habe mit der Kunst gar nichts verdient", sagt Lohmann. Seinen Lebensunterhalt hat er durch Nachtdienste bei einem Rollstuhlfahrer bestritten. "Von dem Stipendium werde ich meine Schulden abbezahlen und mir den Luxus leisten, weniger nebenher zu jobben. Ich kann Arbeiten machen, die ich mir sonst nicht leisten könnte."

Ans Aufgeben denkt der Installationskünstler nicht

"Ich habe zehn Jahre dafür studiert und darauf hingearbeitet, ich könnte keine Leidenschaft für etwas anderes entwickeln, denn man hat Freiheiten, Dinge zu machen, die man in anderen Berufen nicht hat." Ernst genommen werde er freilich nicht immer: "Viele Leute haben ein mitleidiges Grinsen drauf", erzählt er. "Als erste Frage kommt immer: 'Kann man denn davon leben?'" Zumindest im kommenden Jahr schon.

Tina Dettmar, dpa

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