STREITSCHLICHTUNG In der Wirtschaft wird Mediation hoffähig


Die neue Form der außergerichtlichen Konfliktlösung wird immer häufiger gewählt, wenn es um Auseinandersetzungen im eigenen Hause oder mit Geschäftspartnern geht.

Immer mehr Unternehmen in Deutschland wählen eine neue Form der Konfliktlösung, wenn es um Auseinandersetzungen im eigenen Hause oder mit Geschäftspartnern geht: Mediation, die freiwillige außergerichtliche Streitschlichtung, die sich in den USA bereits durchgesetzt hat. Ergebnis einer Mediation ist, dass beide Seiten ihr Gesicht wahren und mit dem Kompromiss leben könnten.

Vermeidung langwieriger Gerichtsverfahren

Der Duisburger Wirtschaftsanwalt Frank Zisowski rät seinen Mandanten mehr und mehr dazu, ihre Konflikte mit Hilfe eines Mediators, eines neutralen Schlichters, mit dem beide Konfliktparteien einverstanden sind, zu lösen. Gerichtsverfahren, sagt er, hätten nicht nur den Nachteil, oftmals viele Jahre lang zu dauern. Sie würden auch enorme betriebliche Ressourcen binden. Das sei vor allem bei Betrieben des Neuen Marktes so, in den neuen Branchen des Computer-Zeitalters. Zisowski ist Vorsitzender des Bundesverbandes E-Commerce.

Ziel: Geschäftsbeziehungen nach Schlichtung beibehalten

»Mediation ist eine ernst zu nehmende Variante der Streitkultur, auch wenn sich viele Unternehmen noch nichts Konkretes darunter vorstellen können«, meint Zisowski. »Wer eine interessengerichtete Lösung sucht, der wird Mediation ausprobieren.« Denn Folge eines Rechtsstreits sei es in aller Regel, dass eine Geschäftsbeziehung darüber endgültig zerbreche. Das aber könne für beide Betroffenen noch schädlicher sein als der eigentliche Streitpunkt.

Entscheidender Vorteil der Mediation ist nach Auffassung des Duisburger Anwalts, dass sie Möglichkeiten des Interessenausgleichs biete, die Richtern nicht erlaubt wären. »Richter haben nur die Aufgabe, nach den Gesetzen zu prüfen, ob ein Anspruch besteht oder nicht«, sagt er. In einem Fall, den Zisowski als Mediator geschlichtet hat, ging es um Ansprüche aus dem Erwerb eines Unternehmens. Ein Vergleich vor Gericht wäre auf diese Frage beschränkt worden. Im konkreten Fall aber sei es dadurch zu einer Einigung gekommen, dass der Verkäufer seine Branchenkenntnisse eingebracht hätte, um einen Beitrag zur Problemlösung zu leisten.

Studien belegen den Erfolg der neuen Schlichtungsstrategie

Eine Harvard-Studie besagt, dass fünf Jahre nach einer Mediation noch 80 Prozent der Beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden waren. Von denjenigen, die einen Vergleich vor Gericht geschlossen hätten, seien das nach fünf Jahren nur noch 20 Prozent gewesen.

Ausgebildete Mediatoren sind heiß begehrt

Beim Bundesverband für Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt (BMWA) in Bad Doberan häufen sich die Anfragen nach geeigneten Mediatoren und auch nach der Ausbildung dazu. »Es boomt vor allem bei der innerbetrieblichen Konfliktschlichtung«, berichtet die Vorsitzende, die Münchner Wirtschaftsmediatorin und Rechtsanwältin Christina Lenz.

Martin Kleinwächter


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