STUDIE Vom Mut verlassen


Deutsche scheuen nach dem vorzeitigen Ende des New Economy-Booms den Schritt in die Selbstständigkeit. Nur sieben Prozent im Alter zwischen 18 und 64 Jahren haben ihn im vergangenen Jahr gewagt.

Potenzielle Existenzgründer in Deutschland scheuen nach dem vorzeitigen Ende des New Economy-Booms den Schritt in die Selbstständigkeit. Nur sieben Prozent der Deutschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren haben in den vergangenen zwölf Monaten ein Unternehmen gegründet oder waren gerade dabei, sich selbstständig zu machen. Das ist das Ergebnis einer weltweiten Studie der Universität Köln, die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young und der Deutschen Ausgleichsbank getragen wurde. Deutschland liegt damit im internationalen Vergleich von 29 Ländern abgeschlagen auf Platz 22.

Angeführt wird die Rangliste von Mexiko und Neuseeland mit einem Gründeranteil von mehr als 18 Prozent. »Zwei Drittel der Staaten haben ein signifikant besseres Ergebnis als Deutschland. Dieser Befund ist Besorgnis erregend«, meint der wissenschaftliche Leiter der Studie an der Uni Köln, Rolf Sternberg. Deutschland war während der Hochphase der New Economy unter den führenden zehn Wirtschaftsnationen der Erde sogar auf Platz drei vorgestoßen, fiel inzwischen aber auf den bereits 1999 erreichten sechsten Platz zurück. Unter den einzelnen Bundesländern nimmt das Saarland die Spitzenposition vor Hamburg und Schleswig-Holstein ein, die letzten Plätze in der Gründer-Statistik belegen die ostdeutschen Länder.

Hauptgrund für die Existenzgründer-Flaute ist fehlender Mut: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass die Angst vor dem Scheitern sie von der Gründung eines Unternehmens abhalte. Damit halte Deutschland einen Negativrekord unter allen untersuchten Ländern, sagte Sternberg. Die Voraussetzungen seien indes günstig: Bei der finanziellen Unterstützung von Existenzgründern schneide Deutschland hervorragend ab. Weltweit wurden 60.000 Menschen für die Studie befragt.


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