Internationale Pressestimmen
„Merz trug eine sehr starke Botschaft vor“

Bundeskanzler Friedrich Merz während seiner Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz
Bundeskanzler Friedrich Merz während seiner Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz
© Kay Nietfeld / DPA
Bei der Münchner Sicherheitskonferenz richtete sich Friedrich Merz mit klaren Worten an die USA. Wie internationale Medien auf die Eröffnungsrede des Bundeskanzlers reagieren.

USA

„The New York Times“: „Merz' Rede ist keine Lobeshymne auf die alte Weltordnung. Vielmehr ist sie eine doppelte Kritik: an den USA, weil sie mit den gemeinsamen transatlantischen Werten gebrochen haben, und an Europa, weil es nicht genug unternimmt, um die eigene Sicherheit zu verteidigen und die Wirtschaft unabhängig von Amerika zu fördern.“

„CNN“: „Merz' Rede auf der süddeutschen Konferenz (...) verdeutlichte die wachsende Distanz zwischen den Vereinigten Staaten und Europa. (...) Und er kritisierte offen die Politik der Regierung von US-Präsident Donald Trump in Bezug auf Zölle, Klimawandel und Kulturkriege – Äußerungen, die in Washington für Unmut sorgen könnten.“

„Politico“: „‘Der Führungsanspruch der Vereinigten Staaten jedenfalls ist angefochten, vielleicht schon verspielt‘, sagte Merz während seiner Eröffnungsrede auf der Münchner Sicherheitskonferenz, in der er die bislang schonungsloseste Einschätzung aus Berlin über eine Welt auslegte, die zunehmend durch die Rivalität von Weltmächten bestimmt wird.“

Frankreich

„L’Opinion“: „Friedrich Merz stellte eine Zerstörung der internationalen Ordnung fest und streckte Washington die Hand aus, um die transatlantischen Beziehungen zu reparieren und wiederzubeleben. Dabei stellte er jedoch auch seine Bedingungen und strahlte eine große Portion Selbstbewusstsein aus. [...] Der Chef der größten Volkswirtschaft Europas hat es vor seinen Amtskollegen in München ganz klar formuliert: Eine Annäherung an die USA unter Donald Trump darf nicht auf Kosten der Grundwerte gehen, die jenseits des Atlantiks mittlerweile bedroht sind, wie beispielsweise die Rechtsstaatlichkeit und Freiheitsrechte.“

Großbritannien

„Sky News“: „Der deutsche Kanzler gab die Eröffnungsrede, die wirklich ein Versuch war, den Ton für die Sicherheitskonferenz in diesem Jahr zu setzen – im starken Kontrast zum vergangenen Jahr, die eher vom US-Vizepräsidenten überschattet wurde. (...) Merz trug eine sehr starke Botschaft vor, auch auf Englisch gegenüber den Amerikanern, die im Publikum saßen.“

„Guardian“: „In seiner Rede, die darauf ausgerichtet war, einen entschlossenen und zugleich versöhnlichen Ton hinsichtlich der Zukunft der transatlantischen Partnerschaft an den Tag zu legen, argumentierte Merz, dass die alte Ordnung zwar am Ende sei, im neuen Zeitalter der Supermächte aber selbst die USA an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stießen, wenn sie allein handelten. (...) Da Deutschland zu den europäischen Ländern gehört, die am meisten für die Aufstockung ihrer Verteidigungsausgaben tun, fühlte sich Merz offensichtlich in einer ausreichend starken Position, um darauf zu bestehen, dass die USA europäischen Bedenken hinsichtlich ihrer Sicherheit und der Legitimität einer dauerhaften europäischen Säule der Nato stärker Rechnung tragen.“

Schweiz

„Neue Zürcher Zeitung“: „Deutsche Kanzler hielten sich an der Sicherheitskonferenz in München gerne zurück. Die Eröffnungsrede überließen sie lieber Gästen aus dem Ausland. (…) Doch mit diesem Zögern soll nun Schluss sein. Am Freitag eröffnete der deutsche Kanzler Friedrich Merz die Konferenz, auf eigenen Wunsch hin. So viel Forschheit hatte ihren Grund. Merz wollte die größtmögliche internationale Bühne nutzen, um einen Kurswechsel zu verkünden: Deutschland entdeckt die Machtpolitik für sich. Merz sieht Europa nicht als Anhängsel der Großmächte, die die neue Weltordnung prägen, sondern als eigenständigen Akteur. ‘Europa muss ein weltpolitischer Faktor werden“, sagte er. In vielen europäischen Hauptstädten dürfte man dieses Ziel wohl teilen. Nur über den Weg dorthin sind sich die Europäer uneins.‘“

„Tagesanzeiger“: „Das Münchner Großtreffen zeigt immer auch, wo die Welt sicherheitspolitisch steht, wie es um den globalen Zusammenhalt bestellt ist, und insbesondere, wie belastbar – oder belastet – die transatlantischen Beziehungen sind. Wer da die Eröffnungsrede hält, kann nicht nur den Takt vorgeben, worüber während des Spektakels am Wochenende geredet wird. (…) Zu nichts weniger angetreten war Friedrich Merz, der deutsche Kanzler. Es sollte eine Aufbruch-Rede werden, ein Appell an das Selbstbewusstsein Europas. Jetzt mal alle aufgepasst, es ist Zeit, so der Ton. Merz hielt fest, dass die transatlantische Partnerschaft ihre Selbstverständlichkeit verloren habe. Europa habe sich zu lange auf die USA verlassen, sich abhängig gemacht, sei unmündig geworden. (…) Dass es europäische Einigkeit dringend braucht, ist aber nicht erst seit gestern bekannt, sondern seit dem russischen Überfall vor knapp vier Jahren. Daher wirkte Merz’ Rede am Ende doch etwas unbeholfen: Jetzt aber wirklich. Das Jahr prägen wird sie wohl nicht. Und in Moskau wird man nach (der Rede von US-Vizepräsident JD) Vance im vergangenen Jahr gefeiert – und in diesem gegähnt haben.“

Niederlande

„De Volkskrant“: „Doch die Stimmung unter den anwesenden westlichen Sicherheitseliten und Staats- und Regierungschefs ist diesmal anders. Nach einem Jahr (US-Präsident) Donald Trump, der von Teilnehmern als 'Abrissbirne' der internationalen Ordnung bezeichnet wurde, ist unter Amerikas Verbündeten hinsichtlich der 'neuen Realität' eine Mischung aus Resignation und Kampfgeist zu spüren. Die alten Regeln scheinen nicht mehr zu gelten, und neue werden täglich geschrieben – teils mit Blut. In dieser Welt muss Europa eine neue Rolle finden; dieses Bewusstsein ist allgegenwärtig. 'Alles ist vorbei', heißt es. Zumindest was die Emotionen und Illusionen auf europäischer Seite angeht. Was bleibt, sind harte Sicherheitsinteressen auf beiden Seiten des Atlantiks, die eine Zusammenarbeit erforderlich machen. Das gilt auch für den seit vier Jahren andauernden Krieg in Europa und die Bemühungen um dessen Beendigung. Allerdings gehen dabei die Meinungen und Handlungen von Trumps Amerika und Europa auseinander, wodurch es immer schwieriger wird, einen gemeinsamen Standpunkt zu finden.“

Italien

„Corriere della Sera“: „Es hat ein Jahr gedauert. Aber auf derselben Bühne, auf der JD Vance Europa provoziert und beleidigt hat, gibt Merz endlich seine Antwort. Er tut dies mit einer klar formulierten Rede, in der er sich desillusioniert gegenüber Amerika zeigt – das er dennoch auffordert, die Beziehungen zum Wohle aller zu reparieren und wieder aufzubauen. Aber es ist auch eine Botschaft, die ein wenig Angst und Unglauben abgeschüttelt hat. Und er tut dies gemeinsam mit Emmanuel Macron, der fast dieselben Konzepte wiederholt. Der Kanzler hat eine Woche lang an dieser Rede gearbeitet. Im 'Bayerischen Hof' – in diesem militärischen Davos, wo alle dabei sein wollen – verteidigte Merz seinen 'prinzipienfesten Realismus', wie er es nennt: Europa muss sich schnell stärken, wirtschaftlich und militärisch, um seine Werte zu bewahren.“

DPA
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