Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
heute startet die Münchner Sicherheitskonferenz, kurz Siko. Im Hotel „Bayerischer Hof“ werden unter anderem mehr als 60 Staats- und Regierungschefs erwartet und damit mehr als je zuvor. Sie tagen bis Sonntag. Konferenzchef Wolfgang Ischinger verglich die Siko jüngst gegenüber dem BR mit einem „Fahrradreparaturshop“. Folgt man dieser Metapher, dann ist eines der reparaturbedürftigen Vehikel sicherlich das transatlantische Verhältnis zwischen Europa und den USA. US-Vize-Präsident J.D. Vance hat mit seiner verstörenden Rede 2025 mindestens die Luft aus den Reifen gelassen, wenn nicht sogar eine dicke Acht ins Rad getreten. Weitere Schäden kamen in den vergangenen Monaten dazu. Reparaturbedarf ist also da.
Friedrich Merz war damals noch nicht Bundeskanzler. Er eröffnet heute seine erste Siko im Amt. In seiner Rede wird er laut Ankündigung für ein militärisch und wirtschaftlich starkes Europa werben. Ein Europa, das selbstbewusst auftritt.
Merz gibt sich selbstbewusst
Merz demonstrierte gleich einmal, wie Letzteres aussehen kann. Auf die Frage einer Journalistin, ob sein geplantes Treffen mit Kaliforniens demokratischem Gouverneur Gavin Newsom in München US-Präsident Donald Trump verärgern könnte, sagte er: „Die Gesprächspartner, die suche ich mir aus nach Interesse und nach dem, wen ich gerne treffen möchte.“
Treffen möchte Merz aber auch US-Außenminister Marco Rubio, der die bislang größte US-Delegation auf einer Siko anführt. Vance ist dieses Jahr nicht dabei. Und auch über die transatlantischen Beziehungen hinaus gibt es in Ischingers „Fahrradwerkstatt“ genug Reparaturbedarf: Die nukleare Rüstung, der Ukraine-Krieg und die Lage im Iran sind nur drei Beispiele. Meine Kollegen halten Sie beim stern in den kommenden drei Tagen über alle wichtigen Entwicklungen auf dem Laufenden. Den Anfang machen die Kollegen im 5-Minuten-Talk weiter unten.
Leon Windscheid über Erfolgsdruck und Selbstoptimierung
Ich habe mich in den vergangenen Wochen beim Weg zur Arbeit hin und wieder von Leon Windscheid verfolgt gefühlt. Nicht vom echten. Aber sein Tourplakat hing gefühlt an jeder Wand in Hamburg. „Gefühlt“ ist hier auch ein gutes Stichwort, denn Gefühle sind das große Thema von Windscheid. Der Psychologe profitiert wie wenige andere von dem großen Hype, der gerade in Deutschland um sein Fach gemacht wird. Psychologie ist Pop – und Windscheid einer ihrer größten Stars, der längst die größten Hallen vollmacht.
Meine Kollegen Lena Steeg und Hannes Roß haben den 37-Jährigen zum Interview getroffen. Er erklärt im Gespräch, was in uns passiert, wenn wir lieben, zweifeln, scheitern – und trifft damit offenbar den Nerv einer Generation, die zwischen Ehrgeiz und Erschöpfung pendelt.
Ist es nicht ein Widerspruch, dass ausgerechnet jemand den heutigen Drang nach Perfektionismus kritisiert, der selbst augenscheinlich davon stark profitiert? Auch diese Frage wird thematisiert. Lesen Sie selbst.
5-Minuten-Talk: Münchner Unsicherheitskonferenz – vier Risiken
Zurück zur Münchner Sicherheitskonferenz. Dort wird es an diesem Wochenende, wie eingangs erwähnt, um die großen Fragen gehen: den Krieg in der Ukraine, das transatlantische Verhältnis, die Rolle des Völkerrechts.
In unsicheren Zeiten wie diesen lässt sich die Dramaturgie kaum absehen. Tritt US-Außenminister Marco Rubio so robust auf wie im vergangenen Jahr J.D. Vance? Wie einig sind die Europäer? Meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz analysieren vier Unsicherheitsfaktoren der Konferenz.
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
Das passiert am Freitag, dem 13. Februar 2026
- Deutsche Bahn lädt zu Sicherheitsgipfel nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter
- Eurostat veröffentlicht Daten zu LNG-Importen aus Russland
- Diverse Entscheidungen bei den olympischen Winterspielen (Hier geht es zum Newsblog)
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Zugegeben: Beim Stichwort Krafttraining kamen mir lange als Erstes die Pumper im Fitnessstudio in den Sinn. Krafttraining hatte für mich immer etwas mit Eitelkeit und vor allem Optik zu tun. Nun weiß ich: Ich lag falsch.
Rund 650 Muskeln haben wir im Körper. Sie sind viel mehr als Sixpack und Bizeps, die man mit Gewichten stählen kann. Je tiefer und genauer die Wissenschaft in Muskelfasern und Zellen blickt, umso klarer wird: Muskeln sind eine geheime Macht im Körper, mit eigener Aufgabe, eigenem Plan und riesigem Einfluss. Muskeln steuern den Stoffwechsel, beeinflussen das Immunsystem, schützen vor Krankheiten, stärken die Psyche, wirken auf das Gehirn und halten uns jung. Ich habe den Artikel meiner Kollegin Alexandra Kraft mit Faszination gelesen und kann Ihnen die Lektüre nur empfehlen.
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag und ein schönes Wochenende!
Patrick Rösing