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Trendtag: Schöne neue Arbeitswelt

Patchwork-Biografie statt Job für das Leben, Flexibilität statt Effizienz: Experten aus Wissenschaft und Medien haben am 8. Deutschen Trendtag Zukunftsmodelle von Arbeit entworfen.

Die Informationsgesellschaft verändert die Arbeitswelt grundlegend und schafft einen neuen Umgang mit der Zeit. Diese Entwicklung haben Experten aus Wissenschaft und Medien beim 8. Deutschen Trendtag am Donnerstag in Hamburg verdeutlicht. Vor rund 470 Teilnehmern erörterten sie, wie sich die Ablösung des Industriezeitalters auf die Lebens- und Arbeitsgewohnheiten auswirkt.

"Patchwork-Biografie"

An die Stelle von klassischen Ausbildungswegen und Karrieren rücke die Patchwork-Biografie, sagte der Gründer des Trendbüros, Prof. Peter Wippermann. "Die Projektarbeit wird zur Norm." Um das Leben würden künftig die Jobs gruppiert, nicht mehr um die Arbeit das eigene Leben, meinte der Wissenschaftler. In Deutschland gebe es 1,7 Millionen "Doppel-Jobber", Arbeitnehmer mit einem zweiten ökonomischen Standbein, merkte der Kommunikationsexperte an.

Überalterung bestimmt Berufsleben

Für Wippermann ist das "Ende des Wohlfahrtsstaates auf Basis lebenslanger Lohnarbeit" gekommen. Auch "staatlich verbriefte Lebensabschnittssegmente" - von Schule bis Rente - gehören für ihn im Zusammenhang mit der Überalterung der Gesellschaft der Vergangenheit an. "Wir werden länger alt als jung sein", sagte Wippermann. Darin sieht er Chancen für neue Märkte. Sie würden von "Flexisten" wie Denkern, Erfindern, Kreativen oder im Sozialbereich von Pflegern und Helfern geschaffen.

Ineffiziente Arbeitsprozesse erlaubt

Bei der Neuordnung von Arbeit kommt es nach Darstellung des US-Autors Kevin Kelly auch zu ineffizienten Arbeitsprozessen. Sie seien aber notwendig, um Neues zu kreieren, sagte der Berater von US-Filmemacher Steven Spielberg ("Minority Report"). Statt Effizienz, Produktivität und Optimierung - die Maßstäbe des Industriezeitalters - prägten Flexibilität, Experimentierfreude und Weiterbildung die Arbeitswelt des Kommunikationszeitalters.

Modell Eigenzeit

In einem vernetzten Lebensumfeld bricht nach Ansicht der Experten auch die klassische Aufteilung in Arbeitszeit und Freizeit auf. Eigenzeit, die zum Gewinn geldwerter Vorteile genutzt wird, gewinnt demnach an Raum. Sie wird beispielsweise für Aktivitäten wie Online-Shopping, -Banking oder -Reisebuchungen eingesetzt.