Beruf Mit "Eigenzeit" zum Aufschwung


Selbstbestimmte Arbeitszeiten halten Trendforscher für eine Chance zum Aufschwung. Beim 8. Deutschen Trendtag zeigen die Experten, wie man mit der "Eigenzeit" umgeht.

Arbeitszeitkonto statt Stechuhr, Flexibilität statt Firmentreue, Smart-Shopper statt Gewohnheitskäufer: Im Aufbrechen traditioneller Arbeitsprozesse und Konsumgewohnheiten sehen Trendforscher Chancen für einen neuen Aufschwung. Beim 8. Deutschen Trendtag wollen Gesellschafts-, Kommunikations- und Wirtschaftsexperten am Donnerstag in Hamburg Wege aufzeigen, wie der selbstbestimmte Umgang mit Zeit - ihren Worten nach "Eigenzeit" - aus der Krise führen kann.

Trendforscher sieht Vorteile

Während der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk beim letztjährigen Trendtag noch düster vorhersagte, dass die Menschen allmählich zu Sklaven der allgegenwärtigen Computer werden, stellt Trendforscher Peter Wippermann dieses Jahr eher die Vorteile von Technik und sozialem Wandel heraus. "Das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit ist aus dem Lot geraten und wahrscheinlich wird sich nie wieder eine Balance einstellen", hält der Gründer des Hamburger Trendbüros im Vorfeld des Trendtags fest.

Die Auflösung traditioneller Arbeitsverhältnisse und die Technologien der New Economy versucht Wippermann den Beschäftigten schmackhaft zu machen, um die Angst vor dem Unvermeidlichen zu nehmen. Einkäufe, Reisebuchungen und Banking übers Internet gebe "cleveren Einkäufern" die Möglichkeit zur "digitalen Selbstverwaltung" in "Eigenzeit". Das biete geldwerten Vorteil.

Klassische Lebensläufe werden in dieser Perspektive ebenso wie Regelungen des deutschen Sozialstaats zu Auslaufmodellen. "Wer heute noch zwölf Stunden im Büro zubrachte, arbeitet morgen womöglich Teilzeit oder gar nicht mehr." Arbeitnehmer verkaufen ihre Arbeitszeit Wippermanns Überzeugung nach zunehmend in Portionen und für einzelne Projekte.

Zeitarbeit als Arbeits-Motor

In Zeitarbeit sieht Managementberater Reinhard Sprenger einen großen Arbeitsmarkt-Motor der Zukunft: "Ich rate Berufsanfängern, ein Jahr bei renommierten Zeitarbeitsfirmen einzusteigen." Über vermittelte Arbeit in unterschiedlichen Branchen gewinne man neue Qualifikationen. Sprenger sieht neue Zeiteinteilungen im Job und veränderte Beziehungsmuster zwischen Arbeitgeber und -nehmer voraus. "Es ist völliger Unsinn, acht Stunden herumzusitzen, wenn die Aufgaben auch anders intelligent erledigt werden können", meint er. Voraussetzung für freie Zeiteinteilung im Job sei gegenseitiges Vertrauen von Chef und Angestelltem. "Dass muss geübt werden."

Krise beruht auf Anpassungsträgheit

Nach Ansicht von Wippermann beruht die Krise, die die Gesellschaft derzeit durchmacht, auf der Anpassungsträgheit. "Wir denken darüber nach, ob wir Ausbildungs-, Arbeits- und Rentenzeit staatlich garantieren sollen", sagt Wippermann. Doch solche "kollektiven Regelungen" funktionierten nicht mehr. Der Wandel in Arbeitsmarkt und Gesellschaft werde denjenigen leicht fallen, die in Mobilität und Flexibilität die "wahre Lebensqualität" sähen: die Generation, die mit interaktiven Medien aufwächst.

Almut Kipp DPA

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