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Ungewöhnliche Jobs: Der die Puppen tanzen lässt

Puppenspieler sind eine aussterbende Berufsgattung. Dennoch: Sven Stäcker zieht mit dem Schleswig-Holsteinischen Landestheater mit und hat Erfolg dabei - er spielt Märchen für Groß und Klein.

Einst zogen Gaukler und Schauspieler mit Pferd und Holzkarren über die Lande. Der moderne Mime wird samt seiner kleinen Wanderbühne von dem mit vielen Pferdestärken ausgerüsteten Kleintransporter des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters befördert. "Puppenbühne" prangt weit sichtbar auf dem blau gespritzten Sprinter - auf dem Beifahrersitz Hauptdarsteller Sven Stäcker. Der Profi-Puppenspieler bereichert seit drei Jahren die Kulturszene des nördlichsten Bundeslandes.

Tausende von Kindern und immer wieder auch ältere Zuschauer sind von Stäckers Aktionstheater begeistert. Der 40-Jährige zählt zu den Großen auf kleiner Theaterbühne. Er bringt mit seinen Marionetten nicht nur Traditionelles wie Märchen, sondern auch Stücke für Erwachsene. So haben demnächst "Die Comedia von D. Johann Fausten" und Szenen nach den Christie-Krimis von "Miss Marple" Premiere. Dafür hat Stäcker 15 lebensgroße Großpuppen geschaffen. Er selbst wird ermitteln.

Über 100 Aufführungen im Jahr

Stäckers Hauptspielstätten sind analog zum großen Theater der Landesbühne Flensburg, Schleswig und Rendsburg. Auch kleinere Orte werden ständig vom Puppenspieler angesteuert, assistiert von seinem Techniker Frank Reiter, der für Transport, Bühnenbild und Beleuchtung sorgt. Weit über 100 Aufführungen stehen jährlich auf dem Programm.

Rund 25 Stücke hat Stäcker zurzeit im Repertoire, die als "mobile Produktion" von jedermann buchbar sind. "Die meisten schreibe ich selber, etliche kommen von meinem Vater." So entsprang auch das jüngste Spiel über das blutjunge Liebespaar "Jorinde und Joringel" dem ideenreichen Hirn des Puppenkünstlers. Als Vorbild sieht Stäcker seinen in Holland lebenden australischen Kollegen Neville Tranter.

Der Künstlerbegriff trifft für den 40-Jährigen in doppelter Bedeutung zu. Stäcker dichtet und spielt nicht nur; er produziert in der Schleswiger Theaterwerkstatt auch seine Marionetten und Handpuppen von 15 Zentimetern Höhe bis zur Lebensgröße. Bei vielen der Stücke bindet er sich als Protagonist ein. "Diesmal bin ich der böse Zauberer, der das Mädchen in einen Vogel verwandelt", brummelt der clownesk kostümierte Puppenspieler bei einer der Proben.

Familientradition

Sven Stäcker, der aus Staßfurt bei Magdeburg stammt, hat Schau- und Puppenspiel von der Pieke auf gelernt. Die berufliche Leidenschaft hat ihm sein Vater vererbt. Hans-Dieter Stäcker war in der Ex-DDR als Puppenspieler, Theaterautor und Leiter der Puppentheaters Zwickau (1966 bis 1991) in seinem Fach bekannt. Je zwei Jahre lang studierte Sven in den Achtziger Jahren an der Berliner Hochschule "Ernst Busch" zunächst Schauspielerei, dann das Puppenspiel. Er leitete später die Puppenbühne in Wittenberg, war freischaffend in Berlin aktiv und wurde 2000 fürs nördlichste Landestheater engagiert. Zwischendurch bildete sich Stäcker an der Puppentheater-Schule in Bochum im Figurenbau weiter, wo er das Köpfeschnitzen aus Lindenholz vervollkommnen konnte.

Friedhelm Caspari, DPA / DPA
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