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Weiblicher Kapitän: Frau am Steuer

Als junges Mädchen schipperte Jeanette Nihlén mit einem Motorboot durch die Schären. Zur See fährt sie immer noch, nur das Schiff ist deutlich größer geworden. Die Schwedin ist Kapitän des Fährschiffs "Peter Pan".

Als junges Mädchen schipperte Jeanette Nihlén mit einem Motorboot durch die Stockholmer Schären und träumte von der weiten Welt. Zur See fährt sie immer noch, nur das Schiff ist deutlich größer geworden. Die Schwedin ist Kapitänin des Fährschiffs 'Peter Pan' der Reederei TT-Line. Seit Oktober 2002 ist sie mit dem 190 Meter langen und knapp 30 Meter breiten Schiff auf der Route zwischen Lübeck-Travemünde und dem schwedischen Hafen Trelleborg unterwegs.

Autoritätsprobleme an Bord gebe es nicht, versichert Nihlèn. "Jedenfalls nicht auf dieser Position", fügt sie mit feinem Lächeln hinzu. "Ganz am Anfang war es für mich als Frau schon schwierig, aber das hat sich gegeben." Ganz am Anfang - das war 1979, als sie als 3. Offizier an Bord eines Frachtschiffes kam. Nihlén behauptete sich mit ihrer ruhigen, besonnenen Art und ihrem Fachwissen. 1993 erwarb sie ihr Kapitänspatent. Die 'Peter Pan' ist ihr erstes "eigenes" Schiff. "Wir führen das Schiff als Team, man braucht in meiner Position also eher Teamgeist als Durchsetzungsvermögen", berichtet Nihlén.

Mit Wasser und Booten aufgewachsen

Der Wunsch, zur See zu fahren, sei langsam in ihr gereift, erinnert sich die 43-Jährige. "Ich bin praktisch mit Wasser und Booten aufgewachsen. Aber auf den Gedanken, daraus einen Beruf zu machen, bin ich erst gekommen, als ich nach meinem Schulabschluss drei Jahre lang in einer Lotsenstation gearbeitet habe. Dort habe ich mich entschlossen, die Seefahrtsschule zu besuchen und Navigationsoffizier zu werden", erzählt sie.

Drei Frauen auf 1400 Männer

Nach wie vor gibt es nur wenige weibliche Kapitäne. Nach Angaben der deutschen Seeberufsgenossenschaft sind unter den rund 1400 bei ihr versicherten Kapitänen drei Frauen. "Die 'Peter Pan' ist ein schwedisches Schiff, aber die Relationen sind dort ähnlich wie in Deutschland", sagt die Sprecherin der TT-Line, Hanja Richter.

Nihlén liebt ihren Beruf, sieht aber auch einen Nachteil. "Man ist so lange von seiner Familie getrennt. Wenn ich Kinder hätte, würde ich ihnen die Seefahrt deshalb nicht empfehlen", sagt die mit einem pensionierten Kapitän verheiratete Frau. Ihre weiteste Reise hat sie in die USA und nach Südamerika geführt, da war sie sechs Monate von zu Hause fort.

Eva-Maria Mester, DPA / DPA
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