HOME

Zeitbombe Personal: Fast jeder Zweite denkt über Jobwechsel nach

Zieht die Konjunktur wieder an, stehen viele Firmen vor massiven Personalproblemen: Nach einer vom Wirtschaftsmagazin DMEuro durchgeführten Umfrage sind 46 Prozent der Arbeitnehmer bereits auf dem Absprung.

Zieht die Konjunktur wieder an, stehen viele Unternehmer vor massiven Personalproblemen: Nach einer vom Wirtschaftsmagazin DMEuro (November 2003) durchgeführten Umfrage sind 46 Prozent der Arbeitnehmer bereits auf dem Absprung. Jeder Sechste bewirbt sich bereits um einen neuen Job.

Das renommierte Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) schätzt dies als hohes Risiko für die Unternehmen ein. "Unternehmen mit solch demotivierten Mitarbeitern haben keine Kraft mehr für den Aufschwung", mahnt Projektleiter Hartmut Buck. "Denen könnte schneller die Luft ausgehen, als sie denken."

Gründe: Schlechtes Betriebsklima und zu wenig Geld

Zu wenig Geld und ein schlechtes Betriebsklima sind die Hauptgründe für die Loyalitätskrise. Viele Chefs wissen um die Ängste und Nöte ihrer Mitarbeiter: "Ich kann den Mitarbeitern nicht das Gehalt zahlen, das ich eigentlich möchte", räumen immerhin fast 60 Prozent ein.

Das schlechte Betriebsklima registrieren nur noch 28 Prozent der Chefs. Dagegen unterschätzen sie die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter: 72 Prozent meinten, sie muteten ihren Untergebenen zu viel zu. Doch diesen fühlen sich laut Umfrageergebnis eher unterfordert.

Tipps für Chefs

Es kommt vor allem auf die

Beziehung

zwischen Mitarbeiter und Chef an: Nehmen Sie Mitarbeiter ernst, hören Sie ihnen zu, das ist der erste Schritt, zu motivieren.

Kommunikation

: Nichts hassen Mitarbeiter mehr, als das Gefühl im Regen zu stehen. Warten Sie mit Statements über die Zukunft der Firma nicht, bis die Konkurrenz es den Mitarbeitern zuträgt. Technologien wie das Intranet schaffen Transparenz.

Viele Mitarbeiter wissen nicht, was von ihnen erwartet wird. Steuern Sie gegen, indem Sie klare, erreichbare

Ziele vereinbaren

- und diese alle halbe Jahre prüfen. Fragen Sie nach den Zielen und Wünschen der Angestellten.

Kontinuität

: Halten Sie, was Sie versprechen. Zuverlässigkeit ist Trumpf.

Kritik

: Binden Sie Mitarbeiter in die Entwicklung der Produkte und Abteilungen ein. Bis zu einem gewissen Punkt: Die Entscheidung müssen letztlich Sie verantworten. Nur in einer angstfreien Atmosphäre werden Schwachstellen offen gelegt.

Verantwortung

: Wenn Sie nicht mehr Gehalt und auch keine Aufstiegschancen bieten können, ermöglichen Sie die Übernahme von Projekt-Verantwortung.

Entscheidungen

: Sie werden nicht dafür bezahlt, dass Sie Angst haben, sondern, dass Sie etwas umsetzen, wohlüberlegt. Stehen Sie hinter Entscheidungen und schieben Sie sie nicht ewig auf.

Flexibilität

: Menschen haben in den verschiedenen Lebensstadien unterschiedliche Bedürfnisse. Spielen Sie mit Vergütung, Arbeitsvorsorge, Benefits, Arbeitsumfeld und Entwicklungschancen.

Alternativen

: Bieten Sie statt Entlassung Sabbaticals, Zeitkonten oder Arbeitszeitverkürzung an.

Tipps für Mitarbeiter

Einfordern

: Beziehungen leben vom Geben und Nehmen, auch beim Job. Woher soll Ihr Chef wissen, was Sie wollen und was Sie sich zutrauen. Akzeptieren Sie aber auch, wenn er sagt: Das traue ich Ihnen im Moment nicht zu, das ist nicht Ihre Stärke. Und suchen Sie gemeinsam Lösungen.

Unternehmer

: Wissen Sie, was Sie für Ihren Chef einmalig macht und welchen Erfolg Sie zum Unternehmen beitragen? Wer belegt, dass er mehr bringt als kostet, hat gute Karten für weitere Verhandlungen.

Geld

ist wichtig, aber nicht alles: Zeigen Sie sich offen für Prämien und flexible Gehaltsanteile, ein Tag Sonderurlaub…

Kreativität

: Suchen Sie nach einer Möglichkeit, Ihren Job neu zu (er)finden. Vergessen Sie Ihr Stellenprofil und streichen Sie den Satz aus Ihrem Wortschatz: "Dafür bin ich nicht zuständig." Bieten Sie aktiv Ihre Mitarbeit und Lösungen an, verbessern Sie kleine Abläufe. Mitarbeiter, die Kosten einsparen, schätzt der Chef.

Chefs sind auch nur Menschen. Ein

freundliches Wort

erhöht den Spaß an der Arbeit.

Arbeiten Sie bei Projekten mit, auch mal abteilungsübergreifend. So bauen Sie sich ein

Netzwerk

auf.

Lücke

: "Jeder ist ersetzbar." Dies stimmt nach wie vor. Also, machen Sie sich schwerer entbehrlich.

Motivieren

Sie sich selbst, Ihr Chef kann das kaum tun. Finden Sie heraus, was sie wirklich motiviert, ob eine Fortbildung, mehr Geld oder einfach mehr Verantwortung - und fordern Sie dies ein.

Stärken Sie Ihre

Stärken

; aber wagen Sie sich auch einmal auf neues Terrain und gehen mit Ihrem Wissen in die Breite, immer wieder. Das hilft beim Wechsel und stärkt die Position im Unternehmen.

Themen in diesem Artikel