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Jobwechsel: Frustriert im Beruf? Wie man Jobs findet, die einem Spaß machen

Unzufrieden im Job, doch zu träge, zu etwas ganz Neues anzufangen? Genervt zu sein allein reicht nicht zur Veränderung. Eine Job-Beraterin verrät, wie sich der Frust zu Antrieb umwandeln lässt. 

Vom ihrem Job frustrierte Menschen auf einer Sitzbank.
Getty Images

Daniela Schmidt berät in Hamburg Menschen, die unzufrieden in ihrem Beruf sind, doch keine Vorstellung davon haben, was sie sonst machen könnten. Sie weiß, wovon sie spricht. Ursprünglich half sie als Hebamme neuem Leben auf die Welt, studierte dann Biologie, arbeitete für verschiedene Kliniken und Unternehmen,  später als Wissenschaftsjournalistin und Moderatorin.  

Frau Schmidt, verschiedenen Umfragen zufolge sind über die Hälfte der Deutschen unzufrieden in ihrem Beruf, wagen aber selten einen Jobwechsel. Haben wir so ein schlechtes Händchen bei der Berufswahl?

Wenn jemand heute seinen Job oder Beruf nicht mag, muss das ja einerseits nicht schon immer so gewesen sein. Andererseits haben manchmal ganz praktische Überlegungen zu einer Berufswahl geführt, die mit Interesse nicht so viel zu tun hatten. Tatsächlich erleben viele rund um die 40 eine Art Sinnkrise. Sie haben ihren Weg gemacht, vielleicht sogar eine Karriere, aber bis zur Rente so weiterzumachen, ist dann doch schwer vorstellbar. Stattdessen rücken Werte und sinnstiftende Tätigkeiten in den Vordergrund. Auch Langeweile ist ein Thema. Das erleben wir im Coaching häufig. 

Wenn man das weiß, was steht einer Neuorientierung denn noch im Wege?

Unzufriedenheit reicht eben nicht als Motivation. Orientierung bedeutet ja, dass ich für mich eine Richtung finde und zwar so konkret wie möglich. Als Ausgangspunkt hilft dabei, sich klarzumachen: Welche Kompetenzen bringe ich mit, wo liegen meine Stärken, wo kann ich mich weiterentwickeln, was möchte ich vielleicht lernen. Allerdings sollte man dabei zwei Dinge auseinanderhalten: etwas gut zu können und etwas gern zu tun. 

Deckt sich das nicht?

Im Idealfall ja, doch manchmal eben auch nicht. Ganz einfaches Beispiel: Gut lesen zu können, heißt nicht, auch gern zu lesen. Jemand, der gut organisieren kann, wäre möglicherweise viel lieber kreativ tätig als im Projektmanagement. Dessen muss er sich natürlich erstmal bewusst sein, daher lautet die zentrale Frage: Wozu habe ich Lust, was ist mir wichtig, was treibt mich an? So lässt sich auch die "Hier will ich weg"-Haltung zu einer "Da will ich hin“-Haltung umformen – das ist eine Art Türöffner auf der Suche nach einem neuen Platz. Das muss ja nicht unbedingt ein neuer Beruf sein, sondern vielleicht nur eine andere Branche oder ein kleines Unternehmen statt Großkonzern.

Daniela Schmidt ist Teil des  Netzwerkes "AVGS-Coaching Hamburg", das im Auftrag der Arbeitsagentur im Job frustrierte Menschen unterstützt, passendere Jobs für sich zu finden.

Daniela Schmidt ist Teil des  Netzwerkes "AVGS-Coaching Hamburg", das im Auftrag der Arbeitsagentur im Job frustrierte Menschen unterstützt, passendere Jobs für sich zu finden.

Was kann man tun, um seinen Platz zu finden? 

Wer gern bastelt, kann etwa eine Visionscollage erstellen: ein paar Zeitschriften mit möglichst verschiedenen Themen durchblättern und die Bilder ausschneiden, die ein positives Gefühl erzeugen oder ein Lächeln hervorrufen, und auf ein großes Blatt Papier aufkleben. Beim Betrachten des Werks oder beim Darüber sprechen offenbart sich oft, wohin die Reise gehen kann. Oder man fragt Freunde, Kollegen, Familie: Wie erlebst du mich, was kann ich aus deiner Sicht gut, wo siehst du mich? So eine Rückmeldung von Außen liefert wertvolle Denkanstöße. Auch eine professionelle Persönlichkeits- und Motivanalyse kann sehr hilfreich sein. Davon ausgehend kann ich dann den Fächer öffnen. Bei Entscheidungen ist aus meiner Sicht am Ende eines wichtig: dass Kopf und Bauch sich einig sind.    

Dann muss man ja nur noch den passenden Job finden …

Das ist natürlich eine Herausforderung und ohne eigenen Kraftaufwand geht es nicht. Neue Tätigkeiten lassen sich auf verschiedenen Wegen finden. Manchmal hilft eine Beratung in der Arbeitsagentur. Neben den allgemeinen Online-Jobbörsen gibt es auch branchenspezifische Suchmaschinen, bei denen man ein Profil anlegen kann. Um über Unternehmen mehr zu erfahren, eignen sich deren Webseiten oder auch das Bewertungsportal Kununu. Hilfreich ist auch, sich mit Menschen aus einer bestimmten Branche zu unterhalten. Auf LinkdIn und Xing gibt es zahlreiche Gruppen, über die man in Kontakt kommen kann. Netzwerke zu nutzen, ist generell wichtig. 

Schätzen Firmen Neu- oder Quereinsteiger?

In Deutschland ist das mitunter schwer. Unser Arbeitsmarkt ist noch stark auf Abschlüsse und lückenlose Lebensläufe fixiert. Eine Stellenausschreibung kann noch so gut zu den eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen passen, wenn ein Bewerber zum Beispiel nicht genau den verlangten Studienabschluss hat, wird er eventuell aussortiert. Meiner Ansicht nach vergeben sich viele Arbeitgeber damit Chancen. Gerade wer bereits Erfahrungen aus einer anderen Branche und die passenden Kompetenzen auch jenseits der formalen Abschlüsse und sonstiger Zertifikate mitbringt, kann ein Gewinn für ein Unternehmen sein – wenngleich natürlich hochspezialisierte Tätigkeiten eine entsprechende Qualifikation erfordern. Manche Arbeitgeber können sich schwer vorstellen, wie viel Potenzial in einem Menschen stecken kann. Vor allem bei älteren Bewerbern sollten Erfahrungen weit mehr wiegen als ein bestimmter Abschluss. 

Wann ist eine Weiterbildung sinnvoll?

Wenn ich mein Ziel kenne. Weiterbildung ist nicht nur sehr zeitintensiv, sondern kostet oft auch Geld. Der Markt in Deutschland ist groß und reicht von Weiterbildungskursen der Arbeitsagenturen und von Unternehmen bis hin zu Abschlüssen an einer Fernuniversität. Man sollte sich gut informieren und das Angebot mit dem eigenen Ziel abgleichen, bevor man in eine Weiterbildung einsteigt.

Dann bliebe noch die Selbstständigkeit

Ja, das kann eine Option sein. Und auch hier lohnt es sich, ein paar Gedankenschleifen mehr zu investieren. Denn für eine Selbstständigleit braucht es nicht nur eine gute Idee, fachliches Know-how, Selbstvertrauen und einen Markt für die eigene Sache. Wer selbstständig ist, ist Unternehmerin oder Unternehmer und sollte auch Zahlen mögen und Geschäftssinn mitbringen.

  • Henry Lübberstedt