Josef Ackermann Der Top-Banker sieht sich ohne Schuld


Wenn Ackermann in den letzten Monaten gefragt wurde, ob er bei einer Anklageerhebung in der Mannesmann-Affäre seinen Chefsessel bei der Deutschen Bank räumen würde, reagierte er äußert gelassen.

Seit Monaten wird Josef Ackermann mit der Frage konfrontiert, ob er im Fall einer Anklage in der Mannesmann-Affäre seinen Stuhl an der Spitze der Deutschen Bank räumen werde. Stets erklärte der 55-jährige Schweizer mit seinem charakteristischen Lächeln, er sehe dem Verfahren gelassen entgegen. Alle Rechtsgutachten belegten, dass er sich als damaliger Aufsichtsrat bei Mannesmann nichts vorzuwerfen habe.

Hohe Esser-Abfertigung verteidigt

Die hohen Abfindungssummen vor allem für den einstigen Mannesmann-Chef Klaus Esser verteidigte Ackermann - zumindest äußerlich - selbstbewusst. Bei der Übernahmeschlacht zwischen Mannesmann und Vodafone sei das Kapital der Aktionäre extrem gesteigert worden. Auch dies könne als Erfolg bezeichnet werden.

Argument: Spitzenkräfte sind teuer

Bei seinen Stellungnahmen zu der drohenden Anklage nutzte Ackermann immer seine Rolle als ausländischer Spitzenmanager. Falls die politische Kultur oder juristische Verfahren eine hohe Bezahlung von unternehmerischer Leistung verhinderten, werde es für Deutschland schwer, gute Führungskräfte aus dem Ausland zu bekommen.

Kein Handel mit der Justiz

Überzeugt von seiner Unschuld will Ackermann das voraussichtlich lange Verfahren durchstehen. Auf einen "Deal" mit der Justiz wolle er sich nicht einlassen. Trotz voller Rückendeckung von Vorstand und Aufsichtsrat des Branchenführers dürfte der Prozess allerdings auch für die Deutsche Bank zu einer harten Belastung werden. Bei allen wichtigen Verhandlungen mit Geschäftspartnern oder öffentlichen Auftritten dürfte der Vorstandschef als "der Mann auf der Anklagebank" wahrgenommen werden.

Branchenprimus gut gerüstet

Der Schweizer hat das größte deutsche Finanzhaus als erster Ausländer an der Spitze vor gut einem Jahr übernommen und inzwischen radikal umgebaut. Mit umfangreichen Beteiligungsverkäufen, massivem Personalabbau und deutlich gedrückten Kosten sieht sich der Branchenprimus für den erhofften Konjunkturaufschwung wieder gerüstet.

Seit 1996 bei der Deutschen Bank

Der Volkswirt Ackermann trat 1996 in den Vorstand der Bank ein. Schon bald galt der Arztsohn aus Mels (Kanton Sankt Gallen) als heimlicher Kronprinz des Geldhauses. Seine Bank-Karriere begann der Absolvent der Elite-Universität Sankt Gallen bei der Schweizerischen Kreditanstalt, der heutigen Credit Suisse Group. Der Banker ist verheiratet und hat eine Tochter.

DPA

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