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Kinowelt-Prozess: Staatsanwalt: Kölmel verschwieg Risiken

In München begann der Prozess gegen Kinowelt-Gründer Michael Kölmel. Dem Medienunternehmer werden Untreue in 15 Fällen sowie Insolvenzverschleppung und Bankrott-Vergehen vorgeworfen.

Zu Beginn des Untreue-Prozesses gegen Kinowelt-Gründer Michael Kölmel hat die Staatsanwaltschaft den Medienunternehmer mit massiven Vorwürfen konfrontiert. Vor dem Landgericht München warf ihm Staatsanwalt Markus Kammann am Mittwoch bei der Verlesung der Anklageschrift Untreue in 15 Fällen sowie Insolvenzverschleppung und Bankrott-Vergehen vor.

Strittige Geldtransfers

Wiederholt soll Kölmel Geldtransfers der Kinowelt Medien AG an die mehrheitlich von ihm beherrschte SportweltBeteiligungsgesellschaft mbH veranlasst und so einen Schaden von rund 22,8 Millionen Euro angerichtet haben. Zu den Kernpunkten der Anklageschrift gehört eine Zahlung im Rahmen einer Übernahmekonstruktion für die Sportwelt. Laut Anklageschrift beteiligte sich die Kinowelt auf Betreiben Kölmels im Mai 1999 an dem Sportrechte-Vermarkter und bekam zugleich die Option auf den Erwerb der übrigen 90 Prozent an dem Unternehmen eingeräumt.

Dabei habe er erhebliche Risiken der Sportwelt-Aktivitäten verschwiegen, sagte Staatsanwalt Markus Kammann. Vielmehr habe Kölmel die angeblich großen Chancen für diese Investitionen gegenüber der Öffentlichkeit und dem Aufsichtsrat angepriesen. Als Kaufpreis für die Sportwelt-Anteile erhielt Kölmel laut Anklage 30 Millionen DM. Eine Gegenleistung beispielsweise in Form einer Übertragung von Vermögenswerten habe es aber nie gegeben.

Zahlung ohne Berechtigung

"Im Endeffekt ist das eine Zahlung ohne jede Berechtigung", sagte Kammann. Es sei nicht nachvollziehbar, warum das das Geld überhaupt geflossen sei. Kölmel bestätigte unterdessen, dass die 30 Millionen DM auf sein Privatkonto überwiesen worden seien. "Damit wurde ein Darlehen, das ich persönlich gegeben habe, zurückgezahlt." Für beide Unternehmen wurde später Insolvenzantrag gestellt.

Gemeinsam mit seinem Bruder Rainer hatte Kölmel das Kerngeschäft der Kinowelt Anfang 2003 nach einer monatelangen Hängepartie um die Finanzierung aus der Insolvenzmasse zurückgekauft. Das Unternehmen mit inzwischen 80 Mitarbeitern firmiert jetzt als GmbH und solle innerhalb des kommenden Jahres saniert werden, sagte Kölmel. Nach seiner Darstellung sollte die Sportwelt zu einem Standbein im Kinowelt-Konzern werden. Dies sei auch in der Öffentlichkeit entsprechend kommuniziert worden. "Wir wollten das Risiko in der Gründungsphase von der Kinowelt abschirmen."

Kölmel bleibt optimistisch

Der Prozess soll am Donnerstag fortgesetzt werden. Zunächst sind 24 Verhandlungstage angesetzt. Kölmel und sein Verteidiger gaben sich optimistisch. "Wir sind zuversichtlich, dass wir die Vorwürfe der Untreue entkräften können", sagte Rechtsanwalt Kurt Bröckers. Im Falle einer Verurteilung droht Kölmel eine mehrjährige Haftstrafe.

DPA