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Kolumne: Hier spricht der Boomer Deutschland ist robuster, als viele Experten geglaubt haben

Die Dax-Kurve ist im Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse auf einer Anzeigetafel zu sehen
Warum nimmt eigentlich kaum jemand die positiven Nachrichten zur Kenntnis?, fragt sich unser Kolumnist Frank Schmiechen
© Arne Dedert / DPA
Schlechte Nachrichten und Ängste gibt es gerade in Hülle und Fülle. Dabei geraten die positiven Zahlen zur deutschen Wirtschaft in den Hintergrund. Es gibt keinen Grund zur Entwarnung, meint unser Kolumnist Frank Schmiechen, aber durchaus Anlass für ein bisschen mehr Optimismus.
Von Frank Schmiechen

Ich habe da mal eine Frage. Monatelang wurden wir mit schlechten Aussichten belästigt. Unsere Wirtschaft fahre gegen die Wand. Hieß es. Erst im Herbst würden die verheerenden Auswirkungen des Lockdowns sichtbar. Hieß es. Die deutsche Wirtschaft werde sich nach diesem Schlag nicht wieder erholen. Hieß es. Warum nimmt eigentlich kaum jemand die positiven Nachrichten zur Kenntnis?

Hier eine kleine Auswahl positiver Trends in Sachen Wirtschaft:

  • Die deutsche Wirtschaft erlebt gerade das vierte Auftragsplus in Folge.
  • Das Auftragsniveau lag im August nur noch knapp unter Vor-Corona-Niveau.
  • In der deutschen Autoindustrie ist das Vorkrisenniveau übertroffen.
  • BMW steigerte den Absatz im dritten Quartal um 9 Prozent.
  • Die Aktienkurse liegen zum Teil über dem Vor-Corona-Niveau.
  • Die Digitalisierung hat einen großen Schritt nach vorne gemacht.
  • Führende Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen nach oben korrigiert.

Nach dem Einbruch der deutschen Wirtschaftsleistung um 9,7 Prozent im zweiten Quartal 2020 erwarten Experten für das dritte Quartal einen Anstieg um mehr als 9 Prozent. Dazu zitiert die FAZ Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: "Gemessen an den Auftragszahlen hat die deutsche Industrie einen Großteil des Einbruchs wettgemacht." Krämer weiter: "Vermutlich liegen wir da, wo wir ohne Corona gelegen hätten."

Vorsicht ist angebracht. Auch das haben wir gelernt

Klar, die Aussichten sind immer noch volatil, weil niemand weiß, wie sich die Pandemie entwickeln wird. Aber für einen Moment dürfen auch mal auf Erfolgs-Zahlen schauen. Ganz wichtig: Die deutsche Industrie hat aus den Erfahrungen des Frühjahrs gelernt und Vorkehrungen getroffen, falls die Lage wieder dramatischer wird. 

Genau das ist auch im Gesundheitssystem passiert. Man ist wesentlich besser vorbereitet als im Frühjahr. Krankenhäuser können blitzschnell in den Krisenmodus schalten. Es reichen drei Tage, um mehr Betten zur Verfügung zu stellen. Genügend Schutzkleidung und Masken gibt es mittlerweile auch.

Es breitet sich in Deutschland gerade eine große Unruhe aus, weil wieder mehr Menschen positiv getestet werden. Reise- und Ausgehbeschränkungen werden hochgefahren. Vorsicht ist angebracht. Auch das gehört zu den Dingen, die wir gelernt haben.

Ein ungemütlicher Herbst steht also bevor und es wird mehr Insolvenzen und Arbeitslose in Deutschland geben. Das alles geht auch mir an die Nieren. Aber ich lasse mich nicht mehr von Horrorszenarien der Experten entmutigen, denn unser Land ist robuster, als viele es erwartet hatten.

fs

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