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Korruption: Der Domino-Effekt

Korruptionsskandal in Frankfurt: Die Staatsanwaltschaft hat mehr als 40 Personen im Verdacht, bei Grundstücksgeschäften Schmiergelder gezahlt oder angenommen zu haben.

Ein neuer Korruptionsskandal erschüttert die Banken- und Immobilienbranche in Frankfurt. Unter Verdacht stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehr als 40 Personen, darunter leitende Angestellte von Investmentfonds, Immobiliengesellschaften von Banken und Freiberufler. Sie sollen bei Grundstücksgeschäften und Bauvorhaben Schmiergelder in Millionenhöhe gezahlt oder angenommen haben, bestätigte die Frankfurter Staatsanwaltschaft. Von einem Fall aus sei man per Domino-Effekt an die anderen Verdächtigen herangekommen.

Schmiergelder und frisierte Rechnungen

Seit dem 23. Juni sitzt der ehemalige Chef der Deutsche Bank-Immobilientochter Real Estate in Untersuchungshaft, der beim 450 Millionen Euro schweren Projekt des neuen Investment Banking Centers des Branchenführers die Hand aufgehalten haben soll. In diesem Komplex - nach Angaben des ermittelnden Oberstaatsanwalts Wolfgang Schaupensteiner nur einer von mehreren - geht es um überzogene Sachgeschenke und üppig dotierte Beraterverträge ohne Gegenleistung. Ein stadtbekannter Architekt soll sechsstellige Summen gezahlt haben, um Aufträge zu erhalten. Die Bestecher haben sich die Schmiergelder nach Darstellung der Staatsanwaltschaft stets mit frisierten Rechnungen zurückgeholt.

Zahl der Selbstanzeigen bleibt geheim

Ebenfalls seinen Job verloren hat der bisherige Geschäftsführer der Deka Immobilien Investment GmbH. Nach "Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten" habe man sich getrennt, heißt es knapp beim führenden deutschen Immobilienfonds, der zur Sparkassengruppe gehört. Das Nähere werde in einer internen Untersuchung geklärt. Der 47 Jahre alte Manager wurde am Donnerstag vernommen, nachdem er sich nach seinem Rausschmiss selbst bei der Staatsanwaltschaft gemeldet hatte.

In den schicken Hochhäusern geht derweil die Angst um. "Wir haben eine umfangreiche Liste von Beschuldigten, von denen längst nicht alle wissen, dass sie drauf stehen", sagte Schaupensteiner. Zur Zahl der möglicherweise strafmildernden Selbstanzeigen wollte Behördensprecherin Doris Möller-Scheu nichts sagen. Auch zur Höhe des Schadens machte sie keine Angaben, da täglich neue Erkenntnisse hinzukämen. Auch die Zahl der Beschuldigten könne sich noch erhöhen, wenn die Vernehmungen neue Verdachtsmomente ergeben.

Der "Edel-Hausmeister" brachte den Stein ins Rollen

Ausgangspunkt der aktuellen Ermittlungen war der Fall eines Gebäudemanagers der Deutschen Bank, der zwischen 1998 und 2002 in rund 300 Fällen Schmiergeld und Geschenke für Reparatur- und Dienstleistungsaufträge im "Trianon"-Hochhaus angenommen hatte. Der "Edel-Hausmeister" war trotz hartnäckigen Leugnens Anfang des Jahres vom Frankfurter Landgericht zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. In einer Art Domino-Effekt sei man an die anderen Verdächtigen herangekommen, berichtet Schaupensteiner. "Wir haben schon eine lange Reihe umgekippter Steine."

Die Bankenstadt Frankfurt gilt auch in der Krise als attraktivster Immobilienmarkt Deutschlands. In besseren Zeiten wurden am Main für den Quadratmeter Bürofläche bis zu 50 Euro Monatsmiete gezahlt. Die Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) rechnet trotz des beträchtlichen Leerstandes neuer Büro-Immobilien mit mindestens drei neuen Wolkenkratzern in den nächsten drei Jahren.

Christian Ebner/DPA / DPA