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Leute: Rummel um "Die Mutter aller Schnäppchen"

Eine neue Werbefigur wurde zum Kultstar - und zwar ein wenig ungeplant. Seit Christel Peters als resolute "Mutter aller Schnäppchen" durch die Werbesports der Elektronikkette Media Markt fegt, wollen sie Leute auf der Straße sogar streicheln.

Christel Peters wird es anscheinend doch ein bisschen zu viel. Wer mit der 88 Jahre alten Berliner Schauspielerin sprechen möchte, wird von ihrer Agentur vertröstet. Seit der Vorweihnachtszeit ist Christel Peters die "Mutter aller Schnäppchen" - jene kleine alte Dame, die in der Fernsehwerbung der Elektronikkette Media Markt ihren Sohn anweist, auch ja alles schön billig zu machen. So ist die frühere DDR-Schauspielerin im hohen Alter zur Werbefigur geworden. Die "Mutter aller Schnäppchen" kennt jeder, der beim Werbeblock nicht wegschaltet.

Zeitgeist getroffen

Die Kampagne trifft den Zeitgeist in wirtschaftlich klammen Zeiten, ähnlich wie die Makromarkt-Spots mit Dieter Bohlen oder der Saturn-Spruch "Geiz ist geil", der zum geflügelten Wort wurde. Auch die "Mutter aller Schnäppchen" spiegelt die heutige Gefühlslage der Nation und wird damit in Erinnerung bleiben, wie Volker Nickel vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (Berlin) meint. Aber: "In der Bevölkerung wird die Werbefigur kein lang anhaltendes scharfes Profil gewinnen wie die personalisierte und an ein einziges Produkt gekoppelte "Klementine" (aus der Ariel-Werbung)".

Die Media-Markt-Kampagne stammt von der Münchner Agentur For Sale und erntet in der Branche Anerkennung. "Ich find' die lustig", sagt "Horizont"-Chefredakteur Volker Schütz. Die Spots sind für ihn ein Beispiel für gelungenes Casting. "Die Schauspielerin passt da unheimlich gut." "Werben & Verkaufen"-Redakteurin Annette Mattgey findet die Spots "ziemlich penetrant", hält sie aber für eine gute Fortsetzung der Kampagne, zu der vorher nur der Mann mit dem Cowboy- Hut gehörte. Die zweite Figur - Schulzes Mutter - zu ergänzen, sei "ein geschickter Schachzug" gewesen. Media Markt plant weitere Spots mit ihr.

Zweifache Ururoma

Und wer ist nun die "Mutter aller Schnäppchen"? Christel Peters, geboren in Swinemünde, stand schon als vierjähriges Mädchen im Wandertheater ihres Großvaters auf der Bühne und spielte später in den Theatern von Meiningen, Anklam, Güstrow und Brandenburg. Kinogänger kennen die winzige alte Dame mit den listigen braunen Augen aus "Jetzt oder nie - Zeit ist Geld", wo sie eine der drei Bankräuberinnen war, im Fernsehen spielte sie die Oma, Tante oder Nachbarin in etlichen Produktionen, wie zum Beispiel "Polizeiruf 110", "Rosa Roth" oder "Salto postale".

Wegen ihrer Rolle in den Media-Markt-Spots wird die zweifache Ururgroßmutter auf der Straße von Fremden gegrüßt, oft auch gelobt. "Ob ich das genieße? Nee, ich wunder mich mehr. Ich hätte nie gedacht, dass das so losgeht. Das kam wie ein Hammer", sagte Christel Peters kürzlich der "Berliner Zeitung". "Viele wollen mich sogar streicheln."

Caroline Bock, dpa / DPA
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