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"Besenreines" Ende für Schlecker-Märkte Scherbenhaufen für Frauen


Dieser Ladenschluss ist endgültig: Alle deutschen Schlecker-Filialen schließen am Mittwoch. Die 13.200 Verkäuferinnen werden dann ein letztes Mal ihre Läden aufräumen und abschließen.

Der Kundenandrang in den vergangenen Wochen war bei Schlecker so stark wie schon lange nicht mehr. Den Run hätten sich die meisten Verkäuferinnen sicher zu anderen Zeiten sehr gewünscht. Jetzt sehen sie zu, wie die Ära Schlecker und damit auch ein Teil ihres Berufslebens zu Ende geht. Am Mittwoch ist Schluss beim einstigen Drogeriemarktkönig. Um 15.00 Uhr werden alle 2800 Filialen geschlossen. Danach wird nur noch aufgeräumt und die Läden werden "besenrein" gemacht, wie ein Sprecher des Insolvenzverwaltung von Schlecker sagt. Bis dahin gibt es aber noch satte Rabatte, die sich die Schnäppchenjäger nicht entgehen lassen.

Ob Lippenstift, eine Flasche Reinigungsmittel oder ein Einkaufskorb voll Katzenfutter für zwei Euro - die letzten Waren werden aus den Schlecker-Regalen gegriffen. In einem der Stuttgarter Schlecker-Märkte kramt eine 31 Jahre alte Kundin am Tierfutter-Regal: "Ich habe vorher schon einen Korb voll Katzenfutter für zwei Euro gekauft und nun hole ich nochmals etwas." Nils Müller kommt mit einem breitem Grinsen aus einem Geschäft: "Für sechs Cent kann ich die Fliegenklatsche schon mal mitnehmen." Sonst sei er nie bei Schlecker gewesen, doch heute habe der 19-Jährige nach der Schule einfach mal reingeschaut. Jauchzend kommt einer seiner Kumpels aus dem Laden und ruft: "Geil, Luftschlangen für 21 Cent."

Seit Montag ist der Rabatt auf das ganze Sortiment auf 90 Prozent erhöht worden, die meisten Regale waren da schon leer. Die einzige verbliebene Mitarbeiterin in der Filiale ist nur noch gestresst: "Ich bin von allem genervt - von den Leuten und von den ständigen Fragen", sagt sie. Vielen der bundesweit 13.200 Verkäuferinnen mag es ähnlich gehen. Seit Wochen bestreiten sie die Ausverkauf mit dem Wissen, am Ende die Kündigung zu bekommen. An diesem Freitag will die Insolvenzverwaltung der Belegschaft erst einmal Post mit der Freistellung von der Arbeit schicken. Im Juli sollen die Kündigungen folgen. Schon Ende März hatten 11.000 Beschäftigte aufgrund der im Januar angemeldeten Insolvenz ihren Job verloren.

Trauer und Wut

Schlecker-Gesamtbetriebsratchefin Christel Hoffmann will ihren Kolleginnen bei Fragen zum Arbeitsamt und zur Altersteilzeit noch in den nächsten Wochen zur Seite stehen. Der Gesamtbetriebsrat muss sein Büro noch nicht räumen, da die Lagermitarbeiter etwas länger beschäftigt sind als die Verkäuferinnen. Hoffmann verliere "ihre Mädels", wie sie ihre Kolleginnen nennt, die sie jahrzehntelang begleitet hat. Das fällt ihr schwer. Um ihre eigene Zukunft will sie sich noch keine Gedanken machen. "Jetzt brauche ich die Kraft in der Endphase für die Kollegen." Dem Ende zuzusehen sei ein "komisches, beklemmendes Gefühl."

Hoffmann hat Trauer und Wut gleichzeitig in der Stimme, wenn sie an das Ende des 1975 im baden-württembergischen Ehingen gegründeten Unternehmens denkt. "Da gibt es Verantwortliche und das ist für mich die Familie Schlecker", sagt Hoffmann. Sie ist enttäuscht, dass sich die Familie bisher nicht an die Beschäftigten gewandt hat. "Ein Wort, einen Satz hätte es geben müssen."

Die Kinder von Firmengründer Anton Schlecker, Lars und Meike, hatten sich nach Monaten des Schweigens vor wenigen Tagen über eine Pressemitteilung gemeldet. "Es ist ein Schock, eine Tragödie, ein Desaster", sagen sie über das Schlecker-Aus. Das Lebenswerk ihrer Eltern sei komplett zusammengebrochen. Das Drogerie-Imperium hatte zu Glanzzeiten europaweit mehr als 55.000 Beschäftigte und war lange die deutsche Nummer 1 in der Branche.

Lars und Meike Schlecker räumen "Fehlentscheidungen" bei der Unternehmensführung ein, sie waren selbst im Schlecker-Management, konnten das Ruder aber nicht mehr rumreißen. Sie verlieren in der Mitteilung auch einige Zeilen über die Mitarbeiter und sprechen von "Dank" und "Mitgefühl".

Özlem Yilmazer und Jan-Philipp Strobel, DPA DPA

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