HOME

100 Jahre Persil: Der Weißmacher der Nation

Persil hat Geburtstag: Die Original-Mixtur bestand vor allem aus Perborat und Silikat. Aus diesen Bestandteilen leitete sich der Name des deutschen Waschmittel-Dauerbrenners ab. Seit 1907 hat sich bei dem Pulver jedoch einiges getan.

Deutschlands bekanntestes Waschmittel feiert seinen 100. Geburtstag: Am 6. Juni 1907 brachte der Düsseldorfer Fabrikant Fritz Henkel Persil auf den Markt. Glaubt man der Henkel-Geschichtsschreibung war es "das weltweit erste selbsttätige Waschpulver", das den Frauen das mühsame Schrubben und Bleichen der Wäschestücke abnahm. Das Geheimnis von Persil damals: Es enthielt den Bleichstoff Perborat, der dafür sorgte, dass Sauerstoff im Wasser aufperlte und die Schmutzpartikel aus den Fasern entfernte. Das Persil von heute hat zwar außer dem Namen nur noch wenig mit dem Produkt von damals gemeinsam. Doch noch heute ist Persil für den Henkel-Konzern einer der wichtigsten Umsatzbringer.

Persil ist Marktführer in Deutschland

Das Waschmittel hat in Deutschland einen Marktanteil von rund 32 Prozent und ist damit unangefochtener Marktführer. Jährlich werden Henkel zufolge zwischen Kiel und Garmisch-Partenkirchen rund 1,3 Milliarden Waschmaschinenladungen schmutziger Wäsche mit Persil gewaschen. Und auch in fast 60 anderen Ländern ist Persil erhältlich. Henkel feiert das Jubiläum mit einer aufwendigen Werbekampagne unter dem Motto "Persil 100 Jahre - Rein in die Zukunft". Mit Erfolg: Im ersten Quartal glänzte der Markenartikler mit deutlichem Ergebnis- und Umsatzwachstum.

Tatsächlich hatte Werbung von Anfang an einen großen Anteil am Erfolg von Persil. Noch bevor die ersten Pakete mit dem neuen Waschmittel in die Läden kamen, machte Konzerngründer Henkel die Konsumenten mit einer Zeitungsannonce neugierig, in der er "blendend weiße Wäsche" durch "einmaliges Kochen ohne Mühe" versprach - in einer Zeit in der das Wäschewaschen noch eine Zeit raubende Plackerei war. Später ließ der Unternehmer Männer als Persil-Pakete verkleidet durch die Straßen spazieren und Flugzeuge den Namen des Waschmittels in den Himmel schreiben.

Billigmarken waschen inzwischen ähnlich gut

Im Jahr 1932 finanzierte das Unternehmen sogar einen abendfüllenden Tonfilm mit dem Titel "Wäsche Waschen Wohlergehen", der in den folgenden sieben Jahren von rund 30 Millionen Menschen gesehen wurde. Und auch Deutschlands erster Fernseh-Werbespot warb 1956 für Persil. Doch Henkel setzte natürlich nicht nur auf Werbung. Immer wieder wurde die Rezeptur verbessert und den Bedürfnissen der Zeit angepasst. Wichtigste Bestandteile waren zunächst Perborat und Silikat, aus deren Anfangssilben sich auch der Name Persil zusammensetzt. Doch schon in den 30er Jahren ergänzte Henkel die Rezeptur um Schmutz lösende Phosphate.

Im Jahr 1950 kamen optische Aufheller hinzu. Mit "Persil 59" erfolgte dann 1959 der Schritt vom Naturseifenprodukt zum synthetischen Waschmittel. "Persil 65" erhielt angesichts des Siegeszuges der elektrischen Waschmaschine eine temperaturabhängige Schaumsteuerung. Und seit 1969 lösen bei Persil Enzyme biologisch hartnäckige Eiweißflecken. Erst vor wenigen Wochen wurde die Rezeptur erneut verändert. Der Aufwand ist nicht umsonst. Bei zwei umfangreichen Tests der Stiftung Warentest in den Jahren 2005 (Vollwaschmittel) und 2007 (Colorwaschmittel) gehörte Persil zu den Testsiegern. Doch gab es auch einen Wermutstropfen: Denn ähnlich gut - und teilweise sogar noch ein wenig besser - schnitten die deutlich billigeren Produkte der Discounter Aldi und Lidl - Tandil und Maxitrat - ab.

Erich Reimann/AP / AP