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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wenn Kunst im Büro für Inspiration sorgt

Der Vater von Frank Behrendt war Kunstlehrer. Sein Ratschlag lautete stets: "Arbeite nie in einem Unternehmen, in dem keine vernünftige Kunst an der Wand hängt. Auch daran erkennt man, wie die Chefetage tickt." Sein Sohn hat sich bis heute an den klugen Tipp gehalten.

Frank Behrendt ist ein großer Freund von Kunst am Arbeitsplatz (Symbolbild)

Frank Behrendt ist ein großer Freund von Kunst am Arbeitsplatz (Symbolbild)

Getty Images

Das erste, was mein Vater Ende der 60er Jahre an der Deutschen Schule "Escola Corcovado" in Rio de Janeiro machte: Er ließ seine Klassen die weißen Wände bemalen, die das Schulgelände unterm Zuckerhut umsäumten. Fortan begegnete man täglich Tieren, Tänzern, Musikern aus aller Welt, die von den Kindern in bunten Farben an die einst tristen Mauern gepinselt wurden.

Auch in meinem Elternhaus gab es keinen Raum ohne Kunstwerke an der Wand. Am Wochenende wurden wir Kinder in jede Kunstausstellung geschleppt, die im Umkreis zu besuchen war. Oft haben wir gemault, aber geschadet hat es uns nicht. Als ich später beim Persil-Hersteller Henkel in Düsseldorf anheuerte, begegnete ich in den weiträumigen Fluren des Unternehmens ganz viel Kunst, die Gabriele Henkel mit Bedacht zusammengetragen hatte. Frank Stella war einer der Künstler, der mich damals mit seinen farbgewaltigen Arbeiten auf dem Weg zur Kantine täglich begeisterte.

Später arbeitete ich in den Räumen der Agenturgruppe BBDO. Dort hing ein Monumentalwerk des legendären amerikanischen Künstlers Keith Haring in der Eingangshalle. Und als ich bei Serviceplan anfing, war ich extrem von der umfangreichen Sammlung moderner Kunst angetan, die Agenturgründer Peter Haller zur Freude von Mitarbeitern und Kunden in den Häusern der Kommunikation präsentiert. Viele Sammler halten ihre oft wertvollen Objekte unter Verschluss, um so erfreulicher, dass es auch eine Spezies gibt, die es anders macht.

So jemand ist auch Jochen Kienbaum, der Grandseigneur der Personalberater. Ihn traf ich letzte Woche im Rahmen eines Neujahrsfrühstücks in seinem strahlend weißen modernen Firmengebäude in Köln-Gremberghoven. Darin und davor hängt und steht jede Menge wunderbare Kunst. Bei dem zwanglosen Networking-Event gab es statt Business-Fachinformationen, Rück- und Ausblicken einen Künstler, der über seine Arbeit sprach: Tom Schönauer, ein inspirierender Typ. Er hat genau wie ich lange in Brasilien gelebt und verfügt seiner Strahlkraft nach zu urteilen, noch immer über einen ordentlichen Vorrat der Sonne Südamerikas im Herzen.

Tom sprach über seine Projekte, wie etwa das beeindruckende Himmelskreuz im "Luthergarten" in Wittenberg, das anlässlich des 500. Reformationsjubiläums enthüllt wurde. Drei übereinander schwebende riesige Kreuze aus Aluminium und Edelstahl hat er dort installiert. Bei allen seinen Werken hat er von Beginn an die Betrachter im Blick, möchte sie inspirieren und zum Nachdenken anregen. Dass er bei allem Intellekt auch seinen Humor nicht verloren hat, bewies seine Antwort auf die Frage, warum er neben Kaffee und Brötchen zum Networking-Breakfast bei Kienbaum dazugekommen ist. "Ich frühstücke Inspirationen, um auf immer wieder neue Ideen zu kommen."

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