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27,1 Milliarden Pfund: Britische Banken brauchen noch mehr Eigenkapital

Noch immer klaffen Milliardenlöcher: Britische Banken benötigen nach Berechnungen der Branchenaufsicht bis Jahresende deutlich mehr Eigenkapital als bislang angenommen.

Die britische Zentralbank Bank of England (BoE) sieht immer noch große Kapitallöcher bei den Großbanken des Landes. Die bei der BoE angesiedelte Bankenaufsicht des Landes bezifferte für fünf Institute am Donnerstag den Bedarf auf insgesamt 27,1 Milliarden Pfund (31,6 Mrd Euro) und damit um gut zwei Milliarden höher als noch im März. Die Bankenaufsicht will, dass die Institute bis Dezember auf eine harte Kernkapitalquote (Core Tier 1) von mindestens sieben Prozent der Bilanzrisiken kommen.

Besonders hart sind wieder einmal die seit der Finanzkrise vom Staat gestützten Institute Lloyds Banking Group und Royal Bank of Scotland (RBS) betroffen. Bei Lloyds fehlten demnach Ende 2012 insgesamt 8,6 Milliarden Pfund, bei der RBS 13,6 Milliarden. Bei Barclays war die Lücke von 3 Milliarden groß, bei der angeschlagenen Co-operative Bank 1,5 Milliarden, bei Nationwide 400 Millionen. Bei der größten Bank des Landes HSBC, britischer Arm der spanischen Großbank Santander, und bei Standard Chartered machten die Regulierer keinen zusätzlichen Bedarf aus.

Deadline für Ausgleich soll verschoben werden

Lloyds erklärte umgehend, das Unternehmen sei in der Lage, den Bedarf auch ohne die Ausgaben neuer Aktien zu decken. Der Staat hält noch 39 Prozent an der Bank. Auch Barclays zeigte sich zuversichtlich, den Bedarf decken zu können.

Inzwischen haben die Institute Pläne vorgelegt, wie sie ihr Kapital um 13,7 Milliarden Pfund verbessern können. Vier Banken müssen aber noch einmal nachlegen und weitere Maßnahmen einleiten, um eine Lücke von 13,4 Milliarden Pfund zu schließen.

Ursprünglich sollten sie die festgestellten Lücken bis zum Jahresende ausgleichen, einige Institute sollen nun aber bis ins erste Halbjahr 2014 Zeit bekommen. Neben Kapitalerhöhungen können die Banken auch Geschäft abbauen und etwa einzelne Teile verkaufen, um ihre Kapitalquoten zu stärken. Aufseher drängen weltweit die Institute dazu, ihr Kapital im Vergleich zu Risikogeschäften zu stärken. Hohe Kapitalquoten gelten als Puffer gegen neue Krisen.

Finanzminister deutet Ausstieg bei Lloyds an

Erst am Mittwoch hatte der britische Finanzminister George Osborne angedeutet, man sei bereit für den Ausstieg bei Lloyds. Seinen Aussagen zufolge wolle die Regierung zunächst Lloyds-Anteile an institutionelle Investoren wie beispielsweise Pensionsfonds verkaufen. Auch ein Aktienverkauf über die Börse sei weiterhin möglich. Der Verkauf eines Teils der Lloyds-Beteiligung könnte dem Staat sogar einen Gewinn bescheren und wäre damit zumindest ein Teilerfolg bei der in der Bevölkerung sehr unbeliebten Rettung der Geldhäuser.

Im Gegensatz zu Lloyds steht ein Verkauf der Beteiligung an der RBS (81 Prozent) noch in weiter Ferne. In der Zwischenzeit werde geprüft, ob es Sinn mache, faule Immobilienkredite in eine "Bad Bank" auszulagern, kündigte Osborne an. Eine Entscheidung über eine Aufspaltung solle im Herbst fallen. Der Finanzminister hatte sich lange gegen einen solchen Schritt gewehrt und dies mit den hohen Kosten begründet. Die britische Regierung hatte im Zuge der Finanzkrise die Banken mit 66 Milliarden Pfund (78 Milliarden Euro) gestützt.

jwi/DPA/Reuters / DPA / Reuters