A380-Probleme Airbus fliegt (weiter) auf Hamburg


Airbus bekennt sich zum Standort Hamburg. Trotz der Probleme mit dem A380 sollen in der Produktion keine Jobs abgebaut werden. Dagegen sind in der Verwaltung Arbeitsplätze akut gefährdet.

Der deutsch-französische Luftfahrtkonzern EADS will trotz der Probleme mit dem Großprojekt A380 den Standort Hamburg nicht in Frage stellen. "Ganz klares Bekenntnis zu Hamburg, ganz klares Bekenntnis zur Balance in Europa", sagte EADS-Co-Chef Thomas Enders nach einem Krisengespräch mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und Hamburgs Erstem Bürgermeister Ole von Beust in Berlin.

"Ich glaube an A350"

Enders machte aber zugleich deutlich, dass Stellen in Verwaltung und Management nach den Verzögerungen beim A380 abgebaut würden: "Es geht nicht darum, die Arbeiter, die heute an den Airbussen arbeiten, zu reduzieren." Es gehe hier im wesentlichen um die Unterstützungsfunktionen. "Dort werden wir einschneiden müssen." Zahlen wollt er aber nicht nennen. In alle Entscheidungen werde die Politik mit eingebunden, versicherte er. Das neue Projekt des Langstreckenflugzeuges A350 werde zudem seiner Einschätzung nach nicht der Krise zum Opfer fallen. "Ich persönlich glaube an das A350-Programm."

Nach der erneuten Verschiebung der Auslieferung des Großraumflugzeugs A380 war der Konzern massiv in die Krise und unter Druck seiner Kunden geraten. Die Verzögerungen werden den Konzern bis 2010 fast fünf Milliarden Euro kosten. EADS ist ein deutsch-französisches Gemeinschaftsunternehmen, an dem beide Seiten gleich stark vertreten sind. Daher steht auch bei der Verteilung von Produktionsstätten und Arbeitsplätzen eine deutsch-französische Balance im Mittelpunkt.

Glos sagte nach dem Gespräch, auch er habe den Eindruck, der Standort Hamburg sei nicht gefährdet. "Es gibt auch keine übereilten Entscheidungen bei Standortfragen", betonte er. Man suche eine Lösung, die Airbus als führenden Produzenten von Zivilflugzeugen sichere und gleichzeitig die Arbeitsplätze erhalte. Beust sagte: "Ich war dankbar zu hören, dass die Entscheidungen auf dem Boden getroffener Verträge gefällt werden." Die Produktion des A380 war im wesentlichen auf die Standorte Hamburg und Toulouse verteilt worden. Allein in Hamburg arbeiten rund 12.000 Menschen für den Konzern. Für den A380 wurde das Werksgelände in Hamburg gegen massive Bürgerproteste und mit staatlichen Beihilfen erweitert.

Enders machte die frühere Führung des Konzerns direkt für die Krise verantwortlich. "Das sind hausgemachte Probleme, das muss ich sehr deutlich unterstreichen. Es sind Management-Fehler, die vor Jahren gemacht worden sind", sagte der Co-Chef, der seit gut einem Jahr diesen Posten innehat.

Das Problem koste EADS eine Menge Geld. Daher werde auch in diesem Licht in den nächsten Wochen über das Projekt des Langstreckenflugzeugs A350 gesprochen. Er glaube aber, dass es nicht in Frage stehe.

Aktionärs-Klage gegen EADS

Der Autokonzern DaimlerChrysler hält trotz der Airbus-Krise an seiner Strategie beim Mutterkonzern EADS fest und plant keinen weiteren Aktienverkauf. Vorstandschef Dieter Zetsche hatte im Frühjahr betont, das Stuttgarter Unternehmen werde mit mindestens 15 Prozent ein wesentlicher Anteilseigner bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern bleiben

Probleme drohen EADS von anderer Seite: Ein EADS-Aktionär hat den Luftfahrtkonzern auf Schadenersatz wegen der verspäteten Bekanntgabe der Lieferprobleme beim Airbus A 380 verklagt. Die Klage sei beim Landgericht Frankfurt am Main eingereicht worden, teilte die Anwaltskanzlei Rotter in München mit. Schon am 25. Februar habe festgestanden, dass es bei dem Großflugzeug zu Lieferverzögerungen von mindestens 18 Monaten und damit zu Gewinneinbrüchen kommen werde. Grob fahrlässig habe EADS diese Information bis 3. Oktober verzögert. Wer in dieser Zeit EADS-Aktien gekauft habe, habe zu viel bezahlt und damit Anspruch auf Schadenersatz.

Reuters/DPA/AP AP DPA Reuters

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