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Affäre um WM-Tickets: Hohe Geldstrafe für Claassen gefordert

Der frühere EnBW-Chef Utz Claassen hat sich der Vorteilsgewährung in sieben Fällen strafbar gemacht. So sieht das zumindest die Staatsanwaltschaft und fordert eine Geldstrafe von knapp einer halben Millionen Euro.

Im Korruptionsprozess gegen den ehemaligen Chef des Energiekonzerns EnBW, Utz Claassen, hat die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 450.000 Euro gefordert. Im Abschlussplädoyer am Donnerstag vor dem Landgericht Karlsruhe warfen die Ankläger dem Ex- Manager "Klimapflege" vor. Durch die Versendung von Ticketgutscheinen für die Fußball-WM 2006 an sechs Mitglieder der baden- württembergischen Landesregierung sowie den Staatssekretär im Bundesumweltministerium habe er sich wegen Vorteilsgewährung in sieben Fällen strafbar gemacht.

Staatsanwältin Yasemin Tüz stellte klar, dass die mit Claassens Weihnachtspost verschickten WM-Einladungen nicht Teil einer "Bestechungsstrategie" gewesen seien. Für Vorteilsgewährung reiche nach einer Verschärfung des Korruptionsstrafrechts im Jahr 1998 allerdings bereits der "Anschein der Käuflichkeit" aus. Sie beantragte 90 Tagessätze und veranschlagte den höchstmöglichen Tagessatz von 5000 Euro.

Urteil Ende November

Alle Empfänger nahmen die Tickets allerdings nicht in Anspruch. Der von der EnBW ebenfalls mit einem Kartengutschein bedachte Staatssekretär des Bundesumweltministeriums, Matthias Machnig (SPD), verhandelte wenige Monate später mit den Energiekonzernen über Emissionswerte. Claassen hatte erklärt, dass es sich bei der Einladung des SPD-Politikers um einen organisatorischen Irrtum seines Büros gehandelt habe.

Er wäre niemals damit einverstanden gewesen, dem Staatssekretär eine Einladung zu schicken, nicht aber dem Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Der Manager hatte alle Korruptionsvorwürfe zurückgewiesen. Die EnBW war einer der Sponsoren der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Die Verteidigung wird am kommenden Dienstag ihr Plädoyer halten. Ein Urteil wird am 28. November erwartet.

DPA/AP / AP / DPA