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Kunden bleiben auf Rechnung sitzen: Die dreiste Masche der Airbnb-Betrüger

Die Fotos versprechen Luxusunterkünfte - doch kaum ist das Geld bezahlt, lösen sich die Anbieter in Luft auf. Bei Airbnb tummeln sich Betrüger, die Kunden abzocken - und gegen die das Unternehmen kaum vorgehen kann.

Airbnb: Abzocke bei Kunden durch Betrüger

Wer jetzt noch schnell in den Winterurlaub möchte, hat bei den Hotels kaum noch eine Chance. Bei der Unterkunftsplattform Airbnb ist zwar auch schon vieles ausgebucht - aber hier finden Skifahrer nicht nur eine Ferienwohnung oder gar eine ganze Almhütte für sich, sondern bekommen die Unterkunft mit etwas Glück zum Schnäppchenpreis. So funktioniert das eben bei Airbnb: private Unterkunft, deutlich günstiger als Hotels. Eigentlich perfekt. Leider auch für Betrüger.

Allein in Deutschland gibt es rund 60.000 Airbnb-Unterkünfte, der Umsatz in diesem Jahr wird auf 900 Millionen Euro geschätzt. Im kommenden Jahr will das Unternehmen an die Börse. Ein steiler Aufstieg: 2008 kamen zwei junge Designer auf die Idee, günstige Unterkünfte für junge Menschen zu vermitteln. Airbnb steht für "Airbed and Breakfast". Aktuell wird der Unternehmenswert von Airbnb auf mehr als 25 Milliarden Dollar geschätzt. Offenbar ist die Vermittlung von privaten Unterkünften ein sehr lukratives Geschäft. Fast klar, dass das auch Kriminelle anlockt.

Hübsche Frauen zocken ab

So wie in diesem Fall: Auf ihren Profilfotos sehen die Damen ganz zauberhaft aus, wie bei einer Dating-Seite, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Diese Majas oder Katherines bieten Luxusunterkünfte in Ischgel oder St. Anton an. Dort ist auch Martin B. aus Bad Homburg fündig geworden. Mit seiner und einer befreundeten Familie wollte er in den Bergen den Jahreswechsel feiern. Die ausgewählte Unterkunft, die eine Maja anbietet, ist nicht billig, 528 Euro pro Nacht werden fällig. Aber für die Größte der Reisegruppe und für Silvester finden B. den Preis in Ordnung.

Vertrauen zum Betrüger gefasst

Doch bevor B. die Rechnung über insgesamt 2655 Euro begleicht, will er mehr über den Gastgeber wissen und telefoniert sogar mit dem "Ehemann" von Maja, der angeblich in London lebt. Die Kommunikation ist angenehm, auch das Telefonat nett - B. fasst also Vertrauen. Sogar so sehr, dass er den Betrag auf ein englisches Konto überweist - und nicht über Airbnb bucht. Als Airbnb die Buchung nicht bestätigt, ahnt der geprellte B., dass etwas nicht stimmt. Das Geld ist weg, weder die Polizei noch sein Anwalt werden das wohl ändern können.

System von Airbnb ist anfällig für Betrug

Der Segen von Airbnb ist leider auch der Fluch der Plattform: Airbnb ist als offene Plattform für private Unterkünfte herrlich unkompliziert - und daher auch sehr anfällig für Betrug. Wie oft Kunden über den Tisch gezogen werden, könne Airbnb nicht sagen, so eine Sprecherin. Rund 300 Fälle hätte das Sicherheitsteam im Sommer als dringend eingestuft - von insgesamt 17 Millionen.

"Wir haben ein großes Interesse daran, dass auf unserer Seite kein Betrug stattfindet", sagt ein Airbnb-Sprecher der "FAZ". Er rät allen Kunden, die Kommunikation und Buchung nur direkt über die Seite abzuwickeln. "Geld und Buchung sind jederzeit geschützt und gesichert, vorausgesetzt, die Kommunikation findet über unsere Seite statt."

Ein offenes Portal

Betrug zumindest scheint kein einmaliges Phänomen zu sein. Die "FAZ" prüfte Angebote und scannte die Inserate in den Wintersportorten Ischgel und St. Anton - und stolperte selbst täglich über Schummel-Inserate. Die Fotos solcher Anzeigen sind steril und tauchen in mehreren Inseraten auf, teilweise sind die Anzeigen schlicht kopiert und mit einem neuen Anbieternamen versehen. Als die "FAZ"-Mitarbeiter in Kontakt mit einer vermeintlich unseriösen Anbieterin treten, kommt prompt eine Sicherheitswarnung von Airbnb per Mail. Doch obwohl Airbnb einige der Kriminellen bekannt sind, schaltet auch die Betrügerin, die Martin B. um gut 2500 Euro erleichtert hat, inzwischen wieder munter Anzeigen bei Airbnb. Strengere Sicherheitsvorkehrungen sind offenbar nicht machbar, ohne das System von Airbnb kaputt zu machen.

Allerdings gibt es inzwischen die Möglichkeit, sich über das Facebook-Profil oder eine Kopie des Personal- oder Reisepasses zu verifizieren. Das soll etwas mehr Sicherheit für Anbieter und Buchende bieten. "Wir sind ein offener Marktplatz", sagt ein Airbnb-Sprecher. Eine zutreffende Beschreibung und eine Entschuldigung zugleich.

kg