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Airbus-Probleme: Die Suche nach dem Sündenbock

Der Verkauf eines großen Aktienpakets vor dem jetzigen Kurssturz bringt EADS-Chef Noël Forgeard in Kalamitäten: Der Aktionärsverband wittert Insiderhandel, Forgeard nennt es einen "unglücklichen Zufall". Doch sein Stuhl wackelt.

Schlichte Kabel-Probleme sind Schuld, dass Europas Flugzeugschmiede Airbus ins Trudeln gekommen ist - und nun auch Konzernmutter EADS in dem Abwärtsstrudel mitzieht. Am Anfang stand die schlichte Meldung, das Airbus sein Prestigeprojekt A380, das größte Passagierflugzeug der Welt, wegen "Produktionsengpässen bei den elektrischen Systemen" nicht pünktlich ausliefern kann. Darauf brach der Kurs des Mutterhauses EADS um 30 Prozent ein, verärgerte Kunden kündigten Stornos an und drohten mit Haftungsklagen. Der von den Verlusten der Aktie aufgescheuchte EADS-Großaktionär und Co-Aufsichtsratchef Arnaud Lagardère will nun über mögliche "personelle Konsequenzen" beraten - und zielt damit offen auf Co-Vorstand Noël Forgeard.

Dieser war bis vor einem Jahr Airbus-Chef, somit für die Planung des A380 zuständig und muss diese Planungspanne verantworten. "Das ist ein sehr kompliziertes Flugzeug, wenn man sich die ungeheure Breite des Programms vor Augen führt", sagte Forgeard. "Es gab einen Engpass, und die Alarmglocke hat nicht zur richtigen Zeit funktioniert." Sehr spät erst hätten die Teams darüber informiert. Alelrdings besänftigt diese Erklärung Lagardères überhaupt nicht - im Gegenteil: es ist schon die zweite Lieferverschiebung. Bereits im April 2005 hatte Airbus eine um sechs Monate verspätete Auslieferung verkünden müssen. Dass jetzt die für 2009 geplante Übergabe an die Kunden erneut um mindestens ein halbes Jahr verschoben werden muss ist ein Image-GAU.

Doch Noël Forgeard ist auch aus einem anderen Grund unter Beschuss: Gemeinsam mit den EADS-Vorstandsmitgliedern Francois Auque, Jean-Paul Gut und Jussi Itävuori hat er Anfang März EADS-Aktien in großem Stil verkauft. Nach einem Bericht der französischen Börsenaufsicht strich er dadurch einen persönlichen Gewinn von 2,5 Millionen Euro ein. Auch drei seiner vier Kinder sollen sich gleichzeitig von ihren Aktienpaketen getrennt haben. Von den drohenden Problemen will Forgeard nach eigenen Angaben erst "im Laufe des Monats April" erfahren haben. Im März sei er noch nicht "auf dem Laufenden" gewesen.

Insidergeschäft oder "unglücklicher Zufall"

Dass er, seine Familie und weitere EADS-Manager sich also im März im größeren Stil von EADS-Aktien getrennt hätten, sei lediglich ein "unglücklicher Zufall", sagte Forgeard dem Radiosender Europe-1. Der französische Kleinaktionärsverband ADAM schenkt dieser Aussage jedoch keinene Glauben und hat wegen möglicher Insiderdelikte eine Untersuchung der gesamten Aktienverkäufe durch die Börsenaufsicht verlangt. Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin nimmt den Handel mit EADS-Aktien unter die Lupe. Die BaFin werde dabei die Entwicklung der Papiere in den vergangenen Wochen anschauen, sagte eine Sprecherin am Freitag. Es handele sich um eine "reine Routinemaßnahme", die bei solchen Kursausschlägen üblich sei, betonte sie.

Das alles könnte Lagardère die Entscheidung leicht machen, ob Forgeard im Amt bleiben soll. Der Zeitung "Le Monde" bestätigte er jedenfalls, sich mit seinem Amtkollegen Manfred Bischoff darüber zu beraten, ob das Vertrauen in Forgeard weiter gerechtfertigt sei.

spi