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Airlines missachten Passagierrechte "Taschenspielertricks und Verweigerungshaltung"


Trotz verbesserter EU-Passagierrechte verweigern zahlreiche Airlines ihren Kunden noch immer Entschädigungen für verspätete oder ausgefallene Flüge. Zu diesem Schluss kommt eine nicht-repräsentative Umfrage der bundesweiten Verbraucherzentralen unter mehr als 1.000 Fluggästen.

Fluggesellschaften missachten bei Flugausfällen oder -verspätungen einer Umfrage zufolge häufig die Rechte ihrer Passagiere. Trotz Problemen mit ihren Flügen seien rund drei Viertel der befragten Fluggäste von den Airlines keinerlei Entschädigungsleistungen angeboten worden, teilte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Montag in Berlin unter Berufung auf eine nicht repräsentative Internet-Umfrage mit. 15 Prozent hätten erst auf Nachfrage eine Entschädigung erhalten. Knapp neun Prozent sei sofort etwas angeboten worden. An der Umfrage beteiligten sich rund 1100 Verbraucher.

Hauptproblem für Fluggäste seien Flugausfälle gewesen, teilte der vzbv mit. Rund 45 Prozent der Reisenden hätten mit diesem Problem zu kämpfen gehabt. Fast 38 Prozent hätten Verspätungen beklagt. Knapp vier Prozent hätten nicht fliegen können, weil ihre Verbindung überbucht gewesen sei. Häufigste Folge der Probleme für die Fluggäste sei ein verspäteter Abflug gewesen, der sich um über fünf Stunden verzögert habe (38 Prozent). Knapp zehn Prozent hätten den Flug abgebrochen, weil dieser sich erübrigt habe.

Von den Problemen mit ihrem Flug seien mehr als vier Fünftel der Passagiere von der Fluggesellschaft erst am Flughafen informiert worden, teilte der vzbv mit. Informationen der Airline über ihre Rechte habe die Hälfte der Befragten überhaupt nicht wahrgenommen; 30 Prozent hätten sich selbst darüber informiert. Knapp elf Prozent seien per Handzettel informiert worden, fünf Prozent per Hinweis am Schalter.

Größtes Hindernis bei der Durchsetzung ihrer Rechte sei für 39 Prozent der Befragten gewesen, dass die Fluggesellschaft nur schlecht erreichbar gewesen sei, teilten die Verbraucherschützer mit. Fast ebenso viele beklagten demnach die lange Bearbeitungszeit. Ein Fünftel habe die Regelungen als zu kompliziert empfunden. Mehr als einem Zehntel sei der Kostenaufwand zu hoch gewesen.

Der vzbv befragte für die Untersuchung zwischen Mai und September 1122 Verbraucher. Obwohl die Studie nicht repräsentativ sei, spiegele sie jedoch die in den Verbraucherzentralen geäußerten Erfahrungen von Fluggästen wieder, teilte der vzbv mit. Fluggäste in der EU haben seit einigen Jahren klar definierte Rechte bei Flugverspätungen und -ausfällen. Dazu gehören Leistungen wie Entschädigungszahlungen abhängig von der Entfernung, Hotelunterkünfte, Mahlzeiten oder Kommunikationsmöglichkeiten wie E-Mail und Telefon.

Der vzbv forderte erneut eine übergreifende Schlichtungsstelle für Bus, Bahn, Flug und Schiff. Bislang beteiligen sich nur Bahnunternehmen an der bestehenden Schlichtungsstelle. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sagte dem "Tagesspiegel" (Dienstagsausgabe), die Gespräche mit den Fluggesellschaften über eine freiwillige Beteiligung liefen "konstruktiv". Sie kündigte an, die Schlichtung zwischen Passagieren und Fluggesellschaften gesetzlich zu verankern.

AFP/APN

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