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Weltklimakonferenz: USA bleiben bei ihrer Verweigerungshaltung

Beim Klimagipfel in Montreal ringen die Staaten der Welt um eine Fortsetzung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz. Wichtige Themen gebe es viele, sagt ein Teilnehmer, aber nur ein echtes Problem: die USA.

Auf der Weltklimakonferenz in Montreal haben sich die USA auch für die Zukunft gegen feste, internationale Klimaschutzziele ausgesprochen. "Wir sind kein Teilnehmer des Kyoto-Protokolls, und wir befürworten einen derartigen Ansatz auch für künftige Verpflichtungen nicht", sagte der US-Verhandlungsleiter Harlan Watson auf der Konferenz.

Die internationale Zusammenarbeit bei der Klimaschutzpolitik sollte nicht auf Zwang beruhen, sagte Watson. Er verwies auf mehr als 400 Projekte der USA zum Klimaschutz mit anderen Ländern, darunter auch mit der Europäischen Union.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP betonte Watson ferner, es sei nicht erwiesen, dass Naturkatastrophen wie die jüngsten Hurrikane in den amerikanischen Südstaaten mit dem Klimawandel in Zusammenhang stünden.

Kyoto ist (nicht) der einzige Weg

"Es gibt mehr als einen Weg, um den Klimawandel zu begegnen", betonte Watson. Von 2000 bis 2003 habe die USA den jährlichen Ausstoß der Treibhausgase um fast ein Prozent reduziert, während die Wirtschaft stark gewachsen sei. Dies sei unter anderem durch den Einsatz fortschrittlicher Energietechnik geschehen. Vor dem Jahr 2000 war der Ausstoß allerdings stark gestiegen.

Es sei ein "Taschenspielertrick" der USA, sich willkürlich Zahlen für einen kleinen Zeitraum auszuwählen, sagte der deutsche Verhandlungsleiter Karsten Sach am Mittwoch. "In den USA passiert jedoch tatsächlich vieles." Sach verwies auf die aktive Klimapolitik einiger US-Bundesstaaten wie Kalifornien und auf mehr als 160 Städte, die ähnliche Ziele hätten wie die des Kyoto-Protokolls. Mittelfristig sehe er in den USA ein großes Potenzial für den Klimaschutz. Es sei jedoch bedauerlich, dass die US-Administration diesbezüglich nicht zu den fortschrittlichen Kräften zähle.

EU-Verhandlungsleiter Artur Runge-Metzger sagte, in Montreal werde nicht über konkrete Zielvorgaben verhandelt: "Montreal ist nicht Kyoto." Es sei jedoch nötig, die Diskussion über den künftigen Klimaschutz zu starten. Das Wirtschaftswachstum sei auch in der EU längst vom Kohlendioxidausstoß abgekoppelt. Die 15 alten EU-Staaten hatten nach Angaben der Kommission von 1990 bis 2003 ein Wirtschaftswachstum von 27 Prozent. Der Treibhausgasausstoß sei zugleich um 1,7 Prozent gesunken.

Diese 15 EU-Länder stoßen nach jüngsten Daten der Internationalen Energie Agentur zudem pro Einwohner weit weniger Kohlendioxid aus, als die USA: Ein US-Bürger produzierte 2003 im Schnitt 19,7 Tonnen Kohlendioxid, ein Bürger der alten EU-Staaten 8,7 Tonnen, ein Bundesbürger brachte es auf 10,4 Tonnen. Zum Vergleich: Der Pro-Kopf-Ausstoß in China betrug 2,9 Tonnen und in Indien eine Tonne.

Das UN-Klimasekretariat hatte bereits im Vorfeld der Konferenz angekündigt, dass von dem Treffen noch kein Verhandlungsmandat zu erwarten sei. Es solle jedoch ein Dialog darüber gestartet werden, wie der Klimaschutz nach 2012 weitergehen wird.

Eine Menge wichtiger Themen

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die Klimaschutzpolitik der US-Regierung scharf kritisiert. Die anhaltende Weigerung Washingtons, verbindliche Ziele zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen festzulegen, blockiere die Weltklimakonferenz in Montreal, sagte Bill Hare von Greenpeace International am Dienstag.

"Wenn man hier durch den Konferenzsaal geht, sagen die Delegierten, es gebe eine Menge wichtiger Themen, aber nur ein echtes Problem, und das sind die Vereinigten Staaten", sagte Hare.

AP/DPA / AP / DPA