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ALARM: Was tun, wenn Pleitegeier über der Bank kreisen?

Die Schieflage von Consors verunsichert die Kunden, aber keiner muss um seine Einlagen zittern. Allerdings ist bei einem Konkurs kein Handel mehr möglich.

Schlechte Zeiten für Kleinanleger. Miese Zeiten aber auch für viele Banken, vor allem junge Direktbanken und Internetbroker. Die meisten kämpfen mit roten Zahlen, zehren von der Substanz der Muttergesellschaften. Auch Consors, der einstige Senkrechtstarter am Börsenhimmel aus Nürnberg, ist in Schieflage geraten. Das Mutterhaus, die traditionsreiche SchmidtBank, stand vor dem Aus und liegt jetzt in den Händen einer Auffanggesellschaft. Und die Zukunft ihres noch vor kurzem so erfolgreichen Online-Ablegers ist reichlich ungewiss. Gerüchte um Verkauf, Zerschlagung und drohende Pleite verunsichern die Kundschaft.

Was passiert mit dem Konto?

Nicht nur die weit über eine halbe Million Consors-Kunden bangen um das Fortbestehen ihrer Handelsplattform im Internet. Auch Konten- und Depotinhabern der krisengeschüttelten Bankgesellschaft Berlin stellen sich Fragen wie: Was passiert, wenn auch meine Bank verkauft wird, fusioniert oder schlimmstenfalls ganz dicht macht? Ist mein Geld dann futsch? Durchhalten oder wechseln?

Beispiel Systracom

Dass speziell eine junge Bank in harten Börsenzeiten schnell bankrott sein kann, hat das Beispiel der Systracom AG gezeigt - und die Gemeinde der Discountbroker mächtig aufgeschreckt. Die Internetbank war erst im Juli 2000 mit viel Werbeaufwand gestartet. Nur wenige Monate später, im April dieses Jahres, gingen schon wieder die Lichter aus.

Einlagensicherungsfonds springt ein

Um seine Einlagen, Aktien und Ersparnisse musste aber keiner zittern. In Deutschland sind die Guthaben von Bankkunden bestens geschützt, wie Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Stuttgart betont. Wie die anderen Direktbanken und Großinstitute war auch Systracom dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) angeschlossen. Er wäre in diesem Fall bis zu drei Millionen Mark pro Kunde eingesprungen.

Einlagen sind gedeckt

Generell gilt: Die Höhe der Entschädigung hängt immer vom Eigenkapital der betroffenen Bank ab. Je höher das ausfällt, desto sicherer dürfen sich Kunden fühlen. Bei mehr als der Hälfte der Banken in Deutschland sind so Guthaben bis 30 Millionen Mark pro Besitzer gesichert, wie »Finanztest« herausgefunden hat. Kunden der ganz Großen der Branche dürfen sich gar bis fünf Milliarden Mark Einlagen sicher fühlen. Hätte jemand noch mehr Geld angelegt, müsste er im Schadenfall allerdings selbst dafür gerade stehen.

Teilweise auch EU-Banken gedeckt

Das gilt auch für riskante Engagements bei Banken außerhalb Deutschlands, die nur den gesetzlichen Mindestschutz bieten, wie etwa die holländischen Institute Finansbank, Demir Halk Bank und UGBI Bank. Geht eine Bank mit Sitz im EU-Ausland pleite, müssen die Klienten überdies ihre Ansprüche selbst anmelden. Automatisch wird nichts ersetzt.

Wertpapierdepots werden übertragen

Auch die Wertpapierbestände sind nicht verloren, sollte eine Bank in Deutschland in Konkurs gehen oder verkauft werden, wie Rainer Metz von der Verbraucherzentrale Düsseldorf versichert. Anleihen oder Aktien werden vom Institut ja nur aufbewahrt. Muss eine Bank dicht machen, könnten Aktienbesitzer allerdings ein Problem bekommen: In den Wochen, in denen ein Depot zu einem anderen Geldinstitut übertragen wird, ist kaufen und verkaufen ausgeschlossen. »Sinken ausgerechnet in der Zeit die Kurse oder muss jemand aus anderen Gründen dringend verkaufen, sind ihm die Hände gebunden«, erklärt Metz.

Guter Rat: Auch in Krisenzeiten treu bleiben

Grieble rät verunsicherten Bankkunden dazu, Krisenzeiten in Ruhe auszusitzen. Wer vom Service und den Preisen seiner Bank überzeugt sei, sollte ihr die Treue halten. Hektisches Auflösen von Konten und Depots koste nur Geld. Die Wahrscheinlichkeit, dass beispielsweise Consors Pleite geht, ist »sehr unwahrscheinlich«, ist sich der Bankexperte sicher. Ein Wechsel ist immer noch drin, sollte ein neuer Eigentümer die Gebühren kräftig erhöhen oder schlechter arbeiten.

Berrit Gräber