Angst der Autohändler Notbremsung bei Pleitemarke


Die Angst geht um unter den Autohändlern. Wie sollen sie sich verhalten, wenn eine ihrer Marken von der Pleite bedroht ist? Der Zentralverband des Kfz-Gewerbes gibt den Mitgliedern bereits Tipps dazu. Und er wiegelt ab: "Autokäufer brauchen sich keine Sorgen zu machen."
Von Christoph M. Schwarzer

Der Pleitegeier kreist über dem Automarkt. Trifft es Saab oder Dodge? Mitsubishi oder sogar Seat? Mit der Unruhe am Finanzmarkt scheint nichts mehr unmöglich, und das macht auch die Autohändler nervös: Was, wenn ausgerechnet eine der Marken insolvent wird, mit denen sie ihr Geld verdienen? Und was ist mit den Käufern dieser Autos? Der Zentralverband des Kfz-Gewerbes (ZDK) hat dazu jetzt einen internen Verhaltens-Leitfaden herausgegeben. Zumindest der Endkunde scheint ruhig schlafen zu können, wie Axel Koblitz, Hauptgeschäftsführer des ZDK, sagt: "Bei einer Herstellerpleite bleiben die Rechte des Kunden aus der so genannten Sachmängelhaftung gegenüber dem Händler bestehen."

Gegen klamme Kassen sollten die Autohändler dem internen ZDK-Leitfaden zu Folge jetzt schon darauf achten, in erster Linie "Lagerbestände mit den Fahrzeugen eines möglicherweise insolventen Automobilherstellers abzubauen, soweit es kaufmännisch vertretbar" sei. Bei Eröffnung eines Insolvenzverfahrens müsse nämlich mit einer Entwertung aller Bestände gerechnet werden. Gleichzeitig sollten Einzugsermächtigungen widerrufen und ausstehende Forderungen wie Erstattungen für Garantieleistungen möglichst rasch eingetrieben werden.

Bloß keine Namen nennen!

Dass der ZDK offiziell niemals sagen würde, welche Marke da betroffen sein könnte, ist klar. Allein das Gerücht einer Pleite kann einen Hersteller in den Bankrott treiben. Das gleiche gilt für den vergleichsweise kleinen Bundesverband der freien Kfz-Händler (BVfK), dessen Geschäftsführer Ansgar Klein allerdings glaubt, eine "Marke wie Saab würde kaum jemand vermissen", dort habe man "grandios am Markt vorbei gearbeitet". Hinter vorgehaltener Hand wird bei manchem Experten nur klar, wen man definitiv nicht bedroht sieht: Opel. Natürlich, die Marke mit dem Blitz kann übernommen werden, fusionieren oder anders weiterbestehen. Aber Opel bleibt, und damit ist auch die Versorgung mit Ersatzteilen gesichert.

Das glaubt Axel Koblitz vom ZDK auch für tatsächlich verschwindende Marken: "Da die Fahrzeuge des betreffenden Herstellers weiter auf den Straßen bewegt werden und deshalb auch gewartet und repariert werden müssen, werden weiterhin Teile für diese Fahrzeuge erhältlich sein und auch nachproduziert werden." Dieser Optimismus mag für Motoren und ähnliche, oft in Großserie mit anderen Herstellern oder von Zulieferern kommende Teile gelten. Für autospezifische Karosserie- oder Innenraumteile darf diese Zuversicht angezweifelt werden.

"Vorsicht beim Kunden"

Im internen Leitfaden des ZDK klingt das ohnehin anders. Keineswegs sollten dem Kunden Zusicherungen gemacht werden, dass im Fall der Insolvenz des Herstellers die Ausführung von Garantiearbeiten oder die Belieferung mit Ersatzteilen sichergestellt sei. Es bleibe letztlich dem Händler oder der Werkstatt nur übrig, "dem Kunden das Gefühl zu vermitteln, dass er auch nach der Insolvenz von ihm bestmöglich betreut" werde. Für Autos eines insolventen Herstellers sollte der Händler dem Besitzer eine am ursprünglichen Herstellerschutz orientierte Garantie anbieten: "Die Kosten dafür sollte grundsätzlich der Kunde tragen."

Wird es nach dem Boom durch die Abwrackprämie wieder eng für die Händler? Dazu ergänzt Ansgar Klein vom BVfK: "Ohne den Leitfaden im Detail zu kennen, ist es richtig und höchste Zeit, dass sich der Vertragshandel gegen die Hersteller intensiver zur Wehr setzt. Der Untergang vieler Vertragshändler ist nicht selbstverschuldet. Sie sind das Opfer kaltblütiger Herstellerstrategien." Am längsten Hebel sitzen möglicherweise aber nicht die Produzenten, sondern die Banken. Sie haben bereits bei der Bremer Automarke Borgward gezeigt, wie schnell eine gesund geglaubte Marke vom Pleitegeier gepackt werden kann.


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