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Discounter: Die Deutschen lieben Aldi-Wein - das schmeckt der Konkurrenz gar nicht

Wein wird in Deutschland vor allem beim Discounter gekauft - sehr zum Leidwesen von Winzern und Supermarktketten wie Edeka oder Rewe. Denn Aldi, Lidl und Co. haben eine Strategie. 

Wein vom Discounter

Wein vom Discounter wird immer beliebter

Wer dieser Tage durch die Innenstadt von Düsseldorf schlendert, wird schnell den kleinen Glascontainer entdecken. Doch dort residiert nicht das Touristenbüro, sondern Aldi Süd. Pünktlich zur Fachmesse "Pro Wein" hat der Discounter einen Pop-up-Store eröffnet. Dort schenkt der Billigheimer fünf Tage kostenlos verschiedene Weine aus. Neben den hauseigenen Flaschen öffnet Aldi Süd auch Flaschen bekannter Weingüter wie Fritz Keller, Baron Philippe de Rothschild und Frescobaldi, berichtet die Nachrichtenagentur DPA.

Wein ist für Deutschlands Discounter längst zu einer Umsatztreiber und Kundenfänger geworden. Laut einer aktuellen Marktuntersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wird Wein inzwischen vor allem bei Aldi, Lidl, Penny und Co. gekauft.

Aldi Süd Wein

Wein vom Discounter: Der Pop-Up-Store von Aldi Süd

Fast jede zweite Flasche (48 Prozent), die gekauft wurde, stammt vom Discounter. Der Direktkauf beim Winzer oder anderen Supermarktketten spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Discounter wissen das - und setzen auf Wein als Zugpferd. Aldi Nord betreibt schon länger ein Portal im Internet, um über die Weine im Sortiment zu informieren. Seit rund vier Monaten hat auch Aldi Süd eine Wein-Seite im Netz. Dort können sich User über Wein schlau machen - kaufen können sie den Wein dort nicht. Dafür sollen sie in die Läden gehen.


Aldi will jüngere und kaufkräftige Zielgruppe

"Es ist unser Ziel, vor allem auch den jüngeren Zielgruppen das Trendthema Weingenuss näherzubringen", sagte eine Aldi-Sprecherin damals dem stern. Dabei stehen wohl nicht nur jüngere, sondern auch kaufkräftige Kunden im Fokus. Denn bei kaum einer anderen Warengruppe kann Aldi das Billigheimer-Image schneller abstreifen als beim Wein. "Die Discounter wollen mit ihrem Weinangebot qualitätsbewusste und anspruchsvolle Kunden ansprechen, die sonst vielleicht nicht so schnell den Weg in ihren Laden finden", sagt der GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth dem "Handelsblatt".

Edle Tropfen vom Discounter

Längst gibt es nicht nur billige Plörre beim Discounter, verkauft im Tetrapak und "vorwiegend aus europäischem Anbau", sondern qualitativ anständige Tropfen. Erst im Januar schlürfte sich die Test-Redaktion des Gourmet-Magazins "Falstaff" durchs Aldi-Angebot. Das Ergebnis: Für weniger als fünf Euro bekommen Kunden durchaus akzeptable Weine. 

Doch Aldi und Co. bieten inzwischen auch höherpreisige Weine als Aktionsware an. Beim Konkurrenten Lidl können Kunden ganzjährig im Online-Shop Wein einkaufen. Günstige Weine für weniger als drei Euro sind dort genauso zu bekommen wie der edelsüße Sauternes-Wein Chateau d´Yquem für rund 350 Euro pro Flasche. 

Günstig gleich grauenvoll?: Wie gut kann ein Wein für 1,99 Euro eigentlich sein?
Was? Blancbois Vin de France trocken, Frankreich, 2013, 11,5 % vol  Woher? Penny  Wie viel? 2,49 Euro für eine 1-Liter-Flasche

Was? Blancbois Vin de France trocken, Frankreich, 2013, 11,5 % vol

Woher? Penny

Wie viel? 2,49 Euro für eine 1-Liter-Flasche

Supermärkte setzen auf regionale Weine

Klassische Supermärkte wie Rewe oder Edeka wollen den Billigheimern dieses Geschäft nicht mehr allein überlassen. Die Supermärkte hätten es geschafft, mit "Kompetenz in Sachen Genuss" zu punkten, meint Handelskenner Adlwarth. Der Absatz deutscher Weine über die Supermärkte legte im vergangenen Jahr sogar um acht Prozent zu. Die Ketten hätten auf die Beliebtheit regionaler Produkte bei den Verbrauchern mit dem Ausbau des Weinangebots aus heimischer Produktion reagiert, berichtete Monika Reule, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts. Der Erfolg der Supermärkte ging vor allem zulasten des Direkteinkaufs beim Winzer.


Winzer zieht es ins Netz

Doch die Erzeuger haben einen Trumpf - den Online-Verkauf. Der Weinhandelsriese Hawesko oder die Verkaufsplattform Vicampo, auf der Winzer ihre Weine präsentieren können, verkaufen im Internet. Daneben buhlen Start-ups wie Wine in Black um die Gunst der Kunden. Und immer mehr Winzer bieten ihre Weine ganz einfach selbst im eigenen Geschäft im Netz an.

Attraktiv für die Online-Verkäufer ist nicht zuletzt, dass im Internet meist zu teureren Weinen gegriffen wird als im stationären Handel. "Es ist noch ein Nischensegment, aber mit Wachstumsperspektiven für die nächsten Jahre", meint Ernst Büscher, Sprecher des Weininstituts.

Aldi, Lidl, Netto und Co.: Was Weine vom Discounter taugen