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Gerüchte um Übernahme: Kauft Amazon das Modeunternehmen American Apparel?

Amazon soll Interesse an dem insolventen Modeunternehmen American Apparel haben. Mit dem Kauf könnte sich der Onlinehändler mit einer weiteren Fashionmarke im lukrativen Modemarkt verstärken. Und: Donald Trump könnten die Pläne auch gefallen.

Amazon soll Interesse an American Apparel haben

Amazon soll Interesse an American Apparel haben

Die Gerüchteküche brodelt: Der Onlineriese Amazon hat offenbar Interesse an der insolventen Modemarke American Apparel, berichtet die US-Ausgabe des "Business Insider". Im November 2016 musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Vor allem der damalige Firmen-Chef, Dov Charney, sorgte für Negativ-Schlagzeilen. So soll er Mitarbeiterinnen sexuell belästigt  und zum Sex gezwungen haben. Bei einer möglichen Übernahme würde Amazon den lukrativen Bereich mit Mode stärken, der jüngst deutlich vom Unternehmen ausgebaut wurde. 

Amazons heimliches Modeimperium

Bekleidung ist eine wichtige Kategorie in der Onlinehandelswelt. Seit Jahren finden Kunden in Amazon-Lieferungen Flyer für Modeangebote, auch bei den großen Schnäppchen-Tagen wie dem Primeday oder der Cyber-Monday-Woche setzt Amazon auf Modeangebote. Seit März 2016 bietet Amazon auch eine 30-minütige Mode-Sendung an. "Style Code Live" ist ein englischsprachiges Format, setzt auf bekannte US-Promis und informiert rund um das Thema Mode. In den Staaten hat der Onlinegigant schon mehrere eigene Modemarken aufgebaut. Seit rund zwei Jahren drängt Amazon nun auch in Europa auf den Markt. Laut "DPA" habe der Händler Modemarkennamen wie Lark & Ro, North Eleven oder Franklin Tailored von der EU schützen lassen. Laut Analysten soll Amazon im Jahr 2017 bereits 52 Milliarden Dollar nur mit Fashion umsetzen. 

Amazon baut Modegeschäft deutlich aus

Im März 2016 suchte Amazon in Europa Modemanager, die "die weltgrößte Mode-Einkaufs-Erlebniswelt aufbauen" wollen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Offenbar bastelt der Konzern im Allgemeinen an einer Expansion in Europa. Das Modegeschäft scheint dabei eine Schlüsselrolle einzunehmen - und das nicht nur im Netz, sondern auch durch eigene Geschäfte. "Ich gehe davon aus, dass Amazon in deutschen Großstädten demnächst Showrooms eröffnen wird", sagt Christian Kille, Professor für Handelslogistik an der Hochschule Würzburg, der "Süddeutschen Zeitung".

Laut dem "Business Insider" gibt es noch einen weiteren Grund für Amazon, Interesse an der insolventen Modemarke American Apparel zu haben. Und der heißt Donald Trump. Der kommende US-Präsident will die amerikanische Wirtschaft ankurbeln und erhöht den Druck auf US-Unternehmen, Arbeitsplätze im eigenen Land zu schaffen oder zu erhalten. So kündigte der Autobauer Ford erst kürzlich an, ein geplantes Werk in Mexiko nicht zu bauen und stattdessen auf die Fertigung in den USA zu setzen. 

Ein weiterer Grund für die Übernahme: Donald Trump

Die Marke American Apparel warb mit dem Slogan "Made in the U.S.A" und bezeichnete sich als den größten Bekleidungshersteller in den USA. Rund 4500 Mitarbeiter hatte das Unternehmen, das sich selbst auch als die größte Nähfabrik in Nordamerika darstellte. Sollte Amazon American Apparel übernehmen, würden nicht nur Tausende Jobs in den USA gerettet werden. Mit diesem Schritt könnte sich Amazon auch die Unterstützung von Trump sichern. Bislang hatte der kanadische Sportklamottenhersteller Gildan Activeware Interesse an der Modemarke bekundet und die Summe von 66 Millionen Dollar in den Raum gestellt (allerdings nur für die Markenrechte, Interesse an den Filialen hat das Unternehmen nicht). Da das Insolvenzgericht eine Versteigerung von American Apparel angeordnet hat, gilt diese Summe als Startgebot. Für Amazon ein recht überschaubarer Betrag. Schließlich verfügte der Onlinehändler allein im zuletzt bilanzierten Quartal über Cash in Höhe von zwölf Milliarden Dollar.

Amazon selbst will sich zu den Spekulationen nicht äußern. Da die Versteigerung von American Apparel bereits im Januar starten soll, könnte sich der Onlineriese bei Interesse an der Marke bald aus der Deckung wagen. 

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