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Lebensmittel liefern lassen: Warum der Digital-Chef von Rewe sich nicht vor Amazon fürchtet

Der Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh ist in Deutschland gestartet. Für Supermarktketten wie Rewe und Edeka ist das eine Kampfansage - oder? Ganz im Gegenteil, sagt nun der Digital-Chef von Rewe in einem Interview.

Rewe und Amazon Fresh: Lebensmitteln liefern lassen

Johannes Steegmann verantwortet das Digitalgeschäft bei Rewe. 

Die Schlacht der Supermärkte wird nicht mehr in den Märkten, sondern im Internet ausgefochten - da sind sich Experten einig. Wer zukunftsfähig auf die veränderten Einkaufswünsche der Kunden eingehen will, braucht eine Online-Strategie. Doch mit dem Marktstart von Amazon Fresh ist ein neuer Player dazugekommen. Dem Lebensmittel-Lieferdienst des Online-Giganten trauen Fachleute einen Umbruch zu. Denn bislang spielt der Einkauf von Lebensmitteln im Netz kaum eine Rolle.  

Dass sich das ändern wird - da sind sich Handel und Wissenschaft sicher. Nur der Kunde macht noch nicht so richtig mit. Laut dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) liegt der Anteil an Online-Lebensmittelkäufen im Netz bei gerade einmal einem Prozent. "Marktforscher und Berater sagen, dass der Umsatz der Online-Bestellungen im Lebensmittelhandel sich auf drei bis zehn Prozent erhöhen wird. Derzeit ist der Lebensmittelhandel rund 160 Milliarden Euro groß", sagte Johannes Steegmann, Geschäftsführer bei Rewe Digital, zu "t3n".

In Deutschland fließen laut der "Gesellschaft für Konsumforschung" fast die Hälfte aller Konsumausgaben in den Nahrungsmittelbereich - und ausgerechnet der ist noch nicht wirklich digital beim Konsumenten angekommen. Dass sich dies radikal in den kommenden Jahren ändern wird, scheint klar.

Amazon Fresh: Beschleuniger statt Wettbewerber

Doch Experten erwarten durch den Start von Amazon Fresh, dass sich diese Entwicklung nun beschleunigt - und das zugunsten des US-Konzerns. Steegmann hingegen sieht in Amazon Fresh zunächst weniger einen Wettbewerber als vielmehr einen Wegbereiter für den digitalen Umbruch der Branche. 

"Damit der Online-Lebensmittelhandel in Fahrt kommt, braucht es gute Angebote in mehreren Städten sowie eine Auswahl unter mehreren Anbietern. In Berlin ist das heute schon der Fall – hier liefern neben Rewe auch Bringmeister und Kaufland und nun auch Amazon Fresh. Die Frage lautet eher: Wann baut Amazon seinen Service in anderen Städten aus und wie schnell rollt Kaufland aus?", sagt er gegenüber "t3n".

Würden die Mitbewerber ihr Angebot auch ausweiten, würde der gesamte Markt profitieren, meine Steegmann. Er argumentiert mit dem Beispiel Großbritannien: "Tesco hat sehr früh Lebensmittel geliefert und bald sind noch andere Anbieter aufgesprungen wie Ocado, Asda und andere. Das hat gezeigt: Wenn ein attraktives Angebot in den Markt kommt, wird es auch genutzt."

Lebensmittel-Lieferdienst nur in Städten

Allerdings fürchtet sich Steegmann nicht vor einem Umbruch, wie ihn das Segment der Bücher oder Technik erlebt hat. Diese Produkte werden inzwischen hauptsächlich online gekauft. Bei Lebensmitteln erwartet er einen Marktanteil von drei bis zehn Prozent. Er betont, dass das Geschäft mit gelieferten Lebensmitteln aufwendig sei. Die Kühlkette einzuhalten, sei aufwendig. In Frankreich habe sich die Abholung durch Kunden etabliert. Rewe ist bislang "in 75 Städten mit über 100.000 Einwohnern aktiv, womit wir rund 40 Prozent der deutschen Haushalte erreichen", so Steegmann. Kleinere Städte oder gar ländliche Regionen sind bislang ausgeklammert - zu teuer ist der Lieferdienst. "Ob Rewe jemals zum Beispiel in Garmisch ausliefert, muss man sehen. Das hängt davon ab, wie sich die Technik und die Nachfrage der Kunden entwickelt."

kg