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Lebensmittel im Netz einkaufen: Amazon Fresh geht an den Start - und Deutschlands Supermärkte zittern

Im April soll das Lebensmittel-Angebot von Amazon in Deutschland starten. Für Supermärkte könnte damit eine neue Ära beginnen. Experten erwarten, dass Amazon Fresh durchstartet - und einigen Supermärkten gefährlich werden könnte.

Amazon Fresh

Amazon Fresh arbeitet mit DHL zusammen

Jahrelang sorgte Amazon Fresh nur für Gerüchte in Deutschland. Immer wieder vermuteten Experten, dass es sich nur noch um wenige Monate handeln dürfte, bis der Lebensmittel-Lieferdienst des US-Händlers auch auf dem deutschen Markt an den Start geht. Doch es tat sich nichts. Bis jetzt.

Denn inzwischen gilt es als sicher, dass im April Amazon in Deutschland startet. Hinter dem Angebot steckt nicht weniger als eine Revolution im Lebensmittelhandel. Denn Amazon will zum Versand-Supermarkt werden. Nicht Getränke und Drogerieartikel, die Kunden schon heute über Amazon Pantry kaufen können, will der Handelsriese liefern, sondern wirklich alles, was Kunden ansonsten in Supermärkten kaufen. Starten soll das Projekt zunächst in Berlin, berichtet das "Handelsblatt".

Amazon holt DHL ins Boot

Offenbar holt sich Amazon für die Lieferung der Einkäufe DHL als Logistikpartner an Bord. Branchenkreisen zufolge, so das "Handelsblatt", sei das Angebot so attraktiv gewesen, dass Amazon von der Idee, selbst einen Lieferdienst aufzuziehen abgekommen sei. 

Außerdem bringt DHL weitere gute Argumente mit: Seit Jahren arbeiten Amazon und DHL zusammen. Und das Logistik-Unternehmen hat bereits Erfahrungen mit dem eigenen Lebensmittel-Lieferdienst Allyouneed Fresh gesammelt. "Die beiden Platzhirsche Amazon und DHL arbeiten schon lange zusammen und könnten den Online-Lebensmittelhandel auf ein relevantes Niveau heben", sagt Lars Hofacker, Leiter des Forschungsbereichs E-Commerce beim EHI Retail Institute, dem "Handelsblatt". "Mit DHL lässt sich ein nationaler Ausbau sehr gut vorantreiben und könnte damit die Lieferung von Lebensmitteln auch außerhalb der Ballungszentren ermöglichen." Weder DHL noch Amazon wollen sich zu der Zusammenarbeit äußern - genau genommen will Amazon nicht einmal die Amazon-Fresh-Aktivitäten bestätigen. Doch tatsächlich sagt das erstmal wenig über den wirklichen Stand der Entwicklung aus. So schwieg der Konzern auch beim Same-Day-Delivery-Modells Prime-Now bis zum tatsächlichen Start

Doch Amazons Pläne für das Fresh-Angebot scheinen für eine schnelle Expansion auf das gesamte Bundesgebiet ausgelegt zu sein. Denn in München entsteht derzeit eine Logistikhalle, so die "Süddeutsche Zeitung", die als Warenlager für Amazon Fresh fungieren soll. Besonders die integrierten Kühlräume lassen die Fachwelt aufhorchen. Hier wird offenbar nicht wieder ein Gerücht hochgejazzt, sondern Amazon Fresh geht in die konkrete Umsetzung.

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Amazons Lieferdienst lässt Konkurrenz zittern

Lebensmittel-Lieferungen aus dem Netz sind der Angstgegner für Supermärkte. Die Probleme, in die andere Branchen durch den Online-Handel gestürtzt wurden, zeigen, dass diese Angst berechtigt ist. Schuhe, Klamotten, Technik - der Anteil des Internetkonsums wächst kontinuierlich. Und gräbt dem Einzelhandel das Wasser ab. Dass auch die großen Supermarktketten wie Rewe, Edeka und Co. vor dem Angebot zittern, bestätigte Rewe-Chef Alain Caparros. "Wir müssen uns warm anziehen gegen Amazon Fresh", sagte er im Dezember der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

Noch Nischenangebot: Lebensmittel aus dem Netz

Der Kampf um Supermarktkunden ist lukrativ. Mit rund 200 Milliarden Euro geht es um ein Riesengeschäft. Bislang spielt der Online-Handel in der Welt von frischem Salat, Aufschnitt und Tiefkühlpizza nur eine untergeordnete Rolle. Nur rund ein Prozent des Umsatzes werden im Netz verdient. Das liegt zum einen an der erst zögerlichen Nachfrage - aber sicherlich auch an einem sehr überschaubaren Angebot. Die Supermarktkette Rewe gilt bislang als Pionier auf dem Gebiet. Auch Kaufland bastelt an dem Ausbau des Online-Shoppings. Andere Akteure wie Aldi scheinen das Thema gar nicht zu verfolgen. Lidl hatte erst kürzlich ein Online-Modell beerdigt. Das könnte sich schnell zu einem folgenschweren Fehler entwickeln, denn Experten sagen dem Online-Lebensmittelhandel ein mögliches Marktvolumen von 10 Prozent voraus - das wären immerhin 20 Milliarden Euro. Wer die Entwicklung verschläft, könnte schnell vom Markt gefegt werden. "Wahrscheinlich wird nicht nur Staub aufgewirbelt, sondern ein Sturm entfacht", sagt Rewe-Chef Alain Caparros, der "Süddeutschen Zeitung".


Amazon Fresh bedroht Supermarkt-Landschaft

Die Beratungsfirma Oliver Wyman zeichnete in einer Studie aus dem Jahr 2016 ein düsteres Bild für den Lebensmitteleinzelhandel durch den Markteinstieg von Amazon Fresh. Zwischen 1200 und 1700 Supermärkte könnten schnell in die Verlustzone rutschen, bis zu 40.000 Arbeitsplätze könnten in Gefahr sein, sollte Amazon Fresh so einschlagen wie von Experten erwartet. "Die Unternehmen müssen jetzt klotzen und nicht kleckern", so Michael Lierow, Handelsexperte der Managementberatung Oliver Wyman. "Die Händler dürfen das Feld Amazon nicht kampflos überlassen, sie müssen ihr Onlinegeschäft noch viel schneller und entschlossener ausbauen."

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