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Reiniger, Lebensmittel, Hundefutter: Amazon wird zum Supermarkt

Amazon will künftig Supermarktprodukte wie Reinigungsmittel, Nudeln, Milch und Kaffee unter einer Eigenmarke verkaufen. Damit macht der Versandhändler den ausliefernden Supermärkten Konkurrenz.

Von Katharina Grimm

Über Amazon fresh liefert der Versandhändler bereits jetzt Lebensmittel in den USA aus. Der Service lässt in Deutschland noch auf sich warten. Nun will Amazon eigene Produkte vertreiben.

Über Amazon fresh liefert der Versandhändler bereits jetzt Lebensmittel in den USA aus. Der Service lässt in Deutschland noch auf sich warten. Nun will Amazon eigene Produkte vertreiben.

Der Versandhändler Amazon will künftig Lebensmittel und andere Supermarktprodukte unter einer Eigenmarke ausliefern. Wie das "Wall Street Journal" aus informierten Kreis erfuhr, habe Amazon bereits Anfang Mai Markenschutz für mehr als zwei Dutzend Produktkategorien angemeldet. Von der Amazon Eigenmarke Elements soll es unter anderem Milch, Müsli, Hundefutter, Nudeln, Babynahrung, Reiniger, Kaffee, Suppe und auch Haushaltsprodukte wie Rasierer geben.

Als Produzent für die eigene Lebensmittel-Linie soll sich Amazon mit Treehouse Foods einig geworden sein. Über Preise der neuen Produkte ist bisher nichts bekannt.

Herber Reinfall mit der Eigenmarke

Babyfeuchttücher und Windeln waren die ersten Produkte, die Amazon unter dem Dach der Eigenmarke Elements auf den Markt gebracht hatte. Allerdings mit wenig Erfolg: Im Dezember 2014 startete Amazon den Verkauf der hauseigenen Windeln - und nahm das Angebot kaum zwei Monate später wieder vom Markt. Die Kunden waren mit der Qualität nicht zufrieden, die Bewertungen rangierten nur im Mittelfeld. Gegen die namenhaften Hersteller hatte die Elements-Windel offenbar keine Chance.

Supermarkteinkauf als Geschäftsmodell

Frische Lebensmittel gehören bislang nicht zum eigenen Warenangebot von Amazon. Allerdings etabliert sich Amazon fresh zunehmend in den USA: Der Online-Händler liefert in einigen US-Städten Lebensmittel aus. So können Kunden beispielsweise in Seattle, Los Angeles und San Francisco aus einem Angebot mit rund 500.000 Produkten wählen. In Kalifornien gibt sogar noch einen zusätzlichen Service: Kunden können sich zusammen mit Lebensmitteln von Amazon fresh auch Produkte von kleinen Händlern vor Ort nach Hause liefern lassen, berichtet der "Supermarktblog".

Deutscher Markt macht Schwierigkeiten

Amazon fresh sollte längst auch auf dem deutschen Markt starten - doch noch tut sich wenig. Seit Monaten halten sich Meldungen, der Service stehe kurz vor dem Start. Branchenkenner erwarten den Start von Amazon fresh in Großbritannien und Deutschland innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate. Ob auch die Elements-Produkte in Deutschland verfügbar sein werden, ist unbekannt.

Der Markt für gelieferte Supermarkteinkäufe steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Bislang experimentieren nur wenige Supermarktketten und Start-ups mit Supermarkt-Lieferungen. Zuletzt musste Rewe an der Preisschraube drehen. Der Werbeslogan "Preise wie im Markt" war trotz zusätzlicher Liefergebühren nicht mehr umsetzbar.