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Nach Übernahme: Pillen von Amazon? Wie der Online-Verkäufer zum Pharmahändler werden könnte

Die Übernahme der US-Versandapotheke PillPack ging zwar schon 2018 über die Bühne, doch jetzt deutet eine Namensänderung darauf hin, dass Amazon den Milliardenmarkt für Arzneimittel stärker in den Fokus nimmt.

Amazon nennt PillPack um

Mit "Amazon Pharmacy" nimmt der Händler den Medikamentenmarkt ins Visier.

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Der US-Pharmamarkt ist milliardenschwer und hochlukrativ - das weiß auch Amazon. Im Jahr 2018 übernahm der Online-Händler die amerikanische Versandapotheke PillPack für rund eine Milliarde Dollar. Nun verpasst der Konzern dem Unternehmen einen Namenszusatz, der auf eine größere Entwicklung hindeuten könnte.

Das Unternehmen PillPack verfügt in den USA über eine Apothekenlizenz und ist in allen Bundesstaaten (außer Hawaii) aktiv, berichtet "CNN". PillPack verkauft vorsortierte Pillenpackungen, die Datum und Uhrzeit der Einnahme tragen. Somit erleichtern sie Patienten, die mehrere Präparate pro Tag schlucken müssen, die korrekte Einnahme.

Nun bekommt PillPack den Namenszusatz "by Amazon Pharmacy". Mit dieser Änderung tritt die Pharmaabteilung von Amazon erstmals in Erscheinung. Bereits Anfang 2018 hatte Amazon gemeinsam mit der Investmentfirma Berkshire Hathaway und der US-Bank J. P. Morgan das Gemeinschaftsunternehmen Haven gegründet. Die gemeinnützige Firma soll die Probleme im US-Gesundheitssystem in Angriff nehmen und die Kosten für die Gesundheitsversorgung senken. 2018 stellte Amazon den bekannten Kardiologen Maulik Majmdar als Chef-Mediziner ein.

Amazons Interesse am Gesundheitsmarkt

Dass Amazon großes Interesse am Gesundheitsmarkt hat, ist unbestritten. Zunächst argumentierte der Konzern damit, die Kosten für die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter senken zu wollen. Doch längst ist klar, dass der globale Händler den ganzen Markt ins Visier nimmt. Allein in den USA werden mit verschreibungspflichtigen Arzneien rund 500 Milliarden Dollar jährlich umgesetzt, der Markt wächst pro Jahr um rund sieben Prozent. Etwa 60 Prozent der amerikanischen Erwachsenen leiden an mindestens einer chronischen Erkrankung wie Herzkrankheit, Krebs oder Diabetes.

Allerdings war lange unklar, wie sich Amazon dem stark regulierten Markt nähern würde. Rezeptfreie Medikamente und Gesundheitsprodukte wie Nikotinkaugummis oder Haarwuchsmittel vertreibt der Händler schon heute. Mit PillPack war klar: Amazon will auch verschreibungspflichtige Produkte verkaufen. Der Namenszusatz deutet nun darauf hin, dass Amazon Größeres plant. Experten sehen vor allem Amazons Logistik-Knowhow als großen Vorteil. Laut "CNBC" erwarten Analysten von "Amazon Pharmacy" mehr als einfach nur die Lieferung von Medikamenten via PillPack. "Der Wechsel des Namens impliziert, dass Amazon mehr Ambitionen im Pharmabereich hat als das PillPack-Produkt", sagte der Apothekenexperte Stephen Buck, der seit mehr als einem Jahrzehnt in der Branche tätig ist, zu "CNBC". "'Amazon Pharmacy' könnte eine Apotheke werden, die alle Arten von Packungen und Rezepten abgibt", sagte Buck. "Es könnte auch ein Marktplatz für Apotheken werden."

Bislang wollten sich weder Amazon noch PillPack zu den Entwicklungen äußern.

kg