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Amazon Comprehend Medical: Wie Amazon mit unserer Gesundheit Milliarden verdienen will

Immer mehr Tech-Unternehmen interessieren sich für unsere Gesundheit - und öffnen damit einen Milliarden-Markt. Dass auch Amazon mitmischen will, macht viele Konkurrenten nervös. Der Handelsgigant beschränkt sich nicht auf den Verkauf von Health-Produkten.

Unsere Gesundheit ist ein einträgliches Geschäft

Unsere Gesundheit ist ein einträgliches Geschäft

Getty Images

Mit dem Fitness-Tracker den Puls messen, die Ernährung per App tracken und mit der digitalen Waage den Gewichtsverlauf protokollieren: Immer mehr Menschen nutzen digitale Unterstützer, um auf ihre Gesundheit zu achten. Und auch für Unternehmen ist unser Gesundheits-Zustand und alle Daten, die damit zusammenhängen, längst Gold wert. Doch in der Branche werden viele Firmen nervös. Ausgerechnet der Gigant Amazon läuft sich gerade warm, das lukrative Feld zu erobern.

Dass Amazon die Fühler in Richtung des Health-Sektors ausstreckt, war schon im Frühjahr bekannt. Im Sommer kaufte sich der Handelsriese, der mit Fitness-Trackern und Co. ohnehin schon Unsummen verdient, mit der Übernahme des US-Händlers PillPack in den Pharma-Versand ein. Der größte Coup folgte aber Ende November: Da stellte das Unternehmen sein Service-Angebot "Amazon Comprehend Medical" vor - und dem trauen Analysten zu, einen fast 300 Milliarden US-Dollar schweren Markt zu überrollen.

Das Geschäft mit den Daten

Amazon bietet über das Projekt an, die zahlreichen zerstreuten, oft noch von Hand geschriebenen Patientenakten in Papierform zu digitalisieren - und sie so in Datenbanken zugänglich zu machen. Möglich ist das mit einer fortgeschrittenen künstlichen Intelligenz, die Schrifterkennung, Sprachanalyse und medizinisches Verständnis verbindet. So sollen Symptome, Diagnosen und Behandlungsmethoden gesammelt und in einer digitalen Akte zusammengefasst werden.

Laut einem Bericht des "Business Insider" reagieren die direkten Konkurrenten in dem Feld nervös. Angesichts der schieren finanziellen Ausstattung ist das allerdings auch kein Wunder. Ein Analyst von RBC Capital Markets sieht demzufolge eine reelle Chance für Amazon, den Markt vollständig aufzuwirbeln. Andere sind skeptischer. Amazons Konkurrenten in dem Bereich haben teils jahrelang Vertrauen aufgebaut, das sich Amazon erst noch verdienen müsste, argumentieren sie. Versuche Googles und Microsoft in diesem Bereich zu punkten, verliefen eher kläglich. Allerdings war zu der Zeit die Nützlichkeit Künstlicher Intelligenz noch deutlich eingeschränkter.

Zukunftsmarkt Gesundheit

Das Geschäft mit der Gesundheit wird als einer der wichtigsten Märkte der nächsten Jahre eingeschätzt. Neben dem allgegenwärtigen Trend zur Selbstoptimierung, etwa mit Fitnesstrackern, trägt auch die zunehmende Digitalisierung des Alltags dazu bei, dass eine immer größere Menge an Gesundheitsdaten erfasst wird. Diese ermöglichen einerseits ganz neue Erkenntnisse, etwa zur Früherkennung von Krankheiten oder der Wirksamkeit von Behandlunsgmethoden, ermöglichen andererseits aber auch viel präzisere Vorhersagen zur individuellen Gesundheit. Und die sind für Versicherungen Gold wert. 

Kein Wunder, dass auch die großen Tech-Unternehmen immer öfter in den Markt drängen. Die meisten richten sich noch an Konsumenten. Apple gelang mit der Apple Watch ein gigantischer Erfolg. Die Smartwatch sammelt nicht nur Gesundheitsdaten, sondern warnt auch bei Herzrhythmus-Störungen, erkennt Stürze und kann in den USA nun sogar ein EKG erstellen. Auch Philips konnte sich mit allerlei smarten Gesundheits-Gadgets ein sehr stabiles Standbein aufbauen. Das wirklich große Geschäft dürfte aber in der Auswertung der gesammelten Daten stecken. Also genau da, wo Amazon nun hin will.

mma
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